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Stürme bringen das Leben in Todeszonen der Ostsee zurück

Warnemünde Stürme bringen das Leben in Todeszonen der Ostsee zurück

Nordseewasser lässt den Sauerstoffgehalt im Gotlandbecken deutlich steigen. Die Gefahr von Algenblüten vor der deutschen Küste könnte sich dadurch verringern.

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Todeszonen werden kleiner, die Gefahr von Algenblüten sinkt: Nordseewasser lindert derzeit den chronischen Sauerstoffmangel der Ostsee.

Quelle: Archiv

Warnemünde. Gute Nachricht von der Ostsee: Ihre Todeszonen in der Tiefe werden wiederbelebt. Erstmals seit 2003 ist wieder sauerstoffreiches Wasser bis ins Gotlandbecken vorgedrungen, den tiefsten Teil der Ostsee nördlich und östlich der Insel Gotland. Das meldet das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW).

Bei einer Routinemessfahrt mit dem Forschungsschiff „Elisabeth Mann Borgese“ sei man überrascht gewesen, weil Messgeräte einen „starken Anstieg des Sauerstoffgehaltes im bis zu 240 Meter tiefen Wasser des Gotlandbeckens anzeigten“, berichtet der Ozeanograph Michael Naumann vom IOW. Ursache: der Zustrom „von sauerstoffreichem Wasser aus der Nordsee“.

Denn: Nordseewasser ist salzhaltiger und damit schwerer als das Wasser der Ostsee. Deshalb dringt es in die Tiefwasserzonen der Ostsee vor und bringt ihnen Sauerstoff. Das Süßwasser aus den Flüssen und Bächen, die in die Ostsee münden, kann nur die Flachwasserbereiche vor allem der südlichen und westlichen Ostsee mit lebensspendendem Sauerstoff versorgen: Es ist zu leicht, um in die Tiefe zu kommen. Die Folge: Verrottungsprozesse im Tiefwasser zehren allen Sauerstoff auf und es entstehen große Bereiche, in denen das Wasser viel Schwefelwasserstoff enthält. Nur spezielle Bakterien können dort noch leben, Tiere und Pflanzen nicht.

Ursache der Sauerstoff-Spritze für die Todeszonen sei das stürmisches Wetter im Februar und im März, sagt Naumann. „Das hat das Nordseewasser über das Kattegat durch die Belte und den Öresund zunächst in die westliche Ostsee gedrückt. Von dort ist es dann im Laufe des Sommers bis ins Gotlandtief vorgedrungen“, berichtet der Meeresforscher.

Für die deutsche Ostseeküste hat dieses Ereignis leider wenig Bedeutung, gießt der Meeresbiologe Norbert Wasmund vom IOW Wasser in den Wein. „Das spielt sich alles im Tiefwasser ab. Außerdem ist der neu eingetragene Sauerstoff bald aufgezehrt. Das Nordseewasser mischt sich mit dem schwefelwasserstoffhaltigen Ostseewasser und Bakterien verbrauchen wieder Sauerstoff, wenn sie vorhandene organische Nährstoffe abbauen“, erläutert Wasmund. Oft herrsche schon wenige Wochen nach so einem Salzwasserzustrom wieder Sauerstoffmangel. Die letzte große Sauerstoffspritze fürs Gotlandbecken im Jahr 2003 habe allerdings drei Jahre lang für eine Verbesserung gesorgt, sagt Naumann.

Eine positive Folge für die deutschen Ostseestrände kann Meeresbiologe Wasmund aber doch in Aussicht stellen: Die Gefahr von Algenblüten kann sinken. Weil in den wieder mit Sauerstoff versorgten Tiefwasserzonen Nährstoffe, vor allem Phosphor, von Bakterien in den Sedimenten, den Ablagerungen am Meeresboden, gebunden werden. Das verringere die Phosphorbelastung der Ostsee insgesamt. Und Phosphor ist ein wichtiger Nährstoff für Algen.

Zehn Jahre lang hatten sich wegen Sauerstoffmangels die sogenannten Todeszonen auf dem Meeresboden der Ostsee immer weiter ausgebreitet. Nach dem nun erfolgten Frischwasser-Zustrom hat in der östlichen Ostsee auch der Nachwuchs des im tiefen Wasser laichenden Dorschs wieder bessere Überlebens-Chancen. Sinkt der Sauerstoffgehalt dann wieder, werden die Dorsche diese Bereiche verlassen.

„Vielleicht ja auch gen Westen und Süden, in die Fanggebiete unserer Fischer“, hofft Naumann.

 



Rüdiger Wenzel

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Warnemünde
Todeszonen werden kleiner, die Gefahr von Algenblüten sinkt: Nordseewasser lindert derzeit den chronischen Sauerstoffmangel der Ostsee.

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde waren mit dem Schiff auf hoher See, als sauerstoffreiches Wasser in die Tiefe gelangte.

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