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MV aktuell Tourismus setzt auf weltoffenes MV
Nachrichten MV aktuell Tourismus setzt auf weltoffenes MV
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00:01 19.08.2016
Verbandschef Bernd Fischer Quelle: Frank Söllner

Die Tourismusbranche in MV sieht einen möglichen Rechtsruck bei den Landtagswahlen mit Sorgen: „Nationalistische Tendenzen könnten dazu führen, dass MV in Reiseführern schnell als No-Go-Area eingestuft wird“, warnte Bernd Fischer, Geschäftsführer des Landestourismusverbands. „Tourismus lebt von Weltoffenheit, und wir wären alle gut beraten, zu lernen, Menschen mit anderen Meinungen, kulturellen Hintergründen und Lebensentwürfen zu akzeptieren.“

Ein Großteil der Urlauber reagiere sehr sensibel auf politische Umbrüche: „Das zeigt sich etwa beim Rückgang im Türkei-Tourismus, bei dem sicher auch eine Ablehnung der aktuellen politischen Entwicklungen eine Rolle spielt“, meinte Fischer. So habe bereits zur Landtagswahl 2006, als mit dem Einzug der rechtsextremen NDP gerechnet wurde, eine Studie ergeben, dass der Tourismusbranche dadurch zweistellige Millionenverluste entstehen könnten. Die zugespitzte Debatte um Zuwanderung zeige sich auch an Zuschriften an den Verband, sagte Fischer: „Wir erhalten Mails, in denen Leute schreiben: ,Schön, dass es bei Euch so wenige Flüchtlinge gibt. Bleibt so national, dann kommen wir weiter zu Euch.’ Das sind schon erschreckende Aussagen.“ Andererseits gebe es Beschwerden von Gästen mit Migrationshintergrund: „Eine Familie mit dunkler Hautfarbe wurde im Urlaub angepöbelt und kündigte an, nicht mehr nach Mecklenburg-Vorpommern kommen zu wollen.“

Man dürfe aber den Wahlausgang nicht überbewerten: „Die AfD wird nur eine Partei im Landtag sein“, betonte Fischer. Sie zu wählen, sei für viele Leute Ausdruck des Protests und nicht Bekenntnis zum Nationalismus. „Ich bin überzeugt, dass die Menschen in MV für ausländische Gäste auch weiterhin so gute Gastgeber sein werden wie für einheimische.“

Hotelier Rolf Seelige-Steinhoff gibt den etablierten Parteien eine Mitverantwortung für das Erstarken der AfD: „Ihre Programme unterscheiden sich nicht erheblich, da ist die Gefahr groß, dass neue Parteien größere Unterstützung bekommen.“ Dem Chef der Seetel-Hotelgruppe auf Usedom fehlt vor allem ein Masterplan, wie MV in 25 Jahren aussehen soll. Die Landesregierung habe zwar viel erreicht, etwa einen ausgeglichenen Haushalt. „Aber die großen Projekte Gerichts-, Gebiets- und Polizeireform wirken wie mit der heißen Nadel gestrickt.“

Seelige-Steinhoff geht davon aus, dass die AfD zweitstärkste Kraft auf Usedom wird. „Diese Zustimmung könnte dazu führen, dass wir keine vernünftigen Koalitionen mehr hinkriegen.“ Stattdessen müssten die Parteien ständig um Kompromisse schachern. Die AfD sieht auch der Hotelier zwiespältig: „Ich spreche nicht jedem AfD-Politiker Kompetenzen ab. Aber die Partei könnte gefährlich für die Stabilität in MV werden, weil hinter den Kulissen Kräfte am Werk sind, die nicht berechenbar sind.“

OZ

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