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Trotz Milchkrise: Rinderallianz zieht positive Bilanz

Woldegk Trotz Milchkrise: Rinderallianz zieht positive Bilanz

Die Schallmauer ist durchbrochen: Mehr als 100000 Kühe und Kälber sind verkauft. Züchter aus MV beraten heute in Güstrow.

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Superbulle „Snake red“ in Woldegk

Quelle: Foto:ch. Massfeller

Woldegk. Um 10 Cent je Liter stürzt der Milchpreis ab – innerhalb von acht Wochen. „Das ist wirklich drastisch“, sagt Dr. Sabine Krüger vom Rinderzuchtverband Mecklenburg-Vorpommern. Im Februar zahlen erste Molkereien den Bauern schon wieder weniger als 30 Cent pro Liter Milch. Nach der Krise 2015/16 hätten die Bauern eine längere Erholungsphase mit guten Milchpreisen gebraucht, um die gravierenden Verluste zu kompensieren. „Das Preishoch im vorigen Herbst dauerte nur ein paar Monate, das war einfach zu kurz.“

OZ-Bild

Die Schallmauer ist durchbrochen: Mehr als 100000 Kühe und Kälber sind verkauft. Züchter aus MV beraten heute in Güstrow.

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Insofern dürfte die Stimmung der Rinderzüchter bei ihrer Generalversammlung heute in Güstrow (Landkreis Rostock) eher getrübt sein. Im Verbandsgebiet der Rinderallianz, in der Landwirte aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Nord-Brandenburg zusammenarbeiten, gaben zwischen 2015 und 2017 über 270 Betriebe mit 34500 Kühen die Milchproduktion auf.

Die meisten Höfe waren in MV betroffen: 159 Agrarbetriebe schafften hier die Kühe ab, fast 17500 Tiere. „Wenn der Kuhstall zumacht, stirbt im Dorf ein Stück Leben“, sagt Sabine Krüger. Wo es nur noch Ackerbau gebe, sei im Winter kaum etwas los. „Wo jeden Tag Kühe gemolken werden, haben Menschen auch im Winter Arbeit und die Melker ein regelmäßiges Einkommen.“ Laut Verband werden in MV derzeit noch 160000 Milchkühe gehalten.

Die sinkenden Tierzahlen haben auch für die Rinderallianz GmbH – als Tochterfirma der Zuchtverbände – wirtschaftliche Folgen. Das Unternehmen mit Geschäftsstellen in Woldegk (Seenplatte), Karow (Ludwigslust-Parchim) und Bismark (Sachsen-Anhalt) beschäftigt fast 200 Mitarbeiter, darunter 70 Besamungstechniker. 2500 Agrarbetriebe gehören zum Kundenstamm.

Wichtiges Geschäftsfeld ist der Handel mit Zuchtbullen-Sperma, vor allem für die Besamung von Milchkühen. „Wo es keine Kühe mehr gibt, können wir aber kein Sperma verkaufen“, erläutert Geschäftsführerin Krüger. Der Sperma-Absatz sank um fast 15 Prozent auf knapp 880900 Portionen.

Noch höher war der Rückgang im Sperma-Export (268900 Portionen), der um 28 Prozent einbrach. Denn die Milchkrise traf nicht nur Bauern in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern Europas.

Außerdem hätten Abnehmer in Russland, der Türkei und Nordafrika wegen der politischen Situation die Exporte zurückgefahren.

Trotzdem zieht die Rinderallianz mit einem Jahresüberschuss von 204000 Euro eine positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2016/17. „Unter den widrigen Bedingungen ist das ein gutes Ergebnis“, so Geschäftsführerin Krüger. Der Ausbau des Viehhandels konnte den Rückgang im Spermaverkauf kompensieren. Erstmals wurde die Schallmauer 100000 durchbrochen: Fast 107500 Tiere wurden vermarktet, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ein Großteil davon sind Bullenkälber, die von Mästern in Deutschland und den Niederlanden aufgezogen werden.

Die Rinderallianz entwickelte sich zudem zu einem der bedeutendsten Viehexporteure Deutschlands. Das Unternehmen lieferte 30 Prozent der bundesweit gehandelten Zuchtrinder. Mehr als 8300 weibliche Tiere wurden ins Ausland verkauft, darunter fast 6300 trächtige Jungkühe. Wichtigster Abnehmer ist Russland, trotz der Handelsrestriktionen. „Kühe sind davon ausgenommen, Russland braucht dringend Milchkühe“, weiß Sabine Krüger.

Auch Polen, Großbritannien, Usbekistan und die Türkei sind an Importen aus MV interessiert. Krüger: „Deutsche Holstein-Rinder sind ein international gefragtes Qualitätsprodukt. Die Rasse ist der Mercedes unter den Kühen.“

Das positive Geschäftsergebnis der Rinderallianz nutzt den Bauern auch finanziell: Mitglieder des Rinderzuchtverbandes erhalten eine Dividende auf ihre Genossenschaftsanteile. Sabine Krüger: „Wir schlagen der Generalversammlung eine Dividende von zwölf Prozent vor.“ Fast 720 000 Euro Rückführung ging an Kunden. Der Verband hat über 700 Mitgliedsbetriebe in MV, in der Uckermark und Prignitz (Brandenburg).

„Snake Red“ auf Platz 1 der bundesweiten Zuchtwertschätzung

5 Jahre ist „Snake Red“ alt und der ganze Stolz der Rinderallianz mit seiner Zuchtstation auf dem „Bullenberg“ in Woldegk (Mecklenburgische Seenplatte).Der rotbunte Holsteinbulle ist die aktuelle Nummer eins der bundesweiten Zuchtwertschätzung.

Mehr als 63000 Portionen

seines Spermas wurden bereits

verkauft.

Obwohl rotbunte Milchkühe in MV selten sind, erwarb die Rinderallianz das 2013 auf einem Hof in Schleswig-Holstein geborene Tier. Bei Kunden in Süddeutschland ist Sperma von rotbunten Bullen beliebt.

Bei schwarzbunten Holsteinbullen stellt die Rinderallianz mit dem vierjährigen „Mocon“ ebenfalls die Nummer eins. Von ihm wurden bisher 11000 Portionen Sperma verkauft.

Elke Ehlers

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