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MV aktuell Studentenbuden bleiben teuer
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00:00 28.02.2013
Diego Arango (28) aus Kolumbien hatte Gl�ck: Der Student bekam ein Zimmer im Wohnheim in Rostock. Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

Beispiel Greifswald: Das Studentenwerk in der Hansestadt will im ehemaligen Gästehaus der Universität Wohnraum für 36 Studenten schaffen. Der Umbau des alten Gebäudes kostet rund zwei Millionen Euro.

Üblich wäre bei solchen Vorhaben eine öffentliche Förderung von etwa 500 000 Euro. Doch das Schweriner Wirtschaftsministerium lehnte ab. Begründung: Das Studentenwerk sei als öffentlich-rechtliche Anstalt nicht förderfähig. „Wir werden damit klar benachteiligt“, sagt Studentenwerks-Geschäftsführerin Cornelia Wolf-Körnert. Private Investoren, die mit der Wohnungsnot Geld machen wollten, hätten einen Anspruch auf das Geld vom Staat. Das Land fördere auf diese Weise teure Wohnheimplätze, während das Studentenwerk, das keinen Gewinn erzielen darf, diesen Sommer seine Miete erhöhen muss.

„Das Land stiehlt sich aus der Verantwortung“, sagt Johannes Saalfeld, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. Auf eine parlamentarische Anfrage des Politikers lässt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) erklären, in MV sei die Versorgung der Studierenden mit Wohnraum gesichert. Nur in Greifswald bestehe „geringfügiger Bedarf an Wohnheimplätzen“, heißt es in der schriftlichen Antwort des Ministeriums, die der OZ vorliegt.

Bei Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, sorgen solche Aussagen für Kopfschütteln. Greifswald und Rostock sind seiner Meinung nach deutlich unterversorgt mit Wohnheimplätzen. „Jeder dritte Studienanfänger interessiert sich für einen Platz im Wohnheim“, sagt Meyer auf der Heyde. Bei Studenten aus dem Ausland sei der Anteil sogar noch deutlich höher. Die möblierten Zimmer und Appartements sind in der Regel deutlich günstiger als normale Mietwohnungen und ermöglichen einen unkomplizierten Start ins Uni-Leben. Die durchschnittliche Wohnheimmiete in Greifswald beträgt derzeit knapp 170 Euro — auf dem freien Markt dürfte das gerade einmal für eine Garage in Campus-Nähe reichen.

Das Wirtschaftsministerium argumentiert, die Städtebaurichtlinie des Landes lasse eine Förderung öffentlich-rechtlicher Bauten nicht zu. Eine Änderung der Richtlinie sei nicht möglich. Andere Bundesländer sehen das weniger eng. In Schleswig-Holstein, Brandenburg, Bayern und Hessen fließt nach Angaben des Studentenwerks sehr wohl Städtebaugeld in den Bau neuer Wohnheime. Auch in Rostock äußern Studienanfänger immer wieder den Wunsch nach einem Wohnheimplatz, sagt Geschäftsführer Dieter Stoll vom Studentenwerk in der Warnow-Stadt. Aber viele gehen leer aus. Für Neubau sieht die Schweriner Regierung dennoch keinen Anlass. Das Land will das Problem offenbar aussitzen. Bis 2030 sinke die Zahl der Haushalte in MV um zehn Prozent, so das Wirtschaftsministerium. Daher gebe es „

grundsätzlich keine Notwendigkeit, die Neuschaffung von Wohnungen finanziell zu unterstützen“. Ob der Bevölkerungsschwund auch in Greifswald und Rostock so kommt, gilt als zweifelhaft. Offenbar sollen Studenten in entlegene Dörfer ziehen. Saalfeld: „Das ist keine gestaltende Politik, sondern fatalistisches Hände-in- den-Schoß-legen.“

Wohnheime vor allem bei Studienanfängern beliebt

9,8 Prozent beträgt die Versorgungsquote der Studenten in MV mit Wohnheimplätzen. Der bundesweite Durchschnitt beträgt 10,6 Pro- zent. Das Studentenwerk hält eine Quote von 15 Prozent in Deutschland für erforderlich, um die Studenten von den stark steigenden Mieten zu entlasten.

9 Prozent der Studenten wollen laut einer Umfrage, aus der das Land zitiert, im Wohnheim leben. Das Deutsche Studentenwerk hält diese Interpretation für falsch. Bei Studienanfängern und bei Studenten aus dem Ausland sei das möblierte Zimmer viel beliebter — zumindest in den ersten Jahren des Studiums.

Gerald Kleine Wördemann

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