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MV aktuell So gefährlich kann der Tote Winkel bei Lkws sein
Nachrichten MV aktuell So gefährlich kann der Tote Winkel bei Lkws sein
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10:43 03.12.2018
Nur so einen begrenzten Bereich sieht ein Lkw-Fahrer, wenn ein Fahrradfahrer neben seinem Fahrzeug steht. Quelle: DEKRA
Rostock

Drei Mal war meine Hand gebrochen. Innerhalb einer Sekunde. Nur drei Mal. Ich hatte Glück gehabt. Der Lkw war nach rechts ausgeschert, ich fuhr wohl in seinem toten Winkel, als ich ihn auf dem Fahrrad rechts überholen wollte. „Rechts?!“, stöhnt Detlef Wunderlich von der gleichnamigen Fahrschule in Rostock. „Bitte niemals als Radfahrer einen Lkw rechts überholen!“, fleht Wunderlich in einer Mischung aus Sorge und Nachdrücklichkeit. Denn gerade auf der rechten Seite sehe der Fahrer oft nicht ausreichend, was dort vor sich geht. Auch wenn man im Recht sei – der Lkw-Fahrer merke es aufgrund des Gewichtes seines Fahrzeuges oft nicht einmal, wenn er einen Menschen überfährt. Schwerste Verletzungen oder Tod seien die Folge bei Kontakt mit einer Radlast von gut drei Tonnen allein auf einem Vorderrad.

Weil das Zusammentreffen von Lkw und Fahrrad im Straßenverkehr zu gefährlichen Situationen führt, insbesondere wenn Lkws rechts abbiegen, wollen die Prüforganisation Dekra und Lkw-Fahrlehrer Detlef Wunderlich aufklären. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Einerseits gehen Unfälle zurück, wenn Menschen wissen, wann und wo es gefährlich wird. Andererseits sind Speditionen angehalten, technisch aufzurüsten, um den Bereich des toten Winkels zu reduzieren.

Zu einer typischen Situation gehört, wenn sich beispielsweise der Fahrradweg parallel zur Straße befindet. Die Lage ist klar: Möchte der Lkw abbiegen, muss er dem Radfahrer die Vorfahrt gewähren. Die Realität sieht zum Teil anders aus: Befindet sich der Radfahrer im toten Winkel, ist er nicht zu sehen. Erschwerend für die Fahrer ist, dass die Spiegel die Umwelt verkleinert und verzerrt darstellen. „Hinzu kommt, dass Lkw-Fahrer gerade in Städten sehr komplexen Situationen ausgesetzt sind“, sagt Lkw-Fahrlehrer Christian Irmler (39). Der Verkehr nehme kontinuierlich zu, der Zeitdruck der Fahrer sei immens, die Anforderung an die Konzentration extrem hoch. „Meine Fahrschüler sind nach einer 90-Minuten-Fahrt erst einmal ziemlich fertig“, sagt Irmler. Erfahrene Berufskraftfahrer brauchen spätestens nach viereinhalb Stunden genügend Zeit, um wieder frisch zu werden. „Ein wenig Verständnis für die Lkw-Fahrer hilft, gefährliche Situationen zu vermeiden“, sagt Romy Thews. Die 37-Jährige lässt sich derzeit zur Berufskraftfahrerin ausbilden. „Ich muss sechs Spiegel im Auge haben und stets den Platz beachten, den mein Fahrzeug benötigt“, sagt sie. In den Städten habe sie auf den Straßen nach rechts meist nur fünf Zentimeter Platz, ebenso nach links. „Da muss ich mental fit sein – ich brauche nicht nur 100 Prozent Konzentration, sondern 1000.“ Was sie an ihrem Fahrschul-Lkw wirklich schätzt, ist das Assistenzsystem: per optischem und akustischem Signal wird sie gewarnt, wenn sich etwa ein Radfahrer im toten Winkel befindet. Das System kostet zwar rund 2500 Euro. Aber die Abbiegeassistenten reduzieren die Wahrscheinlichkeit von Unfällen. „Gut die Hälfte der schweren Lkw-Unfälle, an denen Radfahrer und Fußgänger beteiligt sind, könnten mit dieser Technik vermieden werden“, konstatiert der Rostocker Dekra-Niederlassungsleiter Dr. Manfred Preetz. Angesichts steigender Transportleistungen und zunehmender Verkehrsdichte werde diese Technik immer wichtiger.

Meine Hand ist wieder in Ordnung. Doch Lkw begegne ich möglichst auf Distanz, versuche an Kreuzungen und Ausfahrten Sichtkontakt mit den Fahrern zu bekommen, fahre möglichst nicht rechts an ihnen vorbei. Ich weiß, dass sie wie ich Zeitdruck haben, recht hoch sitzen und auch deshalb nicht in jeder Millisekunde die komplette Umsicht haben können. Aber am besten verstehe ich Lkw-Fahrer, seitdem ich mal zur Probe in einem Trucker-Fahrerhaus gesessen habe.

Klaus Amberger

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