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Sorge: A-20-Loch schreckt Urlauber ab

Tribsees Sorge: A-20-Loch schreckt Urlauber ab

Tourismusbranche drängt auf Spitzengespräch / Linke stellt sogar Behelfsstraße infrage

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Das abgesackte Autobahnteilstück an der Trebeltalbrücke. Hier werden auch Touristenströme gebremst.

Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Tribsees. Neuer Ärger um die Pannenautobahn: Nach dem Aus für die provisorische Brücke über den A-20-Krater bei Tribsees stellt die Linke auch die geplante Behelfsstraße infrage. „Es ist keineswegs sicher, ob die alte Baustraße so einfach reaktiviert werden kann. Ich warne davor, hier vorschnell Hoffnungen zu wecken“, sagte gestern die verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Mignon Schwenke. In der Tourismusbranche wächst unterdessen die Sorge, dass das A-20-Desaster Gäste abschrecken könnte.

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Tourismusbranche drängt auf Spitzengespräch / Linke stellt sogar Behelfsstraße infrage

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Schwenke betonte, die Belastung der Anwohner müsse so rasch wie möglich gesenkt werden, aber: „Sicherheit muss vor Schnelligkeit gehen. Eine Behelfsstraße muss ja eine geraume Zeit dem Verkehr standhalten.“ Inzwischen stehe für sie außer Zweifel, dass beim Bau der Autobahn zu sehr aufs Tempo gedrückt wurde, so Schwenke. „Ein derart sensibler Naturraum erfordert entsprechend sensibles und verträgliches Vorgehen. Die Natur steckt brachiale Eingriffe nur für eine begrenzte Zeit weg. Diese Zeit war um.“

Ähnlich äußerte sich die Umweltexpertin der Grünen in MV, Claudia Schulz: „Beim Bau der A 20 wurde nicht auf die Bedenken der Naturschützer gehört.“ Die Behelfsstraße würden die Grünen allerdings zähneknirschend akzeptieren, obwohl sie durch ein Vogelschutzgebiet führt: „Die Straße muss sein, man kann nicht Natur gegen Menschen ausspielen.“ Bei künftigen Planungen müssten aber die Lehren aus dem A-20-Debakel gezogen werden, forderte Schulz. „Es darf nicht die günstigste Variante gewählt werden, sondern die sinnvollste für Mensch und Natur.“

Der verkehrspolitische Sprecher der AfD, Stephan Reuken, sagte: „Die Landesregierung muss den Ausbau der Baustraße, welche die bisherige Umleitung auf rund zwei Kilometer verkürzt und den Verkehr nicht mehr über Langsdorf leiten würde, zeitnah in Angriff nehmen. Die derzeitige Situation ist für die Bürger unzumutbar.“

Die Tourismusbranche in Vorpommern befürchtet, dass das A-20-Nadelöhr dem Tourismus im Osten des Landes einen Dämpfer versetzen könnte, weil Gäste aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg oder Schleswig-Holstein wegen der Staugefahr an die westliche Ostsee oder an die Nordsee ausweichen. „Wir haben Bauchschmerzen, dass uns die Gäste wegbleiben“, sagt Rügens Tourismuschef Knut Schäfer. Sein Usedomer Kollege Sebastian Ader meint: „Den ersten Härtetest erwarten wir zum Jahreswechsel.“ Dann sei die Insel nahezu ausgebucht. Der Pendlerverkehr an Freitagen gebe bereits einen Vorgeschmack.

„Schon jetzt steht man bis zu zwei Stunden im Stau. Im Sommer gibt es dort Verkehrschaos“, sagt Ader.

Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga MV, Lars Schwarz, verwies auf die Tourismusdelle in diesem Jahr: „Ein zusätzliches Verkehrschaos entlang der A 20 ist nicht dazu angetan, verlorenen Boden gutzumachen.“

Der Landestourismusverband möchte nun in einem Spitzengespräch im Verkehrsministerium klären, wie mit der neuen Situation umgegangen werden soll. Dabei will Geschäftsführer Bernd Fischer unter anderem ansprechen, ob die Bahn in der Hochsaison zusätzliche Züge Richtung Rügen einsetzen könnte. „Die Planungen der Bahn für den Sommer sind allerdings schon weit fortgeschritten“, dämpft Fischer die Hoffnungen.

Bei Autofahrern soll für alternative Routen, etwa über die A 11 Berlin-Stettin, geworben werden und entsprechende Hinweise ins Internet und auf Navigationssystemen eingespeist werden. Auch über alternative Anreisetage könnte nachgedacht werden, um den stärksten Andrang am Freitagabend und Sonnabend zu entzerren.

Fischer stellt aber auch klar: „Vorpommern bleibt erreichbar, wir sind nicht abgeschnitten.“ Zudem zeige die Erfahrung, dass sich Urlauber auf solche Situationen einstellen können: „Wer etwa aus dem staugeplagten Nordrhein-Westfalen kommt, kennt so etwas“, meint Fischer.

Urlauberhochburgen

65 Prozent der Rügen-Urlauber reisen laut Tourismusverband der Insel über die A 20 aus Richtung Rostock an. Auf die Insel Usedom kommen nach Angaben des dortigen Tourismusverbandes etwa 35 bis 40 Prozent der Gäste von Westen über die A 20. Rügen und Usedom sind mit 6,5 Millionen beziehungsweise 5,4 Millionen Gästeübernachtungen pro Jahr die touristischen Hochburgen Mecklenburg-Vorpommerns. In Vorpommern, wozu auch die Urlauberziele auf Fischland- Darß-Zingst sowie die Städte Stralsund und Greifswald gehören, werden insgesamt rund zwei Drittel der Gästeübernachtungen des Landes generiert.

Axel Büssem und Martina Rathke

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