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MV aktuell Torgelower Gießerei erhält 37-Millionen-Auftrag
Nachrichten MV aktuell Torgelower Gießerei erhält 37-Millionen-Auftrag
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16:14 04.12.2018
Metallverarbeitung in Torgelow. Die Eisengießerei gehört zu den Säulen in der Branche. Quelle: Klonowski
Torgelow

Eine der führenden deutschen Gießereien für Windrad-Bauteile - die Eisengießerei Torgelow GmbH in Vorpommern - hat den größten Auftrag ihrer Firmengeschichte bekommen. Wie Geschäftsführer Peter Krumhoff am Dienstag in Torgelow sagte, wird seine Firma Rotornaben, Maschinenträger und andere Gussteile im Wert von 37 Millionen Euro produzieren - mehr als die Hälfte eines Jahresumsatzes. Auftraggeber sei ein europäischer Konzern, der Windräder in den Vereinigten Staaten errichten will, hieß es. „Das hilft uns ungemein, das Unternehmen 2019 und 2020 planbar auszulasten“, erklärte Krumhoff.

Die Gießerei hat derzeit 310 Mitarbeiter und wird 2018 einen Jahresumsatz von 60 Millionen Euro erreichen, drei Millionen Euro weniger als 2017. Der Großauftrag hängt nach Angaben des Vorpommern-Staatssekretärs Patrick Dahlemann (SPD) auch mit aktuellen Handelsbeschränkungen zwischen den Vereinigten Staaten und China zusammen.

So gebe es eine Auflage, dass auch Rohstoffe für Bauteile nicht aus China kommen sollten. Wie der Neubrandenburger „Nordkurier“ berichtet, gibt es in Europa derzeit nur wenige Unternehmen, die einen Auftrag in dieser Größenordnung erfüllen können. „In dieser Form und in diesem Umfang kann das außer uns derzeit niemand machen“, sagte Krumhoff der Zeitung. Das habe auch bei dieser Auftragsvergabe eine Rolle gespielt.

Die Torgelower Gießerei hat eine lange Tradition, war aber nach der Wende in Probleme geraten und 2003 mit Windkraftteilen neu gestartet. Die damaligen Eigentümer ließen die Gießerei kräftig modernisieren. Durch die Spezialisierung auf schwere Windkraftteile gab es enormes Wachstum. Die Gießerei hatte zeitweise bis zu 900 Mitarbeiter und mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz.

Das war durch den Rückgang beim Windkraftanlagenbau aber in den vergangenen Jahren stark gesunken. Zuletzt hatte die Firma auch die stark subventionierte Konkurrenz aus China bei einem Besuch des damaligen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel (SPD) 2014 beklagt. „Die Gießereien dort haben ein Zehntel der Stromkosten, 50 Prozent der Rohstoffkosten, und die Bauteile werden auch noch günstig von Staatsreedereien befördert“, sagte Krumhoff damals.

Die schweren Gussteile für den neuen Auftrag werden in Deutschland und Dänemark zu kompletten Maschinenteilen vormontiert, die dann nach Nordamerika verschifft werden sollen. Krumhoff hofft in dem Zusammenhang auch auf eine schnelle Fertigstellung der bei Tribsees unterbrochenen Autobahn 20 von Pasewalk nach Lübeck. Wegen der schweren Bauteile müsse das Unternehmen derzeit lange Umwege über Berlin fahren. Bei Tribsees war die Autobahn vor mehr als einem Jahr in einem Sumpfgebiet auf einem Teilstück abgesackt. Derzeit wird eine Behelfsbrücke fertiggestellt, um staugeplagten Dörfer auf der Umleitungsroute zu entlasten.

Wagner/dpa