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MV aktuell Tod am Ende des Krieges: Dörfer erinnern an Tragödien
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00:00 30.08.2013
Gedenk- steine mit den Namen von 1945 gestorbenen Flüchtlingen auf dem Friedhof in Brüel. Quelle: dpa
Burg Stargard

„Fam. Gau, Bierhändler, erschoss sich, seine Ehefrau und Schwägerin“, steht in leicht krakeliger Handschrift auf einer DIN-A 4-Seite. Darunter „Fam. Jackwitz... erhängte sich.“ Dieses Blatt eines alten Burg Stargarders, der damals die Leichen bergen musste, war der Anlass für Günther Langes Untersuchungen über das Kriegsende 1945 in der Kleinstadt bei Neubrandenburg. „Mehr als 1000 Menschen kamen ums Leben“, sagt der Rentner, der die „Kladde“ des Friedhofsarbeiters aus jener Zeit analysiert hat. Auf zwei Gräberfeldern wurden mehrere hundert Tote aus jener Zeit begraben, zum Teil sogar in mehreren Reihen übereinander. Heute erinnert nichts mehr an das damalige Geschehen, was sich ändern soll.

Die Burg Stargarder sammeln für einen würdigen Gedenkstein, der zusammen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge spätestens 2014 aufgestellt werden soll. Kein Einzelfall: „Landesweit erinnern immer mehr Kommunen an das Geschehen 1945 und stellen Gedenkstelen auf“, sagt Karsten Richter vom Landesverband des Volksbundes. Die sich überschlagenden Ereignisse jener Zeit und die hoffnungslose Lage trieben viele Menschen in die Selbsttötung, Tausende fielen auch Seuchen, wie Typhus in Burg Stargard, zum Opfer. So sorgte der Volksbund dafür, dass in Schwerin-Mueß, in Brüel bei Sternberg und in Körkwitz (Kreis Vorpommern-Rügen) an tote Flüchtlinge und Einheimische erinnert wird. Allein in Brüel wurden rund 300 tote Flüchtlinge aus Zügen aus dem Osten ausgeladen und begraben.

Auch Bad Kleinen bei Schwerin spielt eine Rolle, weiß Richter. Dieser Knotenpunkt der Bahn sei mehrfach von englischen und amerikanischen Flugzeugen beschossen worden. Dabei seien auch viele Flüchtlinge ums Leben gekommen, die in Zügen kamen. Die Toten wurden anonym bestattet.

Burg Stargard hatte in den Kriegsjahren etwa 6000 Einwohner. Durch die Fluchtwellen aus Ost- und Westpreußen, Pommern und dem Sudetenland hatte der Ort kurz vor Neubrandenburg bald doppelt so viele Einwohner. „Hier waren Scheunen voller Flüchtlinge“, weiß Lange. Der damals 13-Jährige war mit seiner Familie aus dem Kreis Cammin bei Stettin nach Westen gezogen. „Zum Glück haben die Frauen gedrängt, sonst wären wir in die Bombardierung Swinemündes geraten.“

Zwischen 28. April und 9. Mai 1945 nahmen sich fast 100 Menschen in Burg Stargard das Leben. Einige aus Furcht vor den Soldaten der Roten Armee, andere aus Verzweiflung über ihre Lage. Bis Jahresende kamen noch fast 900 Menschen durch eine Seuche um. „Nun sammeln wir für eine Stele mit einer Gedenkplatte“, so Lange. Die Stadt unterstützt den Plan, für den 10 000 Euro veranschlagt werden.

Die Demminer erinnern schon seit Jahren an einen der größten Massenselbstmorde jener Zeit, als Hunderte ihrem Leben ein Ende setzten. Auch in Teterin bei Anklam wurde 2009 eine Tafel enthüllt, die an den Tod von 32 Menschen erinnert.

Winfried Wagner

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