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MV aktuell Swinetunnel auf Usedom: Das sagen die Betroffenen
Nachrichten MV aktuell Swinetunnel auf Usedom: Das sagen die Betroffenen
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17:15 13.02.2019
Hier soll der Swinetunnel langführen. Quelle: Zbigniew Tomczak / Arno Zill (Montage)
Swinemünde

Ein Arbeiter im blauen Overall läuft an der Kaikante entlang. Wellen schwappen gegen die Schweden-Fähre, die auf die nächste Ostsee-Passage wartet. Ruhe vor dem Sturm im Swinemünder Überseehafen. Denn ab Herbst 2022 werden hier nahe des Skandinavien-Terminals täglich 10 000 Fahrzeuge zwischen den Inseln Usedom und Wollin unter der Swine die Seiten wechseln.

Auch wenn noch nichts zu sehen ist vom Großprojekt, die ersten Arbeiten laufen. Ingenieure und Baufirmen seien nun mit den konkreten Planungen für die Trassen befasst. Baugenehmigungen würden vorbereitet, sagt Swinemündes Stadtpräsident Janusz Zmurkiewicz. Anfang nächsten Jahres würde auch Bautätigkeit erkennbar sein. Dann rollen die Bagger an beiden Ufern des Flusses. 2021 soll unter der Swine mit einer deutschen Spezialmaschine gebohrt werden.

Erster Generalunternehmer quittierte den Dienst

Bislang stört die Swine das wirkliche Zusammenwachsen, denn sie ist hier nur mit Fähren überquerbar. Hartmut Domke, Fischhändler aus Heringsdorf, erlebt das mehrmals in der Woche. Um Fisch zu holen oder Verhandlungen mit Zulieferern zu führen, fährt er regelmäßig tief ins Nachbarland – oft bis nach Danzig.

Bessere Preise in Polen

„Die Wartezeit an den Fähren ist nicht zu planen. Manchmal steht man bis zu drei Stunden an“, sagt der Unternehmer. Der Zeitverlust nervt. Wenn der Tunnel kommt, sinke die Fahrzeit erheblich und sei endlich überschaubar, sagt Domke. Das werde alles verändern. „Deutsche Urlauber kommen schneller in die polnischen Seebäder östlich von Swinemünde und natürlich kommen die Polen auch leichter zu uns“, meint Sohn Andre, der in den Usedomer Kaiserbädern die vier Domke-Fischrestaurants gegründet hat und erfolgreich führt.

Wirtschaftlich seien engere Beziehungen möglich: „Wir haben dann ja auch eine bessere Anbindung an die polnischen Häfen und erreichen unsere Geschäftspartner besser.“ Doch Sorgen haben sie auch: „Wir werden Gäste verlieren“, meint Andre Domke. Weil die Polen viel investieren, in den dortigen Strandbädern vieles neuer und lebendiger sei. Und weil der Nachbar im Osten immer noch deutlich bessere Preise im Tourismus anbiete: „Wenn die Leute noch schneller dahin kommen, wird das schwer für uns“, sagt Domke.

Überall wird gebaut

Jan Pawełczyk versteht die Ängste auf der deutschen Seite, aber er teilt sie nicht. Der Hotelier sitzt in der Sky-Lounge seines Hotels Ewerdin. Er hat es neu bauen lassen und vor zwei Jahren eröffnet. 70 Zimmer direkt hinter der Düne, vier Etagen, Schwimmbad, großer Wellnessbereich. 200 Meter Luftlinie entfernt wurde 2018 das große, neue Radisson-Blu-Hotel eröffnet. Scheinbar überall in der Nachbarschaft wird gebaut, direkt vor Pawełczyks Haus entsteht die neue Swinemünder Promenade. „Ich glaube nicht, dass die deutschen Orte Urlauber verlieren. Vielmehr werden viele neue polnische Swinemünde-Urlauber, die durch den Tunnel auch leichter in unser Seebad kommen, als Tagesgäste auf die deutsche Seite fahren oder gleich mehrere Tage dort Urlaub machen“, schätzt der Hotelier ein. Die Preiseunterscheide seien kein echtes Argument mehr: „Das gleicht sich an“, meint Pawełczyk.

Bei den Zimmerpreisen mag das stimmen. Im Restaurant kosten gute Gerichte in Swinemünde jedoch oft noch halb so viel wie in Ahlbeck. Aber das sei nicht entscheidend, meint Catharina Schwarze aus Trassenheide im Norden Usedoms, die sich schon in ihrer Jugend in die polnische Seite Usedoms verliebte. „Bereits zu Ost-Zeiten bin ich gern nach Swinemünde und habe die Atmosphäre dort genossen – im Café sitzen und Musik hören, die es in der DDR nicht gab“, erinnert sie sich.

Für Usedom-Krimi oft in Swinemünde

Heute kümmert sie sich für eine Agentur um die Komparsen-Besetzung beim Usedom-Krimi, der ein deutsch-polnisches Projekt geworden ist. In jedem Teil der Serie wird auch in Polen gedreht. Catharina Schwarze fährt oft nach Swinemüde und über die Swine weiter hinein ins Nachbarland. Deshalb hat auch sie schon viele Stunden an den Fähren gewartet. „Ich sehe es als große Chance, dass der Tunnel kommt. Wir werden gemeinsam als Region wachsen. Bessere Erreichbarkeit ist für alle ein Vorteil“, meint die Usedomerin.

Der Tunnelbau hat für die Menschen auf der deutschen Seite der Insel vor allem zwei Dimensionen: Zum einen die Sorge, Urlauber an den Nachbarn zu verlieren. Zum anderen aber auch, viel mehr Verkehr verkraften zu müssen, der aus Polen nun bald ohne das Hindernis Fähre auf die deutsche Seite ströme und die Insel als Transitstrecke nutze.

Fischhändler Domke wünscht sich zur Entlastung eine vierspurige Inselstraße von Ahlbeck über die Stadt Usedom zur südlichen Inselanbindung, der Zecheriner Brücke – und von dort einen Zubringer zur A 20. Das Verkehrsministerium plant nicht so groß: Zwei Kreisverkehre an wichtigen Knoten werde man bauen, eine Ortsumgehung bei Zirchow nahe der Kaiserbäder und ab Anklam die zwei wichtigsten Zufahrtsstraßen zur A 20 verbreitern, kündigt Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) an.

Geld für Hotel-Sanierung ist da

Wirtschafts-Staatssekretär Stefan Rudolph (CDU) will die Themen Tourismus und Verkehr noch 2019 auf einem Gipfel mit Entscheidern vor Ort diskutieren. „Es gibt ja Fördertöpfe, um Hotels oder touristische Anlagen zu sanieren, dafür muss man aber Konzepte haben“, sagt Rudolph. Zudem sei Kooperation mit den Nachbarn wichtig: „Wir können vieles gemeinsam machen. Zum Beispiel eine internationale Ausbildungsstätte für Fachkräfte, die alle in der Region benötigen“

Auch Mariusz Lokaj hält Zusammenarbeit für den besten Weg. Er ist in Polen aufgewachsen, lebt aber seit 20 Jahren in Vorpommern. Heute regelt er für die Gemeinde Heringsdorf die deutsch-polnischen Beziehungen. „Die Polen holen nun alles nach, was Ostdeutschland nach der Wende an Bautätigkeit erlebt hat – und vielleicht noch ein bisschen mehr.“ Aber diese Investitionskraft helfe allen: „Es geht für die deutsche Seite nicht darum, wie sie erfolgreich bleiben kann, obwohl der Tunnel kommt“, sagt Lokaj: „Beide Seiten werden profitieren, weil der Swinetunnel kommt.“

Fakten zum Swinetunnel

Erste Planungen, einen Swinetunnel zu bauen, gab es schon vor fast 100 Jahren. Die Doppelinsel Usedom-Wollin war damals die beliebteste deutsche Urlaubsregion, aber – wie auch heute noch – durch den Swinestrom getrennt. Der Zweite  Weltkrieg beendete das Vorhaben jedoch für viele Jahre.

Eine große Lücke in der Infrastruktur wird durch den Swinetunnel geschlossen, da er die einzige feste Verbindung zwischen Deutschland und Polen direkt an der Ostsee sein wird. Wer aktuell zwischen den Küsten pendelt, nimmt die Fähre oder fährt gut 200 Kilometer Umweg durchs Landesinnere.

230 Millionen Euro kostet der Swinetunnel. 85 Prozent der Summe zahlt die Europäische Union, den Rest übernimmt Swinemünde.

Die Stadt nutzt konsequent die Chancen, die Polens Tourismusorte als EU-Förderregion Nummer eins derzeit genießen und an der Küste des Nachbarlandes für große Investitionen sorgen.

Stadtpräsident Zmurkiewicz hat bereits einen Tag für die Eröffnung des Tunnels festgelegt – den 17. September 2022.

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Alexander Loew

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