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MV aktuell Tauwetter lässt überall die Steilküsten bröckeln
Nachrichten MV aktuell Tauwetter lässt überall die Steilküsten bröckeln
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00:00 16.02.2017

Gefahr von oben: In Mecklenburg-Vorpommern hat die Abbruch-Saison an den Steilküsten begonnen. Mit dem einsetzenden Tauwetter können in den kommenden Wochen immer wieder Massen von Kreide, Mergel und Lehm herabstürzen und Spaziergänger verletzen. Geologen raten vor allem an schmalen Strandabschnitten mit steilen oder überhängenden Kliffen zur Vorsicht. Doch auch die anderen Steilküsten im Land seien ständig in Bewegung, erklärt Harald Stegemann, Leiter des Landesamtes für Umwelt und Geologie (LUNG).

Mit dem einsetzenden Tauwetter können zuvor gefrorene Hangmassen ins Rutschen geraten. Zudem sind Anfang des Jahres durch die Sturmflut viele Klifffüße unterspült worden. Auch der Rügener Küste haben im Januar Wasserstände von 1,80 Meter über Normal ordentlich zugesetzt. Unter anderem sind die Schuttkegel am Klifffuß nördlich von Sassnitz durch die Wassermassen weggespült worden. Die Kegel hätten eine gewisse Barrierewirkung. „Dieser Schutz ist jetzt weg. Das Meer arbeitet direkt am Kliff“, sagt Gernot Haffner, Leiter des Nationalparkamts Vorpommersche Boddenlandschaft. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Unterspülungen kommen werde und die Küstendynamik steige. „Das ist aber ein stetiger Prozess.“

Wer die Natur an Rügens Kreideküste genießen will, sollte den Hochuferweg oberhalb des Kliffs benutzen und den auch nicht verlassen. Gefahrlos sei noch der Bereich nördlich von Sassnitz bis zur Piratenschlucht. Am Kieler Bach könne noch abgestiegen werden. Allerdings warnte das Amt wegen der Abbrüche dort vor längeren Spaziergängen. Der Abstieg am Königsstuhl ist seit 2016 gesperrt, weil ein Baum auf den Abgang gefallen war und diesen zerstört hatte. Auf der Insel Poel (Nordwestmecklenburg) hat das Hochwasser zu teils erheblichen Abbrüchen entlang der Steilküsten geführt, auch in Zempin auf der Insel Usedom. Wie das LUNG informiert, kann es mit dem nahenden Winterende an allen Steilküsten im Land zu weiteren Abbrüchen kommen. Trotz der Gefahren für Spaziergänger würden aber nur die wenigsten Gebiete weiträumig abgesperrt. Das passiere nur, wenn Abbrüche oder Rutschungen akut absehbar seien. Dafür werde an allen sensiblen Bereichen mit Schildern auf mögliche Steinschläge und Hangabbrüche hingewiesen. Nicht ohne Grund, wie zwei tragische Fälle auf Rügen zeigen: Weihnachten 2011 wurde am Kap Arkona ein zehnjähriges Mädchen verschüttet, ihre Leiche erst Wochen später entdeckt. 2005 wurde eine Berlinerin (27) bei Lobbe von herabstürzenden Geröllmassen erschlagen. Kerstin Schröder

OZ

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