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MV aktuell Mordfall Leonie: Lieber einmal genauer hinschauen
Nachrichten MV aktuell Mordfall Leonie: Lieber einmal genauer hinschauen
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08:03 02.02.2019
Gedenkkreuz an der Wolgaster Chausseestraße für die in Torgelow verstorbene sechsjährige Leonie. Quelle: Tilo Wallrodt
Wolgast

Nach dem tragischen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow zieht der Landkreis Vorpommern-Greifswald jetzt offenbar erste Konsequenzen. Wie NDR 1 Radio MV berichtet, soll etwa das Kita-Personal verstärkt geschult werden, um künftig Kindswohlgefährdungen und Misshandlungen frühzeitig zu erkennen. Das zitiert der Sender aus einem Bericht des Landkreises an das Sozialministerium in Schwerin.

Belehrung über Kindswohlgefährdung

Als weitere Maßnahme sei in einem Gespräch zwischen Jugendamt, freien Trägern und Beratungsdiensten bei Landrat Michael Sack (CDU) verabredet worden, auch die sozialen Dienste der freien Träger zum Verhalten bei Kindswohlgefährdung noch einmal zu belehren. Die Ämter wollen den Informationsfluss bei Verdachtsfällen sicherstellen – durch eine grundsätzliche Meldung an die Leitstelle des Kreises. Bei außergewöhnlichen Fällen soll es zudem eine sofortige Lagebesprechung mit dem Landrat geben.

Jugendamt sah keine Auffälligkeiten

Das sechsjährige Mädchen war vor fast zwei Wochen in Torgelow ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Stiefvater David H. wegen Verdachts des Mordes durch Unterlassen. Er soll das Mädchen so schwer misshandelt haben, dass es später starb. Der Mann bestreitet die Tat, sitzt derzeit in der JVA Bützow in Untersuchungshaft.

Das Jugendamt hatte bereits in einer ersten Stellungnahme gegenüber der OZ mitgeteilt, dass in der Familie keine Auffälligkeiten festgestellt worden waren. Das Amt hatte die Familie vor einem Jahr überprüft, weil es aus dem Umfeld des leiblichen Vaters Hinweise auf Misshandlungen gegeben haben. Diese hätten sich aber nicht bestätigt, hieß es dazu vom Landkreis. Bei einem Termin mit Großmutter, Mutter und Leonie im Wolgaster Jugendamt hätten sich Sozialarbeiter das Kind angesehen. „Augenscheinlich waren keine Verletzungen zu erkennen. Das Kind selbst spielte unauffällig und ruhig mit dem bereit gestellten Spielzeug.“

Der erste Polizei-Einsatz, die Anteilnahme an dem Tod des Mädchen, die Flucht des Tatverdächtigen und die tagelange Suche nach ihm: Hier finden Sie Bilder zum tragischen Tod von Leonie aus Torgelow.

Behörden listen Verdachtsmomente auf

Auch nach dem Umzug von Wolgast nach Torgelow im vergangenen Juli sei die Familie nicht auffällig geworden. „In diesem Zeitabschnitt bis zum tragischen Kindstod sind dem Jugendamt keine Informationen bekannt geworden, die auf eine mögliche Kindswohlgefährdung hinweisen“, so der Bericht. Im Zuge der Nachforschungen nach dem Tod des Mädchens listen die Behörden aber mögliche Verdachtsmomente auf.

Der Bericht führt auf, dass Leonie und ihr jüngerer Bruder trotz Anmeldung seit Mitte Oktober nicht mehr in der Kita waren. Zudem hatte das Landesgesundheitsamt (LaGuS) das Gesundheitsamt in Anklam Anfang November informiert, dass der jüngere Bruder trotz Erinnerungsschreiben noch nicht an der Vorsorgeuntersuchung U 7 teilgenommen hatte.

„Inobhutnahme nicht nötig“

Laut NDR schildert der Bericht außerdem das Handeln von Polizei, Notarzt, Kriminaldauerdienst, Seelsorge, Kriseninterventionsdienst, Bereitschaftsdienst AWO und Rechtsmedizin in der Wohnung der Familie, nachdem der Stiefvater per Notruf Hilfe wegen des angeblichen Treppensturzes von Leonie angefordert hatte. Eine Reanimation sei erfolglos geblieben. „Nach Einschätzung der Fachkräfte vor Ort war eine Inobhutnahme der beiden anderen Kinder zu diesem Zeitpunkt nicht notwendig. Von allen Beteiligten wurde eingeschätzt, dass die Kinder gut versorgt und die Häuslichkeit im sauberen und ordentlichen Zustand war“.

Kind hatte Verletzungen

Erst zwei Tage später ergab sich ein anderes Bild: Sozialarbeiter ordneten an, dass der Bruder Noah Joel (2) beim leiblichen und sorgeberechtigten Vater untergebracht wird, da das Kind Verletzungen hatte. Nach einer ärztlichen Untersuchung wurde der Junge dann fast eine Woche stationär im Krankenhaus behandelt (die OZ berichtete). Das Mädchen wird am Sonnabend in Wolgast beerdigt.

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