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Trauriger Rekord: 33 tote Robben an MV-Küste

Greifswald/Stralsund Trauriger Rekord: 33 tote Robben an MV-Küste

Noch nie gab es in einem Jahr so viele Funde / Tiere werden untersucht / Experte: Menschlicher Einfluss möglich

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Tote Kegelrobben am Ostsee-Strand: Im zurückliegenden Monat kein seltenes Bild.

Quelle: Foto: Jens Heischkel

Greifswald/Stralsund. An der Küste Mecklenburg-Vorpommerns werden in diesem Jahr außergewöhnlich viele tote Kegelrobben gefunden. Noch nie hat es in einem Jahr so viele Todfunde gegeben. Das teilte das Deutsche Meeresmuseum gestern mit. Im September war eine besonders große Zahl toter Robben entdeckt worden. Die Gründe sind bisher ungeklärt.

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Noch nie gab es in einem Jahr so viele Funde / Tiere werden untersucht / Experte: Menschlicher Einfluss möglich

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Bereits 33 tote Kegelrobben verzeichnet das Deutsche Meeresmuseum Stralsund für 2017. Zwischen dem 19. September und 19. Oktober waren es allein 13 gemeldete Tiere – von 1991 bis 2016 gab es im Vergleichszeitraum nur eine Totfundmeldung alle zwei Jahre.

Zudem seien im vergangenen Monat nur wenige Robben in MV gesehen worden. Das sei besorgniserregend, sagt Michael Dähne, Kurator für Meeressäuger am Meeresmuseum in Stralsund. Die meisten toten Tiere gab es im Greifswalder Bodden.

Eigentlich erobern sich die Robben ihren Lebensraum in der Ostsee langsam wieder zurück. Die Population wächst, nachdem die Zahl der Tiere wegen intensiver Verfolgung stark zurückgegangen war. Auch Umweltgifte sorgten damals für ein Robbensterben in der Ostsee. In den 1980ern lebten nur noch etwa 2000 der Meeressäuger in der Ostsee, heute sind es wieder etwa 35000 Tiere.

Ein weiteres gutes Zeichen: Im Januar 2016 wurde ein Spitzenwert von 95 Robben gezählt, die zeitgleich auf dem Eis vor Rügen lagen. Zudem ist in zwei Jahren in Folge jeweils ein junges Tier entdeckt worden, das noch Reste des Babyfells, auch Lanugo genannt, trug. Dieses plüschig-weiße Fell tragen Robben nur in den ersten drei Wochen nach der Geburt. Der Geburtsplatz könne also nicht so weit weg gelegen haben, so Dähne. Auch der Greifswalder Bodden hat es den Kegelrobben angetan. Der Bestand ist jedoch immer noch deutlich kleiner als vor 100 Jahren. Da waren es noch 100000 Tiere.

Dass wieder mehr tote Robben gefunden werden, ist für Dähne generell kein Grund zur Sorge. Das liege an der insgesamt wachsenden Population in der Ostsee. Der plötzliche Anstieg im vergangenen Monat sei aber ein Warnsignal. „Die toten Robben werden aktuell intensiven pathologischen Untersuchungen unterzogen“, heißt es vom Deutschen Meeresmuseum. Diese würden auf Viruserkrankungen, bakteriologische Infektionen, Vergiftungen, zum Beispiel durch Umweltschädigungen, und Parasiten-Befall untersucht. „Außerdem werden derzeit die Mägen auf Plastikpartikel hin überprüft.“ Genetische Ursachen könnten ebenfalls eine Ursache für das Sterben sein.

Auch menschliche Einflüsse untersuchen die Forscher. „Manchmal werden die Tiere von Schiffsmotoren verletzt“, sagt Dähne. Andere würden in Fischernetzen ertrinken. Dass es, wie es aus anderen Ostseeländern bekannt sei, auch illegale Bejagung der unter Naturschutz stehenden Tiere gebe, sei hoffentlich nicht der Fall. Bisher kann der Experte das aber noch nicht ausschließen. Einiges deute derzeit auf einen Virus hin.

„Wir haben auch in den Nachbar-Ländern angefragt“, so Dähne. In Schweden und Dänemark gebe es keine auffällig vielen Todesfälle, in Polen schon. Das Deutsche Meeresmuseum rechnet in den kommenden Wochen mit Ergebnissen, die das Sterben erklären.

Die Population in der Ostsee wächst – die Zahl der Todfunde auch

35000 Kegelrobben leben nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund in der Ostsee. In den 80er-Jahren war der Bestand dramatisch auf 2000 geschrumpft. Einer der Gründe: die Umweltverschmutzung.

23 tote Robben wurden 2014 gezählt. Dieser Spitzenwert wurde bereits jetzt überboten. 33 Todfunde gab es in MV im laufenden Jahr.

Die Säuger sind die größten in Deutschland frei lebenden Raubtiere. Das ist einer der Gründe, warum sie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gejagt wurden. Sie waren für die Menschen ein Konkurrent bei der Jagd nach Fisch.

In MV sind die meisten Kegelrobben im Greifswalder Bodden zu finden. Dort werden immer wieder große Gruppen von manchmal 60 Robben gesichtet. Vor Rügen wurden im Januar 2016 gar 95 Tiere gezählt.

Philip Schülermann

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