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MV aktuell Trendwende in MV: Komasaufen wird uncool
Nachrichten MV aktuell Trendwende in MV: Komasaufen wird uncool
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00:10 19.05.2017
Die Modeerscheinung Komasaufen ist zurückgegangen.Dr. Martin Herberhold Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Helios-Klinik Stralsund Quelle: Foto: Heiko Engel

Null Bock auf Komasaufen: Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern greifen heute deutlich seltener zur Flasche als noch vor ein paar Jahren. Das sagen Experten für Kinder- und Jugendpsychiatrie aus dem Nordosten. Sie bestätigen damit Ergebnisse einer gestern vorgestellten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Danach trinkt in Deutschland im Schnitt nur noch einer von zehn Zwölf- bis 17-Jährigen einmal pro Woche Alkohol. Im Jahr 2004 galt das noch für einen von fünf Jugendlichen.

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Viele Jugendliche bleiben lieber nüchtern / Mädchen trinken mehr

Vor allem rituelles Komasaufen ist inzwischen verpönt. „Kotzbilder auf dem Handy sind nicht mehr“, sagt Dr. Olaf Reis von der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Rostock. Alkohol und vor allem exzessives Trinken seien „nicht mehr cool“. Minderjährige kommen laut Reis außerdem nicht mehr so leicht an Schnaps und Bier wie noch vor wenigen Jahren. „Die Behörden sind endlich aufgewacht“, sagt der Mediziner. Es gebe inzwischen mehr Jugendschutz-Kontrollen in Geschäften und Clubs.

„Die Modeerscheinung Komasaufen ist zurückgegangen“, meint auch Dr. Martin Herberhold, Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Stralsunder Helios-Klinik. „Die Zeiten, in denen wir regelmäßig fast gestorbene 13-Jährige in der Notaufnahme hatten, sind vorbei“, macht Herberhold deutlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden ging die Zahl der Kinder (zehn bis 15 Jahre), die in Mecklenburg-Vorpommern mit Vollrausch ins Krankenhaus kamen, um elf Prozent zurück.

Ein Vollrausch sei bei vielen nicht mehr angesagt, meint Olaf Reis. Schüler legten heute mehr Wert auf Leistung und Attraktivität. Kontrollverlust durch Trinken lasse sich damit nicht vereinbaren.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sieht trotz der positiven Entwicklung aber keinen Anlass zur Entwarnung: „Wie beim Rauchen brauchen wir einen gesellschaftlichen Wandel“, fordert Chefin Haidrun Theiss. Das Rauchen geht in Deutschland seit Jahren in allen Altersgruppen zurück. Der Rostocker Mediziner Reis spricht sich für höhere Steuern auf Alkohol aus: „Das wird durch Lobbyismus in der Politik verhindert.“ Gemessen an der Taschengeld-Kaufkraft sei Alkohol heute billiger als noch vor zehn Jahren.

Einige Entwicklungen bereiten den Experten allerdings noch immer Sorge: Saufen, bis der Krankenwagen kommt, ist keine Jungen-Domäne mehr. 2015 kamen im Nordosten 71 Kinder (zehn bis 15 Jahre) mit Alkoholvergiftung in die Klinik. Mit einem Verhältnis von 41 zu 31 waren Mädchen sogar in der Überzahl.

Auch die Zahl von alkohol- und drogenabhängigen Jugendlichen bleibt nach wie vor hoch. Hierzulande ist die Stralsunder Helios-Klinik zentrale Stelle für stationäre Therapien. „Unsere 20 Plätze sind immer belegt“, verdeutlicht Martin Herberhold. Es gibt sogar Wartelisten.

Gerald Kleine Wördemann

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