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MV aktuell Mitarbeiterstreit und Lücken im Spielplan: Letzter Akt am Schweriner Staatstheater
Nachrichten MV aktuell Mitarbeiterstreit und Lücken im Spielplan: Letzter Akt am Schweriner Staatstheater
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Das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin wurde 1886 gegründet. Mittlerweile bildet es mit dem Theater Parchim eine Gesellschaft, die ab 2020 das Land übernimmt. Quelle: Jens Büttner/dpa
Schwerin

Endspiel oder Neustart am Schweriner Theater? Lars Tietje, in die Kritik geratener Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, muss bis Weihnachten erklären, wie er die interne Krise in seinem Haus bewältigen will. „Das ist ehrgeizig“, räumt ein Sprecher des Schweriner Kultusministeriums ein. Der 51-jährige Theaterchef muss konkrete Maßnahmen vorlegen, die kurzfristig wirken. Sollte er dieser Forderung der Gesellschafter – das Land, die Städte Schwerin und Parchim sowie der Landkreis Ludwigslust-Parchim – nicht nachkommen, könnten seine Tage in Schwerin bald gezählt sein. Offiziell läuft Tietjes Vertrag noch bis 2021.

„Der Generalintendant ist gefordert, die Probleme zu lösen“, sagt Andreas Fritsch, Betriebsratsvorsitzender des Staatstheaters, zu der auch die Bühne in Parchim gehört. Tietje wird ein hierarchischer Führungsstil vorgeworfen. Seit seinem Amtsantritt 2016 habe er ein Klima der Angst unter den 330 Beschäftigten geschaffen. Mit einem rigiden Sparkurs soll er zudem Theaterbesucher vergrault haben, weil er das Repertoire und damit den Spielplan ausdünnte. Tietje ließ am Donnerstag Rückfragen unbeantwortet.

Der Theatermann war mit reichlich Vorschusslorbeeren in Schwerin gestartet. Der gebürtige Niedersachse gilt als Retter des Theaters Nordhausen/Sonderhausen in Thüringen, das er zwölf Jahre leitete und das zu Beginn seiner Amtszeit vor dem Aus stand. Dort setzte er einen harten Sparkurs durch. In Schwerin fühlten sich Künstler und technische Angestellte aber schnell durch den neuen Chef eingeschüchtert. Zum offenen Eklat kam es erstmals vor knapp einem Jahr, als Schauspieler kritisierten, Tietje habe ihnen verboten, sich beim Theaterball politisch zu äußern. Schwerins Bürgermeister Rico Badenschier wurde als Vermittler eingesetzt.

Kommentar von Gerald Kleine Wördemann: Letzte Chance für den Intendanten

Gebessert hat sich offenbar nichts. Im Gegenteil, im Herbst spitzte sich die Lage weiter zu. Laut Betriebsrat hielten viele Künstler den Druck nicht aus und kündigten – teilweise ohne Jobalternative. Die Rede ist von rund 20 Angestellten, die wegen Tietje gegangen sein sollen. „Es muss schon viel passiert sein, wenn ein zum Beispiel Tänzer seine feste Stelle für die Arbeitslosigkeit aufgibt“, sagt Andreas Fritsch. Der Techniker arbeitet seit 15 Jahren am Schweriner Theater. Eine vergleichbare Krise habe er noch nicht erlebt. Anderen Mitarbeitern, die sich kritisch über den Führungsstil äußerten, sei der Vertrag nicht verlängert worden. Unter anderem mussten der Sprecher des Ballett-Ensembles und der Chordirektor mussten auf diese Weise gehen.

Am Donnerstag debattierte der Landtag eine Stunde lang über die Schweriner Theaterkrise, auf Antrag von Eva-Maria Kröger (Linke). Ihr Antrag, die Landesregierung möge dafür sorgen, dass aus dem Theater keine „Event-Bude“ wird und sich für die Beschäftigten einzusetzen, fand keine Mehrheit.

„Der Spielplan ist ganz schön ausgedünnt“, sagt Michael Jungrichter, Vorsitzender der Schweriner Theaterfreunde, mit 1200 Mitgliedern einer der größten Kulturfördervereine in MV. Die Zahl der spielfreien Tage habe spürbar zugenommen. In den vergangenen Wochen gab es statt der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ nur die Operette „Zum Weißen Rössl“ zu sehen, weil nach dem Ausfall einer Darstellerin aufführbereite Ersatzstücke im Repertoire fehlten. Das habe viele Theaterbesucher enttäuscht, so Jungrichter. Laut offizieller Theaterbilanz gab es in der Spielzeit 2017/2018 insgesamt 700 Vorstellungen, 160 weniger als in der Spielzeit davor. Bei der Lösung der Krise sollen auch die Fördervereine mitwirken. „Wir stehen für Gespräche bereit“, sagt Jungrichter.

Gerald Kleine Wördemann

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