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Tamsen Werft baut Seenotrettungsboote

Rostock Tamsen Werft baut Seenotrettungsboote

DGzRS hat drei Spezialschiffe bei der Rostocker Werft bestellt / Zwei Neubauten wurden gestern auf Kiel gelegt

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Originale im Einsatz: „Mariken“ und „Vormann Jantzen“.

Rostock. Verena Krämer ist Seenotretterin. Und Glücksfee: Bei einem symbolischen Akt versenkte die 21-jährige Studentin eine Zwei- Euro-Münze in der Halterung am Schott des Bootsneubaus auf der Rostocker Werft Tamsen Maritim. Dort wurden gestern zwei Spezialboote für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) auf Kiel gelegt. „Tamsen Maritim hat uns überzeugt – Preis und Leistung stimmen“, sagte DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler.

OZ-Bild

DGzRS hat drei Spezialschiffe bei der Rostocker Werft bestellt / Zwei Neubauten wurden gestern auf Kiel gelegt

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Im vergangenen Jahr – dem 150. Jubiläum der Seenotretter – hatten die Tamsen-Experten mit dem Bau eines 10,1 Meter langen und 3,6 Meter breiten Seenotrettungsboots eine Expertise abgeliefert. Die Folge: neue Aufträge für insgesamt drei weitere Schiffe. Über die Kosten für den Auftrag wurde Stillschweigen vereinbart. Laut dem DGzRS-Sprecher Ralf Baur kostet ein komplettes Boot dieser Art „rund eine Million Euro“.

Beim zweiten Neubau steckten das Warnemünder Original „Mariken“, alias Marita Bojarra, und „Vormann Jantzen“ (Gernot Schumann) eine Zwei-Euro-Münze in die „Kiellegungsmünztasche“ – ein Symbol für Sicherheit, Glück und Gesundheit für Besatzung und Schiffbauer. Baustart für das dritte Seenotrettungsboot wird Anfang 2017 sein. Die Bauzeit beträgt jeweils rund ein Jahr.

Vielleicht fährt eines Tages auch Verena Krämer mit einem der neuen Schiffe. Seit Anfang 2016 ist die junge Frau aus München, die im dritten Semester Nautik an der Hochschule Wismar studiert, freiwillige Seenotretterin auf dem Warnemünder Seenotrettungskreuzer „Arkona“. „Bei der DGzRS gibt es viele Menschen, die ihr Leben einsetzen, um andere Leben zu retten – dazu möchte ich meinen Beitrag leisten“, erklärte Verena Krämer. Derzeit sind rund 800 Seenotretter für die Gesellschaft im Einsatz.

Der Bau der Spezialschiffe wird durch Erbschaften finanziert. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betonte DGzRS-Geschäftsführer Stadeler. Auch wenn nach Seemannsbrauch die Namen der neuen Boote – die internen Bezeichnungen lauten SRB 69, SRB 70 und SRB 71 – noch geheim sind, verkündete Stadeler: Ein Schiff wird den Namen einer Spenderin tragen, ein anderes nach der Yacht benannt, mit denen andere Spender über die Weltmeere segelten.

Die DGzRS hält an den deutschen Küsten insgesamt 60 Schiffe bereit. Die sogenannten Rettungseinheiten seien durchschnittlich für eine Dauer von 30 Jahren „im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee“, sagte Stadeler. Pro Jahr würden daher etwa zwei Schiffsneubauten in Auftrag gegeben. Bundesweit gebe es nur vier Werften, die solche Spezialbauten fertigen können – eine davon ist Tamsen Maritim.

Der Auftrag über die drei neuen Seenotrettungsboote sorgt für eine „sehr gute Auslastung im Bereich Neubauten“, sagte Geschäftsführer Christian Schmoll: „Die Bücher sind für ein Jahr gefüllt – das gab es in unserer Geschichte bislang noch nicht.“ Nach der Insolvenz des Vorgängers SMG hatte Tamsen die Werft im Jahr 2009 übernommen.

Hauptbetätigungsfeld der Werft an der Warnow sind Schiffsreparaturen. Derzeit arbeiten die Schiffbauer etwa am Seenotkreuzer „Bremen“ sowie einem Minenjagdboot der Deutschen Marine. Weitere Arbeiten stehen für die Warnowfähre sowie Fahrgastschiffe der Weißen Flotte an.

Seit gut vier Jahren ist Tamsen auch im Geschäftsfeld erneuerbare Energien tätig. Als Spezialist für Kunststofftechnik – der Vorgänger SMG hat Kunststoff-Luxusyachten gebaut – fertigt Tamsen sogenannte Negativformen zum Bau großer Blätter für Windenergie-Anlagen. Zu den Auftraggebern gehören laut Schmoll Konzerne wie Nordex und Siemens. Die Werft beschäftigt derzeit rund 100 Mitarbeiter, darunter 20 Auszubildende.

Mit 18 Knoten unterwegs

10,1 Meter sind die Seenotrettungsboote (SRB) lang und 3,61 Meter breit. Die Boote erreichen eine Geschwindigkeit von 18 Knoten und haben Tiefgang von knapp einem Meter. Vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns rückten die Seenotretter in diesem Jahr bislang zu 508 Einsätzen aus. Dabei retteten sie 21 Menschen aus Seenot und weitere 123 aus Gefahrensituationen.

Axel Meyer

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