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MV aktuell Stasi-Vorwürfe: Gens wehrt sich
Nachrichten MV aktuell Stasi-Vorwürfe: Gens wehrt sich
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23:36 26.02.2013
Der Deckel der Stasi-Akte, deren Inhalt Thomas Gens, Hiddensees Bürgermeister, bestreitet. Quelle: OZ

Nein, Gens kämpft gegen das, was in den Akten der Stasi-Unterlagenbehörde geschrieben steht – und das, was Journalisten daraus geschlossen haben. Er will den Verdacht abschütteln, wissentlich als inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi gearbeitet zu haben.

Alle Fakten, die die Akte preisgibt, begründen den Verdacht; aber mehr darf zurzeit kaum ein Journalist berichten. Andernfalls drohen 250 000 Euro Strafe. Mit seinem Feldzug überzieht Gens vornehmlich Redaktionen, von denen er glaubt, dass sie eine Stasi-Akte über einen IM Dietmar Lehmann im Schrank deponiert haben. Ein Gegendarstellungs-Begehren jagt das nächste. Hinzu kommen Versuche, eine Unterlassungserklärung zu erwirken, und bis die unterschrieben sein könnte, will er die Berichterstattung über seine angebliche Tätigkeit für das MfS mit einer einstweiligen Verfügung unterbinden.

Die umstrittenen Auszüge aus der Akte sind übersichtlich, 29 Seiten, aber sie legen die Vermutung nahe, Gens könnte dieser IM Lehmann sein, der bei der DDR-Volksmarine seine Mitsoldaten bespitzelt haben soll. Der Papierwust, den Anwälte in der Sache produziert haben, wiegt inzwischen weit mehr als die bisher bekannte, bei der Stasi am 20. Mai 1986 unter der Nummer I1317/85 registrierte Dokumenten-Sammlung.

Gens’ Berliner Anwalt Hardy Langer gehört zur gleichen Kanzlei wie Gregor Gysi. Der ehemalige Dissidenten-Anwalt Gysi war am Wochenende erneut wegen einer angeblich wissentlichen Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit unter Druck geraten: Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung im Zusammenhang mit seiner Vergangenheit. Gysi und Gens geben nun unisono an, niemals wissentlich für die Stasi tätig gewesen zu sein. Und auch Gens hat inzwischen eine eidesstattliche Erklärung vorgelegt. Vier Seiten lang listet der Insel-Bürgermeister auf, warum er nicht IM Dietmar Lehmann gewesen sein könne.

Auszug: „Ich habe mir keinen Decknamen ,Dietmar Lehmann’ gewählt und auch keine ,Verpflichtung’ ge- und/oder unterschrieben.“ Gemeint ist eine handschriftliche Verpflichtungserklärung in der Akte, die eine Unterschrift „Thomas Gens“ trägt. Dieses Autogramm zieren runde Schleifen im Schriftbild. Es sieht ein bisschen nach Schulschrift aus. Gens sagt, dass dies nicht seine Schrift sei und auch niemals war.

Heute unterschreibt Gens jedenfalls anders, im Vergleich dazu fast unleserlich. Damals, am 20. Mai 1986, wäre er 16 Jahre alt gewesen. Gens’ Dementi zufolge müsste die Akte von der Stasi gefälscht worden sein.

In den Unterlagen ist für das Jahr 1988 die Aufnahme in die SED vermerkt. Dazu sagt Gens heute: „Zweifel habe ich an einer SED-Mitgliedschaft im Jahre 1988, da ich am 3. Januar 1988 volljährig wurde und gemäß dem Statut der SED eine Kandidatenzeit von einem Jahr vorgesehen war.“ Ob er nun Parteimitglied war oder nicht, bleibt im Dunkeln.

Zudem habe Gens keine Berichte für das MfS verfasst. Es liegen auch keine vor. Von der umstrittenen Akte, die zu der Annahme verführt, er könnte IM Lehmann gewesen sein, besitzt die Stasi-Unterlagenbehörde in Rostock nur den ersten Teil. Eine eigentliche Arbeitsakte, in der die IM-Berichte abgeheftet sind, fehlt.

Für Volker Höffer, den Leiter der Rostocker Stasi-Unterlagenbehörde, ist das nicht ungewöhnlich. Nachdem Stasi-Chef Erich Mielke am 6. November 1989 die Vernichtung der Akten befohlen habe, seien vor allem die Berichte geschreddert worden, während die Personalbögen unberührt blieben, sagt Höffer. Sollte dieser zweite Aktenteil jemals wieder auftauchen , bekommt ihn jeder Journalist, der Akteneinsicht beantragt hat, automatisch ausgehändigt.

Benjamin Fischer

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