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MV aktuell Toter bei Raser-Unfall: Bewährungsstrafe für Fahrer gefordert
Nachrichten MV aktuell Toter bei Raser-Unfall: Bewährungsstrafe für Fahrer gefordert
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20:27 18.10.2018
In der Demminer Straße in Neubrandenburg fahren Autos an einem Holzkreuz vorbei, das an den getöteten Fußgänger erinnert. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Neubrandenburg

Im Prozess um einen tödlichen Raserunfall in Neubrandenburg hat die Staatsanwaltschaft eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung für den Angeklagten gefordert. Der 21-jährige habe sich als Autofahrer der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, sagte Staatsanwalt Toralf Günther am Donnerstag am Landgericht Neubrandenburg. Der Krankenhauspfleger aus Neubrandenburg hatte vor gut einem Jahr mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit einen 33 Jahre alten Fußgänger überfahren. Eine Freiheitsstrafe sei „aus generalpräventiver Sicht“ geboten, sie könne hier aber für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden, erklärte Günther. Außerdem soll der Angeklagte 1000 Euro Geldstrafe zahlen.

Verteidiger Hubert Schilling forderte dagegen Freispruch für seinen Mandanten, weil der Fußgänger verbotenerweise die Fahrbahn betreten haben soll. Der Getötete hatte Kopfhörer getragen und Musik gehört. Unklar blieb, ob der Fußgänger das Auto des Angeklagten überhaupt wahrgenommen hatte. Das Opfer starb bereits beim massiven Aufprall mit dem Kopf auf der Windschutzscheibe, die danach ein Loch hatte. Das Urteil wird am 24. Oktober erwartet.

Der Angeklagte hatte am 29. August 2017 abends mit seinem 270 PS starken Auto in Neubrandenburg ein Wettrennen fahren wollen, wie er sagte. Treffpunkt war eine Tankstelle, an der sich die Tuningsszene regelmäßig versammelt. Der Fahrer des anderen Autos – ein Fahrzeug mit 272 PS – habe aber nicht reagiert, als der Angeklagte an der ersten Ampel stadteinwärts „sehr zügig losgefahren ist“. Etwa eineinhalb Kilometer weiter überfuhr der Angeklagte den 33 Jahre alten Fußgänger. „Ich habe plötzlich eine weiße Tüte gesehen, da knallte es schon“, erklärte er am Donnerstag, als er sich erstmals vor Gericht äußerte. Der Fußgänger war dunkel gekleidet, trug eine weiße Tüte.

Ein Gutachter errechnete, dass das Unfallauto beim Aufprall mit 83 bis 107 Stundenkilometern gefahren sein muss. Das Auto habe erst in Höhe des Aufpralls zu bremsen begonnen. Bei der vorgeschriebenen Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern wäre der Unfall vermeidbar gewesen, hieß es. Der Fahrer hatte noch Wiederbelebungsmaßnahmen beim Opfer versucht, was aber vergeblich war. Mit seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte vor Gericht erstmals bei den Eltern des Getöteten, die als Nebenkläger auftreten.

Von Winfried Wagner, dpa