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Start-up-Projekt hilft Flüchtlingen mit Unternehmergeist

Rostock Start-up-Projekt hilft Flüchtlingen mit Unternehmergeist

Viele Migranten waren in ihrer Heimat selbstständig / „ROXI for refugees“ will sie bei der Firmengründung in Mecklenburg-Vorpommern unterstützen

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Treffpunkt Neuer Markt in Rostock: Für Flüchtlinge wie Alaa Almosto (l.) und Mohammad Istanbuli hat Prof. Gerald Braun ( r.) von der Universität Rostock das Projekt „ROXI for refugees“ initiiert.

Quelle: Thomas Ulrich

Rostock. Auf seinem Smartphone hat Alaa Almosto die schönsten Modelle bei sich: Abendkleider, Brautmode, festliche Roben. In seiner syrischen Heimat Aleppo, aus der er vor gut einem Jahr floh, war der 30-Jährige Chef einer Schneiderei, erzählt er. Festmode habe die Firma produziert und sogar exportiert, nach Dubai und in die Türkei zum Beispiel. 20

Flüchtlinge mit Geschäftsideen und

Unternehmergeist sind herzlich eingeladen.“ Prof. Gerald Braun, Hanseatisches Institut für Unternehmens-

und Regionalentwicklung HIE-RO

Mitarbeiter habe das Unternehmen beschäftigt.

Seit gut einem Jahr lebt der junge Mann in Rostock, absolviert einen Sprachlehrgang – und möchte wieder arbeiten. Denn er hofft, dass in zwei bis drei Monaten seine Frau und die drei Töchter aus der Türkei nachkommen können. Als Flüchtling ist der junge Mann bereits anerkannt, auch ein Praktikum über das Jobcenter hat er schon absolviert. Wieder zeigt Alaa ein Foto. Diese Vorhänge hätten sie im Praktikum bei der Qualifizierungsgesellschaft genäht, berichtet der gelernte Schneider.

Sein Landsmann Mohammad Istanbuli (27) ist Friseur. Auch er kam als Flüchtling im September 2015 nach Rostock, sein Asylverfahren läuft noch. Aber den Sprachkurs, den hat er schon bestanden.

„Viele Flüchtlinge waren in ihrer Heimat selbstständig“, sagt Prof. Gerald Braun vom Hanseatischen Institut für Unternehmens- und Regionalentwicklung HIE-RO an der Universität Rostock. „Dieses Potenzial wird in Mecklenburg-Vorpommern bisher kaum genutzt.“ Befragungen hätten aber ergeben, dass viele Flüchtlinge sich gern selbst eine Existenz aufbauen wollen. Die Rostocker Studentin Daniela Grant, die ehrenamtlich als Flüchtlingshelferin arbeitet, bestätigt das. „Kannst du mir nicht helfen, Arbeit zu finden – den Satz höre ich fast täglich“, erzählt sie. Mit eigenen kleinen Firmen würden Migranten nicht nur für ihren Lebensunterhalt sorgen, sondern oft auch noch Arbeitsplätze für Familienangehörige schaffen.

Das Uni-Institut legt deshalb das Start-up-Projekt „ROXI for Refugees“ auf. Es richtet sich an Akademiker, Handwerker, Wissenschaftler und Studierende, die in Deutschland ein Unternehmen gründen oder übernehmen wollen“, erläutert Arno Pöker, Geschäftsführer der DSR, die das Projekt unterstützt. Auf drei Jahre ist das praxisorientierte Trainingsprogramm ausgelegt. Modellregionen sind Rostock und Greifswald. Auch die Nordmetall-Stiftung, Creditreform, die Ehrenamtsstiftung MV sowie viele ehrenamtliche Mitstreiter stehen hinter dem Anliegen.

Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft wollen den Migranten dabei helfen, Finanzierungswege zu finden und bürokratische Hürden zu nehmen. „Wer als ausländischer Unternehmer in Deutschland eine Firma leiten will, muss wissen, „wie man hier Geschäfte macht“, sagt Braun. Ob Öffnungszeiten, Mietverträge oder Rechte der Mitarbeiter – vieles unterscheide sich von anderen Ländern. Das Projekt startet am Donnerstag dieser Woche mit einem Workshop in Rostocks Rathaus. „Flüchtlinge mit Geschäftsideen und Unternehmergeist sind herzlich eingeladen“, sagt Prof. Braun.

Angelehnt ist das Projekt an die Existenzgründer-Initiative ROXI, die von 1998 bis 2008 rund 650 gründungswillige deutsche Uni-Absolventen betreute. Unternehmergeist sei in arabischen Ländern oft stärker ausgeprägt als in Deutschland, weiß der Wirtschaftswissenschaftler, der für Weltbank-Projekte Firmengründungen in arabischen Ländern unterstützte, darunter in Libyen und im Jemen. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind in Syrien etwa 34 Prozent der Erwerbstätigen selbstständig, im Iran sogar 39 Prozent. In Deutschland sind es nur knapp 11 Prozent.

Und neue Unternehmer werden gebraucht: Allein in Mecklenburg-Vorpommern fehlen nach Studien der Industrie- und Handelskammern (IHK) in Mecklenburg-Vorpommern in den nächsten fünf Jahren mehr als 20000 Firmenchefs, weil Betriebsleiter in den Ruhestand gehen. Projektleiter Braun bezeichnet es als „Anliegen der Zivilgesellschaft, sich für Neuankömmlinge zu öffnen“.

Für den jungen Friseur Mohammad Istanbuli ist das alles noch Zukunftsmusik. Er will erst einmal einen Job finden und einige Jahre in seinem Beruf arbeiten. Immerhin: Beim Workshop am Donnerstag will er dabei sein.

Start-up-Workshop am 10.11.

um 18 Uhr im Rostocker Rathaus

Elke Ehlers

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