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Treppe passé: Kein Abstieg mehr am Königsstuhl

Sassnitz Treppe passé: Kein Abstieg mehr am Königsstuhl

Zu gefährlich: Umweltministerium zieht Konsequenzen nach Vorfällen an der Rügener Küste und lässt Treppe abbauen

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Abbrüche am Steilufer der Kreideküste gefährden die Strandwanderer. Die Nationalparkverwaltung warnt davor.

Quelle: Fotos: Stefan Sauer/dpa

Sassnitz. Jetzt ist das Aus für die Treppe am Königsstuhl amtlich: Ein Hangteil an der Treppe neben dem beliebtesten Ausflugsziel der Insel ist „geologisch instabil und stark abbruchgefährdet“, heißt es aus dem Schweriner Umweltministerium. Deshalb werde eine Reparatur des im Mai 2016 bei einem Hangrutsch schwer beschädigten Abstiegs ausgeschlossen. Auch ein Neubau komme offenbar nicht mehr in Frage. Ein Gutachten besage, dass die ersten 270 Meter der insgesamt 515 Meter langen Treppe in einem „geringfügig, aber stetig rutschenden“ Hangbereich verlaufen.

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Dadurch werde die Treppe statisch beansprucht.

Der Abbau der Treppe neben dem Königsstuhl ist für das Ministerium wie auch für den Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht (parteilos) eine Frage der Sicherheit: Die Sassnitzer Feuerwehr musste in den vergangenen fünf Jahren im betroffenen Strandabschnitt bei 15 Einsätzen neun Personen vom Strand retten, die sich in akuter Notlage befanden. Unter anderem waren zwei Jugendliche in das Massiv geklettert und mussten durch die Höhenrettung befreit werden.

Der Strand ist an dieser Stelle zudem nur wenige Meter breit, so dass bei Sturm die Wellen unmittelbar auf den Hangfuß schlagen. Dies habe in den vergangenen Jahren immer wieder zu Hangausbrüchen geführt.

Matthias Ogilvie (CDU), Bürgermeister von Lohme und Mitglied des Kommunalen Nationalparkbeirats, der gestern tagte, will ein geologisches Problem nicht ausschließen, glaubt aber, dass die Stadt Sassnitz mit ihrer Sorge um die Sicherheit den Ausschlag für den Rückbau der Treppe gegeben hat. „Der Aufwand und die Gefahren bei der Höhenrettung sind immer sehr hoch“, sagt Ogilvie. Ihm komme die Entscheidung aber zu plötzlich. „Ich hätte mir eine öffentliche Diskussion gewünscht. Dafür habe ich auf unserer Tagung eine Lanze gebrochen. Bin aber gescheitert.“

Dass die Treppe wegkommt, bedauert auch Knut Schäfer, Vorsitzender des Tourismusverbandes Rügen: „Es ist schade für die Touristen und Urlauber“. Die Sicherheit gehe nach all den negativen Erfahrungen in den letzten Jahren mit verunglückten Menschen an der Kreideküste aber vor. Um künftig dauerhaft sicher auf den Königsstuhl zu gelangen, wird behördlich unter anderem über eine berührungsfreie Plattform nachgedacht. Verankert im massiven Gestein könnte die Plattform über dem Königsstuhl-Plateau schweben. Dazu werde eine Machbarkeitsstudie erstellt, man befinde sich aber noch in einer frühen Planungsphase, sagt Bürgermeister Frank Kracht. Jedes Jahr besuchen rund 500000 bis 800 000 Gäste den Königsstuhl, der einen spektakulären Ausblick auf die Ostsee eröffnet.

Mit dem nun geplanten Rückbau der Treppe ist nach mehr als 200 Jahren ein bislang zur Wanderung obligatorisch dazugehöriger Abstieg an den Strand endgültig passé.

Der Pastor war’s

118 Meter hoch ist der Abstieg, der unmittelbar südlich vom 118 Meter hohen Königsstuhl an den Strand führt. Es soll der Sagarder Pastor Heinrich Christoph von Willich gewesen sein, auf dessen Initiative bereits Ende des 18. Jahrhunderts Naturstufen in den Hang vom Königsstuhl geschlagen wurden, um den Abstieg an den Strand zu erleichtern. Im Jahr 1794 hatte er zusammen mit seinem Halbbruder Moritz von Willich die „Brunnen-, Bade- und Vergnügungsanstalt“ als ersten Kurbetrieb auf der Insel Rügen gegründet.

Jens-Uwe Berndt, Martina Rathke und Gerit Herold

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