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Theater-Reform – geglückt oder gescheitert?

Schwerin/Rostock Theater-Reform – geglückt oder gescheitert?

Vor der Landtagswahl in MV: Spitzenkandidaten stellen ihre Ideen vor – Letzter Teil: die Zukunft von Theatern und Orchestern

Schwerin/Rostock. Etwa 1,33 Millionen Wahlberechtigte können am 4. September über einen neuen Landtag in MV abstimmen. Die OSTSEE-ZEITUNG befragt Spitzenkandidaten von Parteien nach ihren Lösungsansätzen für einzelne Politikfelder. Teil 10 – Theater.

Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren mehr Menschen erregt: die Reform von Theatern und Orchestern im Land. Zukunftssichere Strukturen sollen her – durch Fusion und Umbau, möglichst bei gleichen Kosten. Mittlerweile schießt das Land sogar mehr zu: 38,1 Millionen Euro pro Jahr. Die SPD steht zur Reform, um eine zwei Jahrzehnte währende „Krise“ zu beenden, sagt Erwin Sellering. Mit der Fusion der Standorte Schwerin und Parchim ist der erste Schritt umgesetzt. Problem im Osten: Dort gebe es zwei Orchester, „aber keines davon ist groß genug, um große Sinfonien spielen zu können“, so Sellering. Daher solle eines mit über 100 Musikern entstehen – „möglichst ohne Entlassungen, mit der Rückkehr zu Tariflöhnen, steigenden Zuschüssen und Investitionen“.

Kritik kommt von der Linken. „Kultur- und Arbeitsplatzreform an Theatern und Orchestern sind keine Reform“, so Helmut Holter. Sein Weg: „Wir dynamisieren die Fördermittel, was seit Jahren versäumt wurde.“ Also: mehr Geld. Holter: „Die Verantwortlichen vor Ort sollen entscheiden, ob sie eigenständig bleiben oder fusionieren wollen.“ Überall solle Landesbeteiligung angeboten werden.

Gleiche Töne schlägt Jürgen Suhr (Grüne) an. Die Eigenständigkeit der Theater müsse bewahrt, Zuschüsse „angepasst“ werden. Was die Große Koalition derzeit betreibe, seien „Zwangsfusion und Streichung von über 100 Arbeitsplätzen – ohne Not“, erklärt Suhr. Kämpferisch gibt sich Norbert Schumacher (Freier Horizont): „Die brachial durchgepeitschten Theaterreformen müssen sofort gestoppt werden“, sagt er. Er fordert neue Gespräche mit Betroffenen, um das für Theater nötige Geld zu ermitteln. Kultur habe einen wichtigen Bildungsauftrag. „Da darf nicht geknausert werden.“

Auch Lorenz Caffier (CDU) rückt etwas von der Reform ab. Sie sei „offenkundig nicht vollständig geglückt“. Seine Partei fordere ein vielfältiges, niveauvolles Angebot. Alle Standorte müssten erhalten bleiben. „Es müssen anständige Löhne gezahlt werden“, so Caffier. Und: „Beide Landesteile müssen gleich behandelt werden.“

Für die „Umstellung auf eine leistungsbezogene, dynamische Förderung aller Kulturinstitutionen“ plädiert Cécile Bonnet-Weidhofer (FDP). Dies gelte dann aber für alle Anbieter, egal ob landeseigen, kommunal oder privat. Sie regt an, mehr Gebrauch von zum Beispiel Stiftungen, Crowdfunding oder Mäzenatentum zu machen.

Die AfD sei für „maßvolle Kürzungen“, so Leif-Erik Holm, aber gegen „Kahlschlag unserer Kulturlandschaft“. Wie das gehen soll, beantwortet er nicht.

Frank Pubantz

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