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MV aktuell Taschendiebstahl zwischen Geranien und Petunien
Nachrichten MV aktuell Taschendiebstahl zwischen Geranien und Petunien
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00:38 05.05.2018
Dieser junge Mann sammelte am Mittwoch Spenden vor dem Grönfingers-Markt. Quelle: Fotos: E. Ehlers/e. Heinemann
Rostock

Es ist ein ungewöhnliches Schild am Eingang des Rostocker Grönfingers-Marktes. Wo das Unternehmen eigentlich für Sommerblumen wirbt, warnt jetzt ein Aufsteller vor Taschendieben und unseriösen Spendensammlern: „Achtung europäische Banden“ heißt es in großen Lettern. Grönfingers-Chef Eckhard Heinemann weiß, dass er mit diesem Plakat polarisiert.

Warnung vor ausländischen Banden: Den Text hat die Firma inzwischen ein wenig geändert.

Aber: In Mecklenburg-Vorpommerns größtem Gartenfachmarkt kam es innerhalb von zehn Tagen zu zwei Vorfällen.

Laut Bund Deutscher Kriminalbeamter ergaben Ermittlungen, dass bandenmäßig organisierte Diebe und Trickbetrüger häufig aus Rumänien stammen. „Wir wollen Kunden und Mitarbeiter warnen, damit sie solchen Leuten nicht auf den Leim gehen.“ Mit Ausländerfeindlichkeit habe das nichts zu tun, versichert der 52-Jährige. „Wir beschäftigen Mitarbeiter aus Ungarn, Tschechien und Polen und haben einen syrischen Flüchtling eingestellt.“

Doch seit mehr als fünf Jahren werde der Parkplatz im April und Mai von Banden heimgesucht, berichtet der Betriebsleiter. „Vermutlich weil zu Beginn der Gartensaison bei uns immer besonders viel los ist.“Konkreter Fall: Einer älteren Dame, die in der Gärtnerei zwischen Geranien, Petunien und Fuchsien nach passenden Pflanzen sucht, wird das Portmonee aus der Tasche gezogen. Andere Kunden sehen das und reagieren schnell. Der Täter ergreift die Flucht und lässt das Portmonee fallen. Heinemann wird verständigt, kann mit dem Handy noch Fotos vom Täter machen. Der Geschäftsmann, der viele Jahre Präsident des Verbandes deutscher Gartencenter war, weiß, dass auch Firmen in anderen Bundesländern betroffen sind. „In Baden-Württemberg kam es kürzlich sogar zu Handgreiflichkeiten.“

Im April 2017 sprach auch die Polizei nach einem Vorfall auf dem Grönfingers-Parkplatz, den auch viele Baumarktkunden nutzen, von „aggressiven Spendensammlern“. Polizeisprecherin Dörte Lembke erinnert sich: „Beteiligt waren fünf Personen, darunter zwei Frauen.“ Sie hätten sich als taubstumm ausgegeben und auf einem Klemmbrett um Spenden gebettelt. Weil die Gruppe bei ihrer Flucht den Firmenchef fast umfuhr, wurden Ermittlungen aufgenommen: wegen Betrugs, Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Eckhard Heinemann legte der Polizei Handy-Fotos von der Gruppe vor und sogar das Kennzeichen des BMW aus Hagen (NRW).

Zur Zeugenbefragung wurde er erst im April 2018 geladen, ein ganzes Jahr nach dem Vorfall – und ohne Ergebnis, berichtet der Firmenchef. Die Polizei habe zwar als Fahrzeughalter einen Rumänen ermittelt, der aber alles abstritt und angab, sein Auto verliehen zu haben. „Jetzt erstatte ich keine Anzeige mehr“, meint der Unternehmer resigniert. Es koste Zeit und bringe nichts.

Polizeisprecherin Lembke hält dagegen: „Betroffene sollten unbedingt die Polizei informieren.“ Oft helfe es schon, wenn dann Streifenbeamte Präsenz zeigen oder Kontaktbeamte Bescheid wüssten.

Rostocks Staatsanwaltschaft hat den Fall erst seit März dieses Jahres auf dem Tisch. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, teilte ein Sprecher mit.

Elke Ehlers

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