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Streit um Feriendomizile: Politiker bedroht

Kühlungsborn Streit um Feriendomizile: Politiker bedroht

Weil er gegen Urlauberquartiere in Wohngebieten stimmte, wird ein Kühlungsborner Stadtvertreter nun von Unbekannten erpresst. Die Kripo ermittelt.

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Der Streit um Ferienwohnungen in Wohngebieten eskaliert - und wird in Kühlungsborn (Landkreis Rostock) nun sogar zum Fall für die Kripo.

Quelle: Dpa

Kühlungsborn. Der Streit um Ferienwohnungen in Wohngebieten eskaliert – und wird in Kühlungsborn nun sogar zum Fall für die Kriminalpolizei: Knut Wiek (71), SPD-Stadtvertreter und Gegner von Feriendomizilen in Wohngegenden, wird wegen seiner Haltung von Unbekannten massiv bedroht und unter Druck gesetzt. Doch statt sich einschüchtern zu lassen, hat Wiek die Polizei eingeschaltet. Selbst seine politischen Gegner sind erschüttert. Bürgermeister Rainer Karl spricht von einem „nicht zu tolerierenden Vorgang“.

Hintergrund: 2007 hatte das Oberverwaltungsgericht in Greifswald Ferienwohnungen in „allgemeinen Wohngebieten“ für rechtswidrig erklärt. Ein Problem für Tausende Kleinvermieter und Kommunen entlang der gesamten Ostseeküste. Entweder ändern die Kommunen die Pläne und legalisieren die Unterkünfte nachträglich – oder die Landkreise müssen das Verbot durchzusetzen. Allein in Kühlungsborn fürchten 700 Vermieter um ihre Neben-Einkünfte. 70 Verbotsverfahren laufen bereits. In Rerik sind 85 Prozent aller Gästebetten in Gefahr.

Knut Wiek hatte sich in der Debatte für ein klare Regeln und im Zweifel auch für Verbote ausgesprochen – was ihn nun offenbar zum Feindbild der Kleinvermieter macht: „Der Geschädigte erhielt vor zwei Tagen einen Brief von einem unbekannten Absender. In diesem wird er beleidigt. Zudem droht der Verfasser an, unwahre Tatsachen zu verbreiten, um den Mann in der Öffentlichkeit verächtlich zu machen“, bestätigt das Polizeipräsidium Rostock. „Wir ermitteln wegen übler Nachrede und Verleumdung.“ Die Drohungen stünden im Zusammenhang mit Wieks politischen Arbeit und seinem „Votum bei Abstimmungen“ in der Stadtvertretung. Und ja: Es gehe um den Ferienwohnungs-Streit. „Vor dem Brief bekam ich bereits mehrfach Drohanrufe“, so Wiek auf Nachfrage. Er spricht von „üblen Methoden“, bleibe aber gelassen: „Ich habe das an die Polizei übergeben. Die werden das Nötige tun.“ In dem Brief, der in Berlin abgeschickt wurde, sei er unter anderem aufgefordert worden, vom Grenzturm in Kühlungsborn zu springen. „Ich soll eingeschüchtert werden. Bei dem ganzen Streit geht es ja auch um wirtschaftliche Interessen.“

Bürgermeister Karl (parteilos) zeigt sich entsetzt ob der Eskalation: Dass ein Stadtvertreter, der nur Gewissen und Gesetz verpflichtet sei, mit kriminellen Methoden „umgestimmt“ werden soll – „darüber bin ich entsetzt und böse. Wiek ist mutig und steht zu seiner Meinung. Das ist sein Grundrecht.“ Lars Zacher (CDU) sagt: „So etwas geht überhaupt nicht. Wir machen das alle als Ehrenamt und haben nur das Beste für den Ort Sinn.“ Auch die Bürgerinitiative „Pro Urlauber als Nachbarn“ distanziert sich von dem Brief: „Mich hat das schockiert. Das ist nicht die Art, wie politische Auseinandersetzungen geführt werden“, so Sprecherin Irmhild Fehlandt.



Andreas Meyer

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