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Tod in Pagelsdorf-Villa: Kein Urteil

Warnemünde Tod in Pagelsdorf-Villa: Kein Urteil

Dreieinhalb Jahre nach dem Verbrechen in Warnemünde ist der Täter noch nicht bestraft – Prozess läuft in Polen

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Die „Villa Helga“ in Warnemünde. Hier wurde Ingolf P. Ende 2012 tot aufgefunden.

Quelle: Anja Levien

Warnemünde. Vor dreieinhalb Jahren erschütterte ein mysteriöser Mord die Einwohner des Seebades Warnemünde: Ende November 2012 kam der 70-jährige Ingolf P. ums Leben. Er lag – mit mehreren Messerstichen getötet – in der „Villa Helga“, die dem früheren Trainer von Hansa Rostock, Frank Pagelsdorf, gehört. Bis heute ist der mutmaßliche Täter nicht verurteilt. Der Prozess wird dem damals 40-jährigen Verdächtigen in Polen gemacht, woher er stammt.

Die Justiz in Mecklenburg-Vorpommern geht davon aus, „dass noch keine rechtskräftige Verurteilung erfolgt ist“, sagt Tilo Stolpe, Sprecher des Justizministeriums. Das erklärt auch Harald Nowack, Staatsanwaltschaft Rostock. Normalerweise würden beteiligte Behörden informiert, wenn ein Verfahren endet. „Dies ist bisher nicht geschehen“, so Nowack. Die zuständige Bezirksstaatsanwaltschaft in Gorzow Wielkopolski, eine Stadt südlich Stettins, hat eine OZ-Anfrage nicht beantwortet.

Die Rostocker Staatsanwaltschaft hatte den Fall um den Jahreswechsel 2013/2014 nach Polen abgegeben. Nachdem klar war, dass der Verdächtige wegen eines Tötungsdeliktes – Mord oder Totschlag – vor Gericht kommt, gab es ein Hindernis: Der Mann saß bereits wegen eines anderen Mordvorwurfs hinter Gittern – und zwar in Polen. Die Akten wanderten über die Grenze, daraufhin habe die Justiz im Nachbarland das Verfahren fortgeführt. „Nach hiesigen Erkenntnissen erhob die Bezirksstaatsanwaltschaft am 16. Juni 2015 Anklage“, berichtet Stolpe vom Wissensstand der Generalstaatsanwaltschaft MV.

Mehr Information sei bisher nicht geflossen. Üblich sei, dass die ermittelnde Behörde nach Verfahrensende das Ergebnis „unaufgefordert mitteilt“. Dies stehe allerdings noch aus.

Der Mordfall hatte in Warnemünde und darüber hinaus große Wellen geschlagen. Nachbarn waren entsetzt, dass ein solches Kapitalverbrechen im beschaulichen Seebad geschieht. Sie waren es auch, die zuerst von Ingolf P.s Tod etwas mitbekamen. Denn er muss tagelang tot in seiner Wohnung gelegen haben, bevor ihn jemand fand. Erst der beißende Leichengeruch machte Nachbarn aufmerksam.

Der 70-Jährige kam durch mehrere Messerstiche ums Leben. Wie Ermittlungen später ergaben, hatte er den 40-Jährigen selbst ins Haus geholt und ihn als Haushaltshilfe beschäftigt. Zeugen bestätigten, dass sich ein unbekannter Mann im Haus aufgehalten hat. Sie beschrieben ihn als „netten Mann“. Als „nicht normal“ schätzt Alexander Prechtel, Chef des Warnemünder Ortsbeirates, die Dauer des Verfahrens ein. Einen Grund sieht er im überalterten Rechtshilfe-System zwischen den Ländern. „Europa ist ohne Grenzen für Straftäter, bei der Strafverfolgung werden aber Barrieren sichtbar“, so Prechtel, früher selbst Generalstaatsanwalt im Land. Im Seebad sei zum Thema Ruhe eingekehrt: „Die Menschen sind beruhigt, seit der Täter erwischt wurde.“

Die Polizei hatte vor drei Jahren bei ihren Ermittlungen einen immensen Aufwand betrieben. Sie bat über Medien in mehreren Bundesländern nach Hinweisen, zum Beispiel zu P.s blauem Mercedes, der nach der Tat vor dem Haus stand. Im April 2013 sprach die Polizei von einer „guten Spur“. Ein DNA-Test überführte schließlich den Täter.

Prominenter Vermieter P.s war Ex-Hansa-Coach Frank Pagelsdorf. Ihm gehört die Villa. Der frühere Trainer des FC Hansa Rostock (1994-97 und 2005-08) erwarb die Immobilie in den neunziger Jahren. Noch heute steht er als Inhaber im Grundbuch.

2015 acht Morde in MV

96 Prozent aller „Straftaten gegen das Leben“, wie Mord oder Totschlag in der Polizeisprache heißen, sind im Jahr 2015 aufgeklärt worden. In 50 Fällen gab es laut Innenministerium Ermittlungen, darunter acht Morde, fünf Mordversuche, 21 Mal Totschlag und 17 Mal fahrlässige Tötung. Ein politisch motivierter Hintergrund habe in keinem Fall vorgelegen. Im Jahre 2014 lag die Gesamtzahl dieser Straftaten mit 59 noch höher.

117 261 Straftaten hat die Polizei im Vorjahr MV-weit registriert. Gegenüber 2014 ist dies ein leichter Anstieg um rund 650. Davor war kontinuierlich ein Rückgang der Straftaten zu verzeichnen; 2006 lag die Gesamtzahl noch bei 152298. Die meisten Straftaten 2015 waren Diebstähle – landesweit 41188.

Frank Pubantz

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