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Straßen ohne Verkehrszeichen: Erste Orte in MV unterstützen Idee

Ratzeburg/Rostock Straßen ohne Verkehrszeichen: Erste Orte in MV unterstützen Idee

Ratzeburg setzt Konzept als erste Stadt im Norden um. Mehr Sicherheit erwartet.

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Ratzeburg. Straßen ohne Schilder, Ampeln und Markierungen: Als erste Stadt im Norden will Ratzeburg (Schleswig-Holstein) dieses Konzept großflächig einführen. In MV gibt es nun bereits erste Kommunen und Experten, die den Vorstoß unterstützen.

Verkehrsfachleute sprechen bei dem Projekt vom „gemeinsamen Straßenraum“ (englisch „Shared Space“), den sich Autofahrer, Radler und Fußgänger teilen und sich dabei ausschließlich auf die gegenseitige Rücksichtnahme verlassen sollen. Die Hansestadt Wismar hat bereits erste Ansätze beschlossen: „In unserer Fußgängerzone sind Fußgänger und Radfahrer gleichberechtigt“, verdeutlicht Stadtsprecher Andreas Nielsen. „Die Erfahrungen sind soweit ganz gut. Allerdings stößt das Vorhaben auch an seine Grenzen.“ So gebe es immer wieder Beschwerden über rücksichtslose Radler. Ein Konzept, das auch Autos einschließt, hat Wismar noch nicht ins Auge gefasst.

Im benachbarten Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) machen sich insbesondere Fahrlehrer wie Dietmar Cizmarek für eine umfassende Umsetzung des gemeinsamen Verkehrsraums stark: „Wenn keine Verkehrszeichen mehr stehen, fahren die Leute von Natur aus langsamer und nehmen mehr Rücksicht“, meint er. Das würde letztlich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Vorbild sind die Niederlande, wo dieses Prinzip seit Jahren angewandt wird. Ratzeburg erhofft sich von der Idee, dass die Innenstadt attraktiver wird.

Auch die Universitätsstadt Greifswald hat bereits erste Ansätze rund um den Marktplatz eingeführt, wo eine einheitliche Oberflächengestaltung für den gesamten Verkehrsraum gilt. In Schwerin wurde „Shared Space“ dagegen vor einigen Jahren diskutiert, aber verworfen. Auch in der größten Stadt von MV sehen die Experten das Konzept kritisch: „Wir haben in Rostock derzeit keine geeignete Fläche, die den Anforderungen für dieses Konzept auch nur annähernd entsprechen würde“, sagt Heiko Tiburtius, Leiter des Rostocker Tiefbauamts.

ADAC-Sprecher Christian Hieff meint: „Damit die Autofahrer die Umwandlung akzeptieren, dürfen die Zonen nicht zu groß sein: maximal 400 Meter Länge in Wohngebieten und 800 Meter in Einkaufsstraßen.“

Zudem kämen nur verkehrsarme Straßen in Frage. Der Fahrradclub ADFC sieht dagegen Vorteile in der Idee: „Dass Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen sollen, sagt ja schon die Straßenverkehrsordnung“, sagt der stellvertretende Landesvorsitzende Martin Elshoff. „Bei ,Shared Space‘ würden die Menschen wieder lernen, was das bedeutet.“ Seite 2

Eine Idee aus den Niederlanden
20 deutsche Städte haben bereits Erfahrungen mit dem Verkehrskonzept „Shared Space“. Die Niederlande startete die Idee des friedlichen Miteinanders im Straßenverkehr Anfang der 2000er Jahre. Die EU griff das Konzept auf und startete ein Pilotprojekt, an dem in Deutschland Bohmte (Niedersachsen) teilnahm.

 



Axel Büssem

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