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MV aktuell Trotz Zeugen – Täter nach Fahrerflucht schwer zu überführen
Nachrichten MV aktuell Trotz Zeugen – Täter nach Fahrerflucht schwer zu überführen
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05:58 12.06.2017
Beule und Lackschaden – Verursacher verschwunden. Die Polizei registriert mehr Fälle von Fahrerflucht. Quelle: OZ
Rostock/Grimmen

Den Tag hat Burkhard Lawerentz in keiner guten Erinnerung. Es war der 10. Februar, als er auf dem Rewe-Parkplatz in Grimmen sein Auto abstellte, einen erst knapp ein Jahr alten VW-Golf. Bei der Rückkehr zum Wagen wurde er von zwei jungen Leuten angesprochen. Die beiden hatten beobachtet, wie ein Autofahrer gegen das Heck von Lawerentz’ Wagen gefahren und dann abgehauen sei – ohne sich um den Unfall zu kümmern.

Ein klarer Fall von Fahrerflucht. Sollte man meinen. Ein Fall wie rund 10 000 andere jedes Jahr in Mecklenburg-Vorpommern. Und hier hatten sich die Zeugen sogar das Kennzeichen des Unfallverursachers notiert. Glück gehabt. Mit den Angaben müsste der Flüchtige schnell zu überführen sein. Doch so einfach ist es offenbar nicht – womit der Fall des 72-jährigen Burkhard Lawerentz exemplarisch für viele Tausend andere steht.

Die Zahl dieser „Bagatellunfälle“ ist in den vergangenen fünf Jahren in MV um mehr als 1000 Fälle gestiegen – von 8985 auf 10041. „Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt“, betont der Sprecher des Schweriner Innenministeriums, Michael Teich. Vielen Unfallverursachern der oftmals kleinen Blechschäden und Schrammen sei oft gar nicht klar, dass sie eine Straftat begehen, wenn sie sich einfach von der Unfallstelle entfernen.

Unmittelbar nach dem Unfall fuhr Burkhard Lawerentz zur Polizei in Grimmen, zeigte den Schaden an, nannte Zeugen und Kennzeichen des anderen Fahrers. Die Polizei fotografierte die Spuren am Wagen.

Über den Zentralruf der Unfallversicherer ermittelte Lawerentz auch die Versicherungsnummer des Unfallverursachers. Anschließend ließ er den Wagen in einer Werkstatt begutachten. Dort wurden die Schäden auf 800 bis 1000 Euro geschätzt und die entsprechenden Unterlagen an die Versicherung des Unfallflüchtigen geschickt.

So weit, so gut. Oder doch nicht? Nun begann das lange Warten, während die Mühlen der Behörden langsam mahlen.

Bald nach dem Unfall erhielten Lawerentz und die Zeugen Post von der Polizei. Alle sollten ihre Aussagen schriftlich darlegen. Was sie auch taten, teilt eine Sprecherin der zuständigen Polizeiinspektion Stralsund mit. Dann ging noch einige Zeit ins Land, bis Ende März „am Fahrzeug entsprechend der Vorgaben polizeiliche Maßnahmen durchgeführt“ worden seien, sagt die Sprecherin. Also gut sechs Wochen nach dem Unfall. Zudem sei der Fahrzeughalter zur Kriminalpolizei vorgeladen worden. Seine Antwort: Er könne den Unfall nicht bestätigen, habe gar nichts davon mitbekommen.

Womit der Fall sozusagen auf die nächste Stufe gehoben wurde. Und eine weitere Behörde in Bewegung setzte. Die Staatsanwaltschaft. Die Aufklärungsquote bei „Verkehrsunfallflucht mit sonstigen Schäden“ liegt in MV bei lediglich einem Drittel. Konkret: Im vergangenen Jahr konnte die Polizei von 10041 Bagatellunfällen mit Fahrerflucht nur 35,3 Prozent aufklären. Zwei Drittel der „Parkplatzrempler“, die ein anderes Fahrzeug beschädigen und danach verschwinden, werden dafür also nicht belangt. Folge: Der Geschädigte bleibt auf seinem Schaden sitzen.

Droht das auch Burkhard Lawerentz? Obwohl er Zeugen und Kennzeichen hat? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Anhand der Schäden, etwa Lackspuren, lasse sich der Verursacher oft gut feststellen, erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stralsund, Martin Cloppenburg. Die Schadensregulierung werde dann durch die Versicherungen geklärt.

Auch der Beweis, dass der mutmaßlich Unfallflüchtige überhaupt eine Straftat begangen habe, sei nicht einfach zu erbringen. „Denn wir müssen dem Beschuldigten nachweisen können, dass er den Unfall überhaupt bemerkt hat“, erklärt Oberstaatsanwalt Cloppenburg. Und weil es dazu noch weiteren Klärungsbedarf gebe, sei die Ermittlungsakte des Falls aus Grimmen erstmal wieder an die Polizei zurückgeschickt worden.

Vier Monate sind seit dem ärgerlichen Vorfall vergangen. Die Beule am Stoßdämpfer sei zwar rausgedrückt, aber der eigentliche Schaden am Golf noch immer nicht behoben worden, sagt Burkhard Lawerentz.

Denn noch immer fehlt das Okay der Versicherung des Unfallverursachers. Und die beruft sich auf die polizeiliche Ermittlungsakte, die bislang nur teilweise vorliege. Aber einen Rat habe der der Versicherungsmitarbeiter ihm noch gegeben, sagt Burkhard Lawerentz: „Geduld muss man haben.“ Viel Geduld und gute Nerven.

Axel Meyer

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