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Spektakulärer Fund: Kessel aus dem 30-jährigen Krieg entdeckt

Gützkow Spektakulärer Fund: Kessel aus dem 30-jährigen Krieg entdeckt

Die Swinow ist ein kleiner vorpommerscher Bach von nur 23 Kilometern Länge und ein ökologisch besonders wertvolles Refugium für seltene Tierarten. In ihrem sauberen Kiesbett laichen bedrohte Flussneunaugen.

Gützkow. Mit EU-Fördermitteln wird der Flusslauf derzeit in Gützkow renaturiert. Ein Überflutungsgebiet soll entstehen, dort, wo nach alten schwedischen Matrikelkarten der Bach einst in einen kleinen See mündete. Das rief Archäologen auf den Plan. „Eigentlich erwarteten wir wenig Funde“, sagt Michael Schirren vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege.

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Wertvolle Relikte im Schlamm: die fast 400 Jahre alten Kessel.

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Doch nach mehr als einem Vierteljahr aufwendiger Grabungen im Schlick am nördlichen Rand der einstigen Ackerbauernstadt schlug der Detektor vor einer Woche plötzlich an. „Es war total aufregend“, sagt Grabungsleiter Frank Metzen, der als Hobbyarchäologe schon wertvolle Münzen und eine päpstliche Bulle in Schleswig-Holstein für die Nachwelt rettete. Jetzt holten die Experten aus 20 Zentimetern Tiefe jahrhundertealte Kochkessel aus dem schwer zugänglichen Sumpf: zwei bis 60 Liter fassende Kupferkessel, drei Messingkessel und zwei dreibeinige Bronze-Grapen.

Der Fund wird in Fachkreisen als spektakulär eingestuft. Es sei die erste Entdeckung dieser Art aus archäologischen Ausgrabungen in Norddeutschland, betont Schirren. „Wir kennen bislang nur Einzelfunde, aber hier wurde quasi eine komplette, fast 400 Jahre alte Kücheneinrichtung freigelegt.“ Es handelt sich um eine zu jener Zeit durchaus wertvolle Küchengerätschaft, die zudem noch in hervorragendem Zustand gefunden wurde. Vermutlich war das Kochgeschirr im Dreißigjährigen Krieg um 1627 im Mühlenteich versenkt worden, um es vor den herumtreibenden kaiserlichen Truppen zu retten.

Für Ortschronist Wolf Dietrich Paulsen ist die Entdeckung ein faszinierender Beleg aus der frühen Geschichte des erstmals 1128 urkundlich erwähnten Städtchens. Es gebe Belege dafür, dass in Gützkow 1687, also knapp 40 Jahre nach dem verheerenden Religionskrieg, 107 Einwohner gelebt hätten, sagt er. „Als diese Kessel im Wasser versenkt wurden, dürften es noch etwa 300 gewesen sein.“

Einig sind sich die Historiker darin, dass die Kessel nicht aus einem ärmlichen Haushalt stammten. So belegten historische Gemälde aus bürgerlichen Haushalten aus Holland, dass in deren Küchen kaum mehr als drei Kessel über dem Feuer hingen, betont Archäologe Schirren. „Wer so viele und so große Kochgefäße besaß, hatte entweder viele Mäuler zu stopfen oder aber gewerbemäßig für andere produziert.“ Gut möglich, dass in dem Geschirr einst Fleischsuppen im herzoglichen Anwesen im Ortsteil Wieck oder im früheren Pastorat gegart wurden. Nicht auszuschließen ist auch, dass seinerzeit mehrere Bauern ihre Geschirre versenkten.

Der Fund soll zunächst gereinigt und restauriert werden, ohne dass alte Gebrauchsspuren verloren gehen sollen. Dann kommt er ins zentrale Landesdepot. „Wir würden ihn auch gern einmal in einer zeitlich befristeten kleinen Sonderausstellung der Gützkower Bevölkerung vorstellen“, versichert Michael Schirren.

Europaweit einzigartig
Der Kesselfund ist nach Einschätzung des deutschen Mittelalter- und Neuzeitarchäologen Stefan Krabath nicht nur für Deutschland, sondern weit darüber hinaus einzigartig.

„Es ist das erste Mal in Europa, dass ein fast 400 Jahre altes komplettes Kochkesselgeschirr unter wissenschaftlicher Begleitung geborgen wurde.“ Zwar habe es in der Vergangenheit schon einzelne kleinere Funde versenkter oder versteckter Haushaltsgegenstände aus dem Dreißigjährigen Krieg gegeben. „Doch eine solche Entdeckung in so guter Qualität ist neu“, sagt der Experte für Schatzfunde am Landesamt für Archäologie Sachsen in Dresden.

Suppe, Milch und Obst: Was einst im Kessel kochte
SchwerinKessel wie die bei Gützkow gefundenen gehörten zu eher wohlhabenden Haushalten. „Das ist gutes Material — viele Köche schwören noch heute auf Kupferkessel“, erklärt Michael Schirren, Archäologe vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin. Denkbar sei, dass in den Gefäßen einst Molke für die Käseherstellung erhitzt wurde. „Zudem wurden in den Töpfen wohl sehr große Portionen gekocht — Suppe oder Ochsenkeule zum Beispiel“, sagt Schirren. Oder Grütze. Zudem sei es möglich, dass in ihnen auch Früchte erhitzt wurden, um Obstbrände herzustellen.

Denkbar sind „vielerley Speisen von allerley vierfüssigen Thieren“ — vielleicht auch einige aus dem Kochbuch von Marx Rumpolt aus dem Jahre 1581:


Kaess-Zwibel-Suppe

Nimm Zwibeln die geschelet seyn, schneidt sie fein breit

unnd dünn, setz sie mit Wasser zu und lass sieden, nimm ein harten Kaess der nicht faul ist, und schneidt jn fein klein, thu jhn in die Brüh darinn der Zwibel seudt;

thu gute Butter darein

und lass auch mit sieden.

Preseindel vom Ochsen

Nimm Rindtfleisch, schneidt es fein dünn, zween Finger breit

unnd eines Fingers lang, zerklopff es mit einem Messerrück,

beiss es mit Weinessig ein und laß ein stundt oder ein halbe ligen,

so wirt es fein mürb.

Mach Butter heiss und thu das Fleisch auss dem Essig darein,

rösst es und geuss die Butter

wider herab, geuss Essig daran und ein wenig Rindtfleischbrüh,

auch Pfeffer und Jngwer,

laß damit kurtz einsieden unnd hack grüne wolschmeckende Kräuter darein, lass sie mit sieden.

Das Fleisch wurde wahrscheinlich mit Sauce und Brot gegessen. Und zwar sowohl warm als auch kalt — wenn denn etwas übrig blieb . . . Thomas Luczak

Ralph Sommer

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