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MV aktuell Tollensetal: Blutiges Gold vom ältesten Schlachtfeld Europas
Nachrichten MV aktuell Tollensetal: Blutiges Gold vom ältesten Schlachtfeld Europas
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00:06 06.10.2017
Die Nachbildung eines Horns, das bei Wismar entdeckt wurde.
Sternberg

. Es war ein Gemetzel enormen Ausmaßes: Hunderte, vielleicht Tausende Männer stehen sich um 1250 vor Christus am Ufer des Flusses Tollense im heutigen Mecklenburg-Vorpommern gegenüber. Ihre Bewaffnung: Schwerter, Lanzen, Keulen, Messer, Pfeil und Bogen. Ein Damm führt an dieser Stelle über das 250 Meter breite Flusstal, einen strategisch wichtigen Ort. Der Damm ist deutlich vor 1250 erbaut worden und über Generationen sorgsam instand gehalten worden, berichtet Landesarchäologe Detlef Jantzen. Viel mehr ist nicht bekannt über die kriegerische Auseinandersetzung auf dem ältesten Schlachtfeld, das bisher in Europa ausgegraben worden ist. Jetzt erzählt eine Ausstellung ein Jahr lang davon. Jantzen ist sicher: „Wir sehen im Tollensetal zum ersten Mal einen Krieg in seinen Überresten vor uns.“ Aus Aufzeichnungen sei aus so alter Zeit nur die Schlacht bei Kadesch zwischen Ägyptern und Hethitern 1274 vor Christus bekannt.

. Es war ein Gemetzel enormen Ausmaßes: Hunderte, vielleicht Tausende Männer stehen sich um 1250 vor Christus am Ufer des Flusses Tollense im heutigen Mecklenburg-Vorpommern gegenüber.

Eine Sonderausstellung ist von heute an den Funden vom Tollensetal gewidmet, die in Grabungen, die unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurden, seit 2009 aus der Erde geholt wurden. Im Museumsgebäude des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden bei Sternberg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) soll die Schau „Blutiges Gold – Macht und Gewalt in der Bronzezeit“ ein Jahr lang zu sehen sein. Das Freilichtmuseum ist eigentlich der Slawenzeit viel später gewidmet. Doch es muss nun für die Bronzezeit-Schau herhalten, denn ein Archäologisches Landesmuseum hat MV nicht. Wer hat da an der Tollense gekämpft und unter wessen Befehl? Auf diese Fragen können die Archäologen noch keine Antworten geben. Nur so viel ist klar: Es gab viele Tote. Bisher seien zehn Prozent des Schlachtfeldes ausgegraben und Gebeine von über 130 Menschen gefunden worden, sagt Jantzen. „In der Hauptsache waren es junge Männer.“

Einem sei der Schädel mit einer Keule eingeschlagen worden. Andere Knochen hätten Verletzungen von Pfeilen. Hinweise auf die Anwesenheit von Frauen gebe es keine.

Auch Siedlungsreste fanden die Experten nicht. Zu den aufregendsten Funden gehören Goldringe, die laut Jantzen entweder am Finger oder im Haar getragen wurden, sowie Zinnringe, die im Wasser der Tollense die Jahrtausende überdauert haben. „Das ist eine Rarität, denn Zinn zersetzt sich im Lauf der Zeit“, so Jantzen. Jetzt werde untersucht, wo das Zinn abgebaut wurde. Dies könnte Hinweise geben, welche Beziehungen die Menschen der Bronzezeit unterhielten.

Ein Echo auf die Schlacht in Aufzeichnungen gibt es jedoch nicht. Doch die Archäologen ziehen trotzdem Querverbindungen. So wird der Bogen zum „Horn von Wismar“ geschlagen. Es ist mit Darstellungen verziert – so von zwei Menschen mit Schild und Lanze.

Iris Leithold

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