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Tiere der Ostsee in Gefahr: MV setzt Schutzstatus nicht um

Rostock Tiere der Ostsee in Gefahr: MV setzt Schutzstatus nicht um

Schweinswale, Enten und Aale sind vom Aussterben bedroht / Naturschützer schlagen Alarm

Rostock. Weckruf der Naturschützer: Viele Tier- und Pflanzenarten in der Ostsee sind vom Aussterben bedroht, darunter Schweinswale, Aale, einige Enten- und Taucherarten oder die seltene Fuchsschwanz-Armleuchteralge. Als Gründe hat der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) MV starke Düngung auf Äckern des Landes, Mikro-Plastik und hemmungslose Müllentsorgung ausgemacht. Er fordert die Politik auf, endlich zu handeln. Ein Problem: Zwar hat das Land seit Jahren ausgewiesene Schutzgebiete auch in der Ostsee. Allerdings fehlten immer noch Managementpläne zur Umsetzung.

„Wir haben Schutzgebiete, die nicht geschützt werden“, kritisiert Nadja Ziebarth, Meeresschutzbeauftragte des BUND. Das räumt Umweltminister Till Backhaus (SPD) bei einer Diskussionsrunde in Rostock auch ein, verweist aber auf die Komplexität des Themas. 235 Schutzgebiete, so genannte Flora-Fauna-Habitat-Gebiete, habe MV ausgewiesen – „die meisten überhaupt“, so Backhaus. Darunter seien etwa 30 maritime, von denen es für acht Managementpläne gebe. Der Haken: Es brauche Zeit, bis wirksamer Schutz auch umgesetzt werden kann. Dies sei „eine Generationenaufgabe“. Das Land habe die Ausbringung von Phosphor und Stickstoff seit 1990 um 84 und 32 Prozent gesenkt.

Dem BUND reicht das nicht als Antwort. Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag sieht ein Hauptproblem nach wie vor in der Landwirtschaft. Sie fordert: mehr Öko-Landbau und strengere Regeln für Düngung. Denn über das Wasser gelangten Phosphor und Stickstoff in die Ostsee. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde zählt Überdüngung zu den „größten Umweltproblemen“.

Nährstoffüberangebot führe zu giftigen Algenblüten und Sauerstoffmangel – Verlust der Artenvielfalt. Laut Cwielag drängt die Zeit. Viele Arten im Meer seien bedroht – auch wegen Ölverschmutzung, Schiffsverkehr, Bau von Windkraftanlagen oder „dramatischer Überfischung“. Neben den Schweinswalen, deren Population in der mittleren Ostsee derzeit bei etwa 500 liegt, zählt sie auf: Aale, Dorsche, Stern- und Prachttaucher, Eis-, Trauer- und Samtente oder eben seltene Algenarten, die es teils nur noch an wenigen Standorten gebe. Das Vorkommen von Aalen habe sich seit den 1970er-Jahren um gut 90 Prozent verringert.

Die Politik will gegensteuern. Claudia Schulz (Grüne) fordert „Tabuzonen für Fischerei“. Auch das Freizeitangeln müsse reduziert werden. Mignon Schwenke (Linke) regt Schutzstreifen an Gewässern an.

Es sei „höchste Eisenbahn, dass die Managementpläne vorankommen“. Burkhard Lenz (CDU) sieht andere Länder in der Pflicht; Deutschland sei bereits Vorbild beim Umweltschutz. Eine pauschale Einschränkung von Fischerei und Freizeitangeln lehnt Backhaus ab. Zunächst müssten Ursachen für das Tiersterben ermittelt werden. Dann gelte es, die Bürger für mehr Umweltschutz zu sensibilisieren.

Frank Pubantz

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