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MV aktuell Fünf gute Gründe im Gastgewerbe zu arbeiten – und fünf dagegen
Nachrichten MV aktuell Fünf gute Gründe im Gastgewerbe zu arbeiten – und fünf dagegen
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04:04 06.12.2018
FFinn Ksienzyk (20), Hotelfachmann-Azubi, Julia Krauß (19)Köchin-Azubi und Nicole Seeger (23), Fitnesskauffrau auf der Terrasse des Neptunhotels in Rostock-Warnemünde Quelle: Danny Gohlke
Rostock

 Warum lohnt es sich, in einem der 5900 Betriebe aus dem Gastgewerbe von MV zu arbeiten? Und aus welchen Gründen sollte es sich jeder gut überlegen? Die OSTSEE-ZEITUNG hat mit Auszubildenden, einer Personalleiterin, dem Dehoga-Präsidenten und der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) gesprochen.

5 gute Gründe für einen Job im Gastgewerbe

Menschen glücklich machen

Hierin sind sich wohl alle einig: Wer im Gastgewerbe arbeitet, tritt zugleich mit vielen verschiedenen Menschen aus aller Welt in Kontakt. „Man lernt ganz unterschiedliche Mentalitäten kennen. Das ist für viele sehr interessant“, sagt Jörg Dahms, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) Mecklenburg-Vorpommern.

Juliane Putscher arbeitet seit knapp drei Jahren als Restaurantfachfrau im Hübner Hotel in Rostock-Warnemünde und berichtet aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, den Kunden glücklich zu machen. „Der Gast soll sich immer wieder gern daran erinnern, was für einen tollen Aufenthalt er hatte. Damit schenkt man ihm eine schöne Erinnerung und das kann man nicht bezahlen“, schwärmt sie. Auch Lars Schwarz, Präsident der Dehoga in MV, hebt die direkte Wertschätzung hervor, die das Personal im Umgang mit den Kunden für seine Arbeit erhält.

Zukunftsfeste Branche

Für Schwarz ist das Gastgewerbe eine Zukunftsbranche. Durch den digitalen Wandel werde es viele Berufe sehr wahrscheinlich schon bald nicht mehr geben: Taxifahrer, Steuerberater, Buchhalter. „Menschen werden jedoch immer einen freundlichen Gastgeber und einen guten Service durch eine Fachkraft zu schätzen wissen“, glaubt er. Die Technik werde die Jobs im Gastgewerbe erleichtern, sie aber nicht ablösen, meint Schwarz. Er ist sich sicher: „Im Tourismusland MV können wir jedem Mitarbeiter eine lebenslange Jobgarantie geben.“

Chancen für alle

Das Gastgewerbe biete viele Möglichkeiten – gerade auch für Menschen mit einer schwierigen Vorbildung oder für die vielen Studienabbrecher, meint Dehoga-Präsident Schwarz. „Fast die Hälfte unserer Auszubildenden in MV haben beim Start keinen Schulabschluss. In unserer Branche bekommen sie eine Chance.“ Auch bei der Integration von Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt spiele das Gastgewerbe eine führende Rolle.

Niveauvolle Ausbildung

Laut NGG-Geschäftsführer Dahms seien in MV gute Ausbildungsmöglichkeiten im Gastgewerbe vorhanden. Allerdings müsse man durch die Abwanderung in MV in den vergangenen Jahren junge Leute aus anderen Bundesländern anwerben. Es sei äußerst wichtig, dass auch weiterhin Fachkräfte ausgebildet werden, damit das hohe Service-Niveau aufrecht erhalten werden kann. Dehoga-Chef Schwarz meint, weil nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzt sind, gebe es heute eine sehr gute Betreuungsquote. Oft kommen auf einen Ausbilder nur ein oder zwei Auszubildende. „Das direkte Verhältnis steigert die Qualität enorm.“

Dahms erklärt, dass Quereinsteiger zwar gerne genommen würden, da derzeit jede Hilfe benötigt werde. Allerdings könnten sie oftmals auch zu einer Belastung der Fachkräfte werden, da es kaum Kapazitäten für eine vernünftige Einarbeitung gäbe. Juliane Putschke vom Hotel Neptun erzählt: „Als Quereinsteiger macht man einfach nur mit. Die wichtigen Hintergründe lernt man jedoch nur in der Ausbildung.“

Internationale Karriere-Möglichkeiten

International ist im Gastgewerbe oft nicht nur Team der Mitarbeiter, sondern auch die Job-Perspektive. „In MV ausgebildete Fachkräfte finden Sie in Führungspositionen auf der ganzen Welt“, berichtet Dehoga-Chef Schwarz. Viele Unternehmen seien international ausgerichtet, das einmal Gelernte lasse sich leicht auf Hotels oder Restaurants in anderen Ländern übertragen.

Zudem biete die Branche die Möglichkeit, schnell aufzusteigen und Verantwortung zu übernehmen. So seien viele der Sterneköche zwischen 30 und 40 Jahre alt. „Bei uns braucht man nicht erst acht Jahre zu studieren“, wirbt Schwarz. Auch Finn Ksienzyk, Hotelfachmann-Azubi im Rostocker Hotel Neptun, hebt hervor, dass er frühzeitig damit betraut wurde, Verantwortung zu übernehmen.

5 Gründe dagegen

Oft schlechte Bezahlung

Überstunden, Stress – Bedingungen, unter denen Mitarbeiter im Gastgewerbe täglich arbeiten. Erhalten sie hierfür wenigstens eine faire Bezahlung? Dahms betont:„In MV herrscht vielerorts ein tarifloser Zustand.“ Er fordert Arbeitnehmer dazu auf, sich gemeinsam mit den Gewerkschaften für das Aushandeln von neuen Tarifverträgen einzusetzen. Laut Dahms müsse ein Umdenken stattfinden. Dazu gehöre auch, die Anzahl der Urlaubstage von fünf auf sechs Wochen zu erhöhen oder Weihnachtsgeld zu zahlen.

Dehoga-Chef Lars Schwarz schränkt jedoch ein: Die 1300 Unternehmen, die in seinem Verband organisiert sind, würden fast ausschließlich nach Tarif oder darüber hinaus zahlen. Das betreffe zwar nur eine Minderheit der insgesamt rund 5900 Betriebe der Branche in MV, aber immerhin fast die Hälfte aller Mitarbeiter . „Zumindest in den Tourismuszentren wird den Mitarbeitern der rote Teppich ausgerollt“, sagt Schwarz.

Branche verliert an Konkurrenzfähigkeit

Fehlendes Personal im Gastgewerbe ist in MV ein großes Problem. Ausgleichen müssen dies die anwesenden Mitarbeiter durch lange Arbeitsphasen und häufige Überstunden. „Die Arbeit kann hier nun mal nicht einfach liegen bleiben, so wie in vielen Büros“, erklärt Anke Rüssel, die seit 22 Jahren Personalleiterin im Hotel Hübner in Warnemünde ist. Mit Regelungen wie der Auszahlung von Weihnachtsgeld und einer angemessenen Anzahl an Urlaubstagen locken andere Branchen viele Arbeitskräfte an. NGG-Geschäftsführer Dahms warnt deshalb: „Wenn sich im Gastgewerbe nichts ändert, werden sie ihre Leute schnell verlieren.“ Dehoga-Chef Schwarz hält entgegen: „Wir haben zwar viele offene Stellen, aber wir können auch die meisten Ausbildungsplätze besetzen.“ Berufe wie Koch oder Hotelfachfrau gehörten regelmäßig zu den beliebtesten Ausbildungsberufen. Laut IHK Rostock gebe es 14 Prozent mehr Azubis bei den gastgewerblichen Berufen.

Arbeiten, wenn andere Urlaub haben

Schichtarbeit heißt für viele Arbeitnehmer sehr früh anfangen und sehr spät aufhören, häufig auch am Wochenende. Dabei kann es oft schwierig werden, Familie, Freunde, Hobby und die Arbeit unter einen Hut zu bringen. Juliane Putscher vom Hübner Hotel in Rostock weiß, wie stressig es vor allem in der Saison sein kann. „Man braucht den Rückhalt von der Familie und Freunden, sonst wird es schwierig“, erklärt die Restaurantfachfrau. Ihre Liebsten hätten jedoch das nötige Verständnis für ihren Beruf. So feiert die 30-Jährige mit ihrer Familie jedes Jahr Weihnachten in der ersten Januarwoche, da sie über die Festtage meist arbeitet. Sie rät: „Man muss einfach flexibel bleiben. Am wichtigsten ist es, dass man die Zeit mit den Freunden und der Familie dann genießt, wenn man es kann.“

„Wir müssen arbeiten, wenn andere frei haben – das lässt sich nicht ändern“, meint Dehoga-Chef Schwarz. Allerdings würden viele Betriebe inzwischen auch Teilzeit-Verträge anbieten, damit sich Mitarbeiter um Familie oder Hobbys kümmern könnten.

Körperlicher und psychischer Druck

Egal ob Kellner, Koch oder Zimmermädchen, eine Tätigkeit im Gastgewerbe kann auch mal richtig anstrengend werden. Doch nicht nur körperliche Belastungen spielen eine Rolle. „Viele Arbeitnehmer wissen bei ihrem Schichtbeginn nicht, wann sie Feierabend haben“, sagt Dahms. Hätte man dann kleine Kinder zuhause oder Termine, könne unter so einem Dauerzustand auch die Psyche leiden. „Deshalb ist es so wichtig, dass vernünftige Arbeitspläne mit genügend Personal erstellt werden.“ Hotelfachmann-Abzubi Finn Ksienzyk weiß, dass es manchmal schwer fällt, Kritik von Gästen nicht persönlich zu nehmen. „Es ist wichtig, ruhig und besonnen zu bleiben“, sagt der 20-Jährige.

Saisonarbeit

Auch wenn MV ein Tourismusland ist: Besonders im Binnenland abseits der boomenden Küstenorte schaffen es viele Betriebe nicht, so viel Umsatz zu erwirtschaften, dass die Belegschaft das ganze Jahr über gehalten werden kann. Die Folge: Die Arbeitslosenzahlen steigen in den Tourismusregionen regelmäßig zum Ende einer Urlaubsperiode deutlich an. Dehoga-Präsident Schwarz meint, dass immer mehr Betriebe versuchen würden, Umsatzspitzen durch befristete Kräfte aus dem Ausland abzufangen, damit die Stammbelegschaft über zwölf Monate gehalten werden kann. „Auch durch flexible Arbeitzeitkonten können Entlassungen vermieden werden.“ Während der Urlaubszeit werden Überstunden angesammelt, die dann bei einer Flaute abgebaut werden können. Außerdem würden kreative, saisonverlängernde Maßnahmen helfen.

Rabea Osol und Robert Berlin

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