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MV aktuell Take-off im Obstgarten: Flieger wandert ins Museum
Nachrichten MV aktuell Take-off im Obstgarten: Flieger wandert ins Museum
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14:22 18.10.2017
Grünz/Cottbus

Die letzten Rosen sind verblüht im Garten von Brigitte und Ernst Baumann im vorpommerschen Grünz bei Penkun. Schweren Herzens verabschiedeten sich die Besitzer eines Wirtshauses von einem längst geplatzten Traum: Mehr als ein Vierteljahrhundert beherbergten die heute 80-Jährigen ein riesiges Passagierflugzeug sowjetischer Bauart zwischen Sträuchern, Obstbäumen und Gemüsebeeten auf ihrem Grundstück gegenüber der Dorfkirche. Gestern hob der Düsenjet zum letzten Mal vom Boden ab.

Die Tupolew Tu-134A wollten die Baumanns eigentlich zu einem extravaganten Eiscafé herrichten, bekamen aber keine Genehmigung. Nun ging der verrostete Flieger ein letztes Mal in die Luft – am Kranhaken. In Teilen auf vier Tiefladern verstaut sollte das Flugzeug ab der Nacht zum Dienstag in das 260 Straßenkilometer entfernte Flugplatzmuseum Cottbus (Brandenburg) transportiert und dort zum größten Exponat werden.

Für 10 000 Euro kaufte das ehrenamtlich betriebene Museum in diesem Frühjahr die Tupolew der Baumanns. Mindestens 30 000 Euro kosteten Abbau und Transport, sagt Projektleiter Enrico Peiler. Der Cottbuser Elektro-Meister arbeitet fast jedes Wochenende und viele Urlaubstage für das 1994 auf dem früheren Militärflugplatz eröffnete Museum, das bisher knapp 50 Flugzeuge und Hubschrauber vor dem Verschrotten rettete. Die Tu-134A werde das Highlight auf dem 60000 Quadratmeter großen Museumsgelände, so Peiler.

Die 29 Tonnen schwere und 35 Meter lange Maschine flog früher für die sowjetische Aeroflot, bis sie Mitte der 1980er Jahre via Berlin-Schönefeld und schließlich über Land in die Schwarzen Berge in der Uckermark transportiert wurde. Nur wenige Kilometer südlich vom Dorf Grünz entfernt bildete auf einem geheimen Gelände in Wartin bei Prenzlau die Staatssicherheit der DDR Antiterroreinheiten aus, wie aus dem Archiv des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (Berlin) hervorgeht. Fotos zeigen eine Übung an der Tu-134A zur Befreiung von Geiseln im Falle einer Flugzeugentführung.

Auch Gastwirt Baumann kannte die Gerüchte um den Trainingsflieger der Stasi. „Nach der Wende musste was her nach Grünz, was keiner hatte“, erinnert er sich. 1991 zogen die Baumanns mit vielen Helfern die – praktisch noch flugfähige – Tupolew durchs Tal der Randow nach Grünz. „Da haben wir sie dann mit neun Traktoren zwei Tage lang übers Feld geschleppt, einige Male versackt sind wir, ein riesiger Aufwand!“

Der Plan, ein Café einzurichten, scheiterte an der Gewerbeaufsicht. Die Behörde verlangte eine lichte Höhe des Gastraums von 2,40 Meter, die Passagierkabine der Tu-134A misst zwei Meter. Eine Betonplatte sollte dem Flugzeug untergeschoben werden, unmöglich für die Wirtsleute. Sie gaben auf. Ein Verschrotten aber kam nicht in Frage. „Da wäre jede Menge Sondermüll angefallen.“

Baumann ist froh, die Maschine nun an das Museum in Cottbus abzugeben. „Auch wenn es weh tut“, meint er. „Da kommt sie in gute Hände und wird restauriert.“ Seit März waren Enrico Peiler und seine Mitstreiter immer wieder in Grünz und bereiteten den Abtransport vor. Insgesamt 20 Tage oder 3800 Arbeitsstunden dauerte der Abbau.

Grit Büttner

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