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MV aktuell Tourismus-Hochburgen in MV sollen mehr Geld erhalten
Nachrichten MV aktuell Tourismus-Hochburgen in MV sollen mehr Geld erhalten
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07:29 08.11.2018
Urlauber-Hochburgen wie Binz könnten künftig von einer Investitionspauschale des Landes für touristische Infrastruktur profitieren. Quelle: dpa
Rostock

Tourismus in MV am Scheideweg: Was tun gegen sinkende Übernachtungszahlen, unzufriedene Gäste, unzureichende Infrastruktur? Das Konzept der Landesregierung, das einen neuen Weg hin zu mehr Qualität der Angebote aufzeigen soll, ist fast fertig. Ende des Monats soll es auf dem Landestourismustag der Branche vorgestellt werden, in der mehr als 130000 Menschen landesweit beschäftigt sind. Doch schon jetzt sorgt es erneut für Diskussionen. Ein Grund: Tourismushochburgen wie Binz, Zingst oder Kühlungsborn könnten künftig mehr Steuer-Geld vom Land erhalten. Kritiker warnen vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Kommunen.

Tourismus sei in der Praxis Aufgabe von Städten und Kommunen, heißt es im aktuellen Konzept-Entwurf, der offiziell von der Beraterfirma DWIF Consultung aus Berlin stammt, aber seit Monaten von Staatskanzlei und Ministerien immer wieder korrigiert wird. Das Finanzausgleichsgesetz (FAG), über das Kommunen Geld vom Land erhalten, sollte geändert werden. Denkbar: eine Investitionspauschale für touristische Infrastruktur. Wer viele Touristen hat, bekommt mehr Geld, der Rest guckt in die Röhre? „Verwundert“ ist Andreas Wellmann, Städte- und Gemeindetag MV. Denn Tourismushochburgen seien meist bereits mit hohen Steuereinnahmen gesegnet. Es spreche sich gegen „eine solche Bevorzugung aus“.

Tobias Woitendorf, Tourismusverband MV: „Wir kommen beim Tourismus in eine neue Phase der Entwicklung. Es muss einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Qualität geben.“ Quelle: CORNELIUS KETTLER

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), der das Tourismuskonzept federführend verantwortet, setzt auch weitere Finanzierungssäulen. Zusätzliche Tourismusorte und -regionen sollen Kur- und Fremdenverkehrsabgaben erheben können – von Gästen und profitierenden Unternehmen. Bisher anerkannte Kur- und Erholungsorte ein „Premium“-Prädikat erhalten. Glawes Sprecher erklärt: Es werde sogar geprüft, ob in diesen Orten „Tourismus als eine pflichtige Aufgabe normierbar ist“. Lars Schwarz, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in MV, warnt dagegen vor „zusätzlichen Belastungen“ für Unternehmer.

Die Branche drängt, das Konzept müsse nun endlich fertig werden. „Wir kommen in eine neue Phase der Entwicklung“, sagt Tobias Woitendorf, Tourismusverband MV. „Es muss einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Qualität geben.“ Nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Umsetzung.

Strittig ist weiterhin auch, wie Personal von Hotellerie und Gastronomie bessergestellt, damit motiviert werden soll. Zuletzt war jede dritte Azubi- und jede siebte Mitarbeiter-Stelle der Branche unbesetzt, künftig sollen Bewerber aus anderen Regionen und Branchen angeworben werden. Bisher war es andersherum. Als Hinweis erhält die Branche selbst, sie müsse Arbeitszeiten verbessern und höhere Löhne zahlen. Das bringt Dehoga-Chef Schwarz auf die Palme: „Wenn alle Arbeitgeber weiter in einen Topf geschmissen werden, brauchen wir über positives Image gar nicht erst zu reden.“ Der Dehoga als größter Arbeitgeberverband in MV setze sich aktiv für „faire Tariflöhne“ ein. Lobenswert seien dagegen angedachte Erleichterungen für die Beschäftigung von Saisonkräften in der Branche.

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