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Traditionsschiffen droht das Aus

Greifswald/Hamburg Traditionsschiffen droht das Aus

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Museumshäfen schlägt Alarm. Den teilweise mehr als 100 Jahre alten Traditionsschiffen entlang der Ost- und Nordseeküste droht das Aus.

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Die Idylle im Museumshafen von Greifswald trügt. Vielen Traditionsschiffen droht das Aus.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Greifswald. Grund ist die zu strenge Auslegung von Zulassungsrichtlinien durch die Seeberufsgenossenschaft, sagte Volker Pesch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, in Greifswald. Den Schiffen wird zunehmend die Zulassung als Traditionsschiff mit der Begründung versagt, nicht mehr dem historischen Originalzustand zu entsprechen. Stattdessen sollen sie — verbunden mit höheren Anforderungen — als Berufsschiffe geführt werden. „Das kann keiner der Eigner leisten.“

Ab heute sind im Bundesverkehrsministerium Gespräche geplant, um eine Lösung zu finden. „Lenkt die Berufsgenossenschaft nicht ein, bedeutet es für viele Schiffe den Tod“, so Pesch. Ein über Jahrhunderte die norddeutschen Küsten prägendes Kulturgut würde aus den Häfen verschwinden. Auch der immaterielle Schaden wäre groß, weil traditionelle Segeltechniken und altes Handwerk nicht mehr praktiziert und weitergegeben würden. Soziale Projekte wie die Arbeit mit auffälligen Jugendlichen, die sich auf den Schiffen als Team bewähren müssten, stünden vor dem Aus.

Die alten Ewer, Tjalken, Fischkutter oder Frachtsegler gehören überwiegend Privatleuten oder werden von gemeinnützigen Vereinen betrieben. In jahrelanger Arbeit wurden die Schiffe restauriert und wieder seetüchtig gemacht. Mit einem Schiffssicherheitszeugnis der Seeberufsgenossenschaft dürfen sie Gäste an Bord nehmen und Deckungsbeiträge erheben. Im Unterschied zur Berufsschifffahrt werden diese Einnahmen ausschließlich zum Erhalt der Schiffe verwendet.

Von 216 Anträgen auf Erneuerung der Zulassung als Traditionsschiff sind laut Arbeitsgemeinschaft seit dem Jahr 2000 rund 40 von der Berufsgenossenschaft abgelehnt worden. 60 Eigner hätten im Zulassungsverfahren aufgegeben, weil ihnen signalisiert worden sei, dass das Verfahren keine Aussicht auf Erfolg habe, sagte Pesch. „Viele der betroffenen Schiffe sind inzwischen verschrottet.“ Weiteren 25 Schiffen drohe aktuell das Aus, weil die Berufsgenossenschaft die Zeugnisse verweigere. Damit ist die Flotte in deutschen Museumshäfen mehr als halbiert.

OZ

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