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„So ein Blödsinn, reine Panikmache!“

„So ein Blödsinn, reine Panikmache!“

Die Forderung der Bundesregierung, einen Lebensmittelvorrat anzulegen, finden viele OZ-Leser übertrieben

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Prall gefüllter Einkaufskorb: Die Bundesregierung ruft die Bevölkerung auf, sich einen Lebensmittelvorrat anzulegen.

Quelle: Jochen Tack

Berlin/Schwerin. Das neue Zivilschutzkonzept der Bundesregierung erhitzt die Gemüter. Für den Krisenfall soll sich jeder Haushalt einen Vorrat anlegen: Lebensmittel für zehn Tage und Wasser für eine knappe Woche. Oppositionspolitiker aus MV nennen die Pläne „überzogen“ und bezeichnen sie als „Angstmache“. Aus dem Bundesinnenministerium heißt es, das Konzept sei zuletzt 1995 aktualisiert worden. Und: Vieles, was nun diskutiert werde, sei nicht neu. Mehrheitlich kritisch äußern sich die OZ-Leser auf der Facebook-Seite der Zeitung.

„So ein Blödsinn“, schreibt Andreas Unterfranz . „Dieses Papier ist vor vier Jahren in Auftrag gegeben worden und niemand hat bis zum vergangenen Wochenende Notiz davon genommen. Jetzt werden die Menschen verunsichert und ratlos zurückgelassen.“ Gerade alte Menschen bekämen nun unnötige Angst, so sie das lesen, sehen oder hören sollten. „Wenn sich herausstellt, dass das ein Wahlkampfmanöver ist, habe ich dafür keinerlei Verständnis!“ Für Ralf Matthe sind die Pläne „Panikmache auf Kosten des Volkes“. Seine Vermutung: „Der Handel soll wohl mit solch einem Unfug ordentlich belebt werden.“ Mit der Unwissenheit der Menschen könne man schließlich auch Geld verdienen.

Klare Worte findet auch OZ-Leser Stephan Kolb : „Eine wirklich blöde Aussage der Politiker, dass sich die Bürger eigenverantwortlich mit Nahrung eindecken sollen. Wenn die Bürger sich mittlerweile bald vollständig ,eigenverantwortlich’ um alles kümmern müssen, warum zahlen wir dann eigentlich noch Steuern?“ Kerstin Jannowsky tut sich mit einer Einschätzung schwerer. „Ich für meinen Teil kann schlecht beurteilen, ob es Panikmache ist. Auf alle Fälle wissen die Politiker wieder mehr als sie preisgeben und das beunruhigt mich – gerade in heutigen Zeiten.“

Wie man einen Lebensmittelvorrat anlegt, weiß Facebook-Nutzerin Petra Meyring . Sie entstamme einer Generation, in der man das Einkochen noch gelernt habe, berichtet die Leserin.

„Demzufolge haben wir immer etwas im Haus gehabt! Ich empfinde die Panikmache als übertrieben. In meinen Augen dient sie zur Ablenkung. Wirklich wichtige Dinge geraten dadurch aus dem Blickfeld!“

Angstmache sei das nicht, relativiert Ricardo Achenbach . „Es wird alle paar Jahre darauf hingewiesen, dass man einen Notfallvorrat anlegen soll. Also, alte Kamellen.“

Tobias Nitsche rätselt noch: „Neue Katastrophe, die dazu führt, dass ich zehn Tage nirgendwo Nachschub besorgen kann? Was soll das sein? Eine Überschwemmung? Dann ist der Keller auch abgesoffen und die Vorräte sind futsch.“

Und Katrin Jordan fragt sich, „was Bohnen, Erbsen, Eintöpfe und vieles mehr nützen, wenn man das Essen am Ende nicht kochen kann, weil es keinen Strom gibt?“ Ausführlich erklärt Fred Bollmann dazu: „Es gibt die langfristigen, mittelfristigen und kurzfristigen Maßnahmen, die mehr oder weniger öffentlich auf einen Ausnahmezustand hindeuten. Neben der Erhöhung der Kapazitäten von Kliniken und Krankenunterkünften beispielsweise gehört auch die Vorbereitung der Bevölkerung auf Engpässe zu den Forderungen sowie das Anlegen von Lebensmittelvorräten – auch auf staatlicher und kommunaler Ebene.“

OZ-Leser Wolfgang Ende lässt sich von dem Szenario nicht beunruhigen. „In meinem Fall gibt es dafür einen einfachen Grund. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich immer eine kleine Notreserve im Haus.“

Zivilschutzkonzept

70 Seiten umfasst das neue Zivilschutzkonzept, das das Bundeskabinett gestern erneuert hat. Es enthält ein Bündel von Maßnahmen, um das Funktionieren des Staates zu gewährleisten und die Versorgung der Bevölkerung in Krisenfällen sicherzustellen. Zu den Vorkehrungen zählen eine Aufstockung von Arzneimittelvorräten ebenso wie Notfallpläne für den Zusammenbruch der Wasser- oder Stromversorgung. In dem Papier passt die Bundesregierung ihre Planungen für den Krisenfall an die veränderte Bedrohungslage an.

Juliane Lange

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