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Tausende Telekom-Kunden nach Hackerangriff offline

Rostock Tausende Telekom-Kunden nach Hackerangriff offline

Stromausfälle sorgen angeblich neun Monate später für mehr Geburten. Gilt das auch für Internetstörungen?

Rostock. Stromausfälle sorgen angeblich neun Monate später für mehr Geburten. Gilt das auch für Internetstörungen? Bei Twitter kursierte gestern schon ein Name für das neue Phänomen, unabhängig von dessen Eintrittswahrscheinlichkeit: Telekombuckel. Ob damit die Delle in der Geburtsstatistik gemeint ist oder der Schwangerschaftsbauch, das bleibt unklar.

Reichlich Gelegenheit, anderes zu tun als im Netz zu surfen und dort Lieblingsserien zu gucken, hatten Tausende Telekom-Kunden ab Sonntag 16 Uhr. Wahrscheinlich wegen eines Hackerangriffs fielen bei rund 900 000 Festnetzkunden Internetverbindung und Telefon aus – in ganz Deutschland, von insgesamt 20 Millionen Telekom-Festnetzanschlüssen.

Bestimmte Router – Geräte zur Herstellung der Verbindung – wurden von den Servern der Deutschen Telekom nicht mehr erkannt. Die Router waren offenbar von außen mit Schadsoftware infiziert worden.

„Ich habe den Stecker gezogen und wieder reingesteckt, das hat aber nichts genutzt“, sagt Klaus Brökel. Der Rostocker Maschinenbau-Professor blieb am Sonntag zu Hause offline, der von der Telekom empfohlene Stecker-Trick brachte nichts.

Ab Montag früh spielte das Unternehmen neue Software auf. Die Kunden bekamen davon höchstens etwas mit, als sie wieder online waren. Der Stecker-Trick, einschließlich 30 Sekunden Warten nach dem Neuanschließen, sollte seitdem besser funktionieren. Montagmittag waren gut die Hälfte der Anschlüsse laut Telekom wieder am Netz.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sprach von einer globalen Attacke, bei der „ausgewählte Fernverwaltungsports“ angegriffen wurden. Es habe auch Attacken auf Regierungsnetze gegeben, aber ohne Erfolg.

„Das Problem tritt bei bestimmten Routern auf“, sagte ein Telekom-Sprecher. Welche Geräte betroffen sind, sei unklar. In Onlineforen werden die Modelle Speedport W921 und W723 genannt. Bei der Polizei in MV gab es keine Ausfälle, hieß es in den Präsidien Rostock und Neubrandenburg. Bessere Netze wünscht sich Laura Jonuschat, Medienkauffrau-Auszubildende aus Rostock. Ihr Telekom-Anschluss streikt schon seit zwei Wochen, seit Sonntag geht gar nichts mehr. Ärgerlich: So konnte sie Bahntickets nicht online kaufen, der Sparpreisrabatt fiel weg.

Entschädigung einzufordern, ist aussichtslos, sagt Matthias Wins von der Verbraucherzentrale MV. Im Massengeschäft, dazu zählen neben Telefon und Internet auch Stromversorgung und Verkehrsmittel, schließen die Anbieter in den Vertragsbedingungen meist eine Haftung für Folgeschäden aus. Man habe nicht einmal Anspruch auf Erstattung entgangener Internet- und Telefonzeit, denn Telekomanbieter garantieren für Privatkunden keine 100-prozentige Verfügbarkeit. So etwas gebe es nur für gewerbliche Kunden – „und das ist sehr, sehr teuer“, meint Wins. Man sollte den Ausfall dennoch schriftlich bei der Telekom geltend machen, rät der Jurist. Mit etwas Glück bekommt man dafür eine Gutschrift. gkw

OZ

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