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Sportliches Fiasko und Finanznot: Jetzt braucht Hansa Steuergeld

Rostock/Schwerin Sportliches Fiasko und Finanznot: Jetzt braucht Hansa Steuergeld

Pokal-Debakel, Randale, Trainer-Rauswurf: Und jetzt benötigt Hansa auch noch 2,5 Millionen Euro vom Land für einen Schuldenschnitt. Banken ziehen Bürgschaft.

Rostock. Dem sportlichen Offenbarungseid folgt das Finanz-Desaster: Zwölf Stunden nach dem blamablen Pokal-Aus des FC Hansa Rostock gegen den Fünftligisten Neubrandenburg und der Entlassung von Trainer Andreas Bergmann haben die Banken des Fußball-Drittligisten offiziell einen Schuldenschnitt beim Land beantragt. Wie ein Sprecher von Finanzministerin Heike Polzin (SPD) der OSTSEE-ZEITUNG bestätigte, reichten die Hauptgläubiger, die Deutsche Kreditbank (DKB) und die Ostsee Sparkasse (Ospa), einen Antrag auf vorfristige Inanspruchnahme von Bürgschaften ein.

Heißt: Die Banken erlassen Hansa 2,5 Millionen Euro Schulden — und holen sich dieses Geld vom Land, also den Steuerzahlern, zurück.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte vor zwei Jahren eine Bürgschaft über 3,2 Millionen Euro übernommen und den Klub damit vor der Pleite bewahrt. Die gesamte Schuldenlast des Vereins wird zurzeit auf rund 30 Millionen Euro taxiert. Nur wenn das Land auf seinen Anteil verzichtet, wollen auch die Banken weitere Forderungen über rund acht Millionen Euro abschreiben. Nun muss die Landesregierung darüber entscheiden, nochmals Schulden des Klubs mit Steuergeldern abzubauen — oder nicht.

Die Ereignisse rund um das Pokaldebakel seien „in Sachen Schuldenschnitt bestimmt nicht förderlich“, räumte Hansa-Chef Michael Dahlmann ein. Zumal Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Mittwoch als Zuschauer im Stadion war. „Das war einer der schwärzesten Tage, die Hansa je erlebt hat. Das Spiel war eine Katastrophe. Was danach passiert ist, war aber noch viel schlimmer“, sagte Dahlmann mit Blick auf die Krawalle mit vier verletzten Polizisten. Aus einer Gruppe von 250 Fans hatten mehr als 60 Anhänger Pflastersteine gegen den Ordnungsdienst, die Polizei und das Stadion geworfen.

Der sportliche Tiefschlag kommt den Klub auch finanziell teuer zu stehen. Als Landespokalsieger hätte Hansa die Teilnahme am DFB-Pokal und damit 125 000 Euro Antrittsprämie sicher gehabt. Um sich doch noch zu qualifizieren, müsste der Tabellensiebte am Ende Vierter werden. Die Entlassung der Trainer Bergmann und Andreas Reinke reißt ein weiteres Loch in die Klubkasse: Bis zu deren Vertragsende am 30. Juni 2015 dürften geschätzte 200 000 Euro fällig werden. „Jeder Cent tut uns weh, aber am Ende war diese Entscheidung alternativlos“, erklärte Dahlmann.

Erst im Januar konnte der Verein ein Finanzloch von rund 500 000 Euro mit einem Notkredit stopfen. Auch damals stand die Hausbank DKB rettend zur Seite. Das Land spart nach eigenen Angaben bei einem Schuldenschnitt rund 700 000 Euro im Vergleich zu einer Insolvenz des Vereins. Seite 2, Sport

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Jörg Köpke und Sönke Fröbe

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