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MV aktuell Splitter, Blasen, Schrunden: Barfußläufer erreicht Einsiedeln
Nachrichten MV aktuell Splitter, Blasen, Schrunden: Barfußläufer erreicht Einsiedeln
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00:01 23.08.2017
Einsiedeln/Sassnitz

Nach einem Gewaltmarsch auf nackten Füßen über mehr als 2000 Kilometer ist Barfußläufer Aldo Berti (53) erschöpft aber glücklich am Kloster Einsiedeln in der Schweiz eingetroffen. Mit Wanderstab und erhobenen Armen posierte er am Sonntag vor den Klostertoren: „Geschafft! 84 Tage – 12 Wochen – 2116,25 Kilometer“, postete er auf seiner Webseite.

Losmarschiert war er am 29. Mai in Sassnitz auf der Insel Rügen. Jeden Schritt der fast dreimonatigen Wanderschaft hat er mit GPS-Daten genau aufgezeichnet. Schummeln gehe dabei nicht, sagte er.

Ganz allein und ohne Aufhebens war Berti schon am Samstagmittag in Einsiedeln eingetroffen. Er wollte sich dort vor der offiziellen Begrüßung mit Feier und Familie am Sonntag erst mal besinnen, sagte er. Er habe öfter gezweifelt, ob er es überhaupt schaffe, erzählte Berti. Er sei erschöpft, aber zufrieden: „Ab und zu kommt fast eine Träne.“

Der Psychotherapeut aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald hat es barfuß ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. Er war im Mai in Sassnitz losgegangen, um den Weltrekord des Iren Eamon Keavenen zu übertreffen. Der war 2016 in 104 Tagen 2080 Kilometer gelaufen. Berti trat den 2081. Kilometer bereits nach eigenen Angaben am Donnerstag in Sirnach rund 50 Kilometer südlich von Konstanz an.

„Barfußgehen und Barfußlaufen sind die natürlichsten Formen der Fortbewegung des Menschen“, sagte der frühere Leichtathlet und Orthopäde Thomas Wessinghage dem Schweizer Magazin „Bergzeit“. Ungeübte müssten ihre Füße aber langsam daran gewöhnen, um die Haut widerstandsfähig zu machen und Muskeln aufzubauen. Aber das Barfußlaufen geht ins Genick: Der Blick müsse immer auf den Boden gerichtet sein, sagt Berti, „man muss ja sehen, wo man hintritt“.

Dennoch habe er sich immer wieder verletzt, und sich an manchen Tagen auf heißem Asphalt Brandblasen zugezogen. Einsiedeln erreichte er mit einigen tief sitzenden Splittern, ein paar Blasen, Wunden und Schrunden und einer ziemlich dünn gewordenen Lederhaut.

Kommende Woche sei zu Hause Ausruhen mit der Familie angesagt. Die Füße werde er aber nicht nur hochlegen: „Die Füße haben schon den Anspruch, sich zu bewegen.“ Für Aldo Berti seien kleine Spaziergänge mit dem Hund, „nur zehn Kilometer“, pure Erholung. Vor allem, weil er dann Schuhe trage: „Ich will mal wieder aufschauen.“

Berti hat mit der Tour Spenden für hilfsbedürftige Kinder gesammelt. Er rechne damit, dass mindestens 10 000 Euro zusammengekommen seien, sagte er. Der Gedanke an die Kinder habe ihn in schweren Stunden getragen, sagt er, und an seine beiden Enkel, die er nicht habe enttäuschen wollen. „In der Euphorie der Planung macht man sich keine Vorstellung, wie schwer so etwas in Wirklichkeit ist.“

Berti war meist allein unterwegs, mit einem 14 Kilogramm schweren Rucksack.

Die Kleidung habe er unterwegs selbst gewaschen. Für die Füße war ein Enzymspray im Gepäck, das den Stoffwechsel anregt. Nach der Euphorie des Planens und dem Tal der Realität packte ihn am Samstag die Euphorie des Erfolgs: „Ich könnte eigentlich schon wieder loslaufen“, sagte er. Vielleicht nehme er im kommenden Jahr an einem Marathon in Hamburg teil. Barfuß, versteht sich.

barfussweltrekord.aldo-berti.de/

Christiane Oelrich

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