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Supermärkte und Post scannen Gesichter ihrer Kunden

Rostock Supermärkte und Post scannen Gesichter ihrer Kunden

Kamerasysteme analysieren Verhalten/ Datenschützer sind skeptisch

Rostock. Gescannte Gesichter, elektronische Preisschilder, Kunden- Karten – die Digitalisierung des Einzelhandels geht einher mit einer zunehmenden Durchleuchtung von Kunden. Für Aufregung sorgen derzeit Systeme zur Gesichtserkennung, die von der Supermarktkette Real und der Deutschen Post getestet werden. Dabei halten Kameras fest, wie lange Kunden die gezeigten Werbefilme anschauen. Und sie analysieren den Kunden: ungefähres Alter, Geschlecht.

„Die Qualität der Werbefilme“ solle „zielgruppengerecht“ angepasst werden, sagt Real-Sprecher Markus Jablonski. Bei der Post, die das System in rund 100 westdeutschen Filialen einsetzt, heißt es:

Die Attraktivität der Filialen solle gesteigert werden.

„Ich stehe solchen Geräten sehr kritisch gegenüber“, sagt Heinz Müller, oberster Landesdatenschützer von MV. Auch wenn das Bild des Kunden nur kurz gespeichert wird, werde es bearbeitet und analysiert. Und zwar „geheim“, denn Hinweisschilder, wie: „Dieser Markt wird videoüberwacht“, reichten zur Aufklärung nicht aus. „Der Kunde weiß in dem Augenblick, in dem er auf den Bildschirm schaut, nicht, dass er gefilmt wird“, betont Müller.

Real-Sprecher Jablonski beteuert: „Die aufgenommenen Bilder werden rein automatisch ausgewertet und dann sofort wieder verworfen.“ Für jeweils nur „circa 150 Millisekunden“ seien die Bilder im Speicher. Die Erkennung der Person erfolge „komplett anonym“. Durchgeführt würden die Tests von der Firma Echion AG (Augsburg) derzeit bundesweit in 40 Real-Märkten. Darunter sei jedoch noch keiner der acht Real-Standorte in MV, in Bergen (Rügen), Rostock-Sievershagen, Neubrandenburg, Greifswald, Schwerin, Stralsund, Parchim und Wismar.

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Rostock und Chef der Möbel Wikinger GmbH, Claus Ruhe Madsen, kann die Aufregung über die Digitalisierung nicht verstehen: „Da geschieht doch nichts anderes als das, was es im Internet schon lange gibt.“ Im Netz würden Nutzer ihre Daten überall preisgeben. Was sei daran verwerflich, wenn ein Unternehmen feststellen wolle, welche Gänge oder Regale von den Kunden gut angenommen werden?, fragt Madsen. So würden etwa bei Ikea zivil gekleidete Mitarbeiter unbemerkt Kunden hinterherlaufen, um herauszufinden, wann diese wo stehenbleiben oder woran sie vorbeilaufen. Dadurch sollen Waren optimal positioniert werden.

In vollem Gang ist derzeit auch die Einrichtung elektronisch steuerbarer Preisschilder, wie es sie in Media-Märkten oder bei Saturn schon gibt. Per Knopfdruck können die Preise entsprechend der Nachfrage nach oben oder unten korrigiert werden. Die Unternehmen sparen auch Personalkosten ein, wenn nicht mehr Hunderte Preise von Hand ausgewechselt werden müssen. Wirklich neu sind die Wechselpreise nicht: Im Onlinehandel sind sie üblich. Auch Tankstellen ändern mehrmals täglich die Literpreise für den Sprit.

Axel Meyer

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