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Tür an Tür mit dem Terror

Schwerin Tür an Tür mit dem Terror

In einem Schweriner Plattenbau soll ein Syrer einen Anschlag geplant haben

Schwerin. . „Schöner Wohnen“ prangt in riesigen Lettern an der Seitenfront des Hochhauses am Eingang zum Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf. Ein Versprechen, das die fünfgeschossigen Plattenbauten dahinter kaum einlösen können. Aber ums schöne Wohnen ging es dem unter Terrorverdacht festgenommenen Syrer Yamen A. vermutlich auch nicht. Der 19-Jährige soll einen Terroranschlag vorbereitet und die Bauteile für den Sprengsatz schon beschafft haben. Doch bevor er seinen Plan umsetzen konnte, nahmen ihn Spezialkräfte der Polizei in seiner Wohnung fest.

Graue Häuserfronten vermitteln Anonymität, aus der auch die wenigen Passanten, die an diesem ebenso grauen Feiertagsmorgen dort unterwegs sind, nicht heraustreten wollen. So wie die Rentnerin, in deren Aufgang wenige Stunden zuvor Yamen A. festgenommen worden war und vor dem auch am Mittag noch ein Großaufgebot der Polizei den Eingang sichert. Schon im Sommer soll er mit der Beschaffung von Bauteilen und Chemikalien für einen Sprengsatz begonnen haben. Gestern schlugen die Ermittler nach mehrmonatiger Observation mit mehr als 150 Einsatzkräften zu.

Ihren Namen, nein, den wolle sie nicht nennen, sagt die Frau, erzählt dann aber doch freimütig, wie sie am frühen Morgen aus dem Schlaf gerissen wurde, als die Polizei ins Haus stürmte. Lärm zu nächtlicher Stunde sei sie ja schon gewohnt, seit der junge Syrer in die Wohnung über ihr einzog. „Da haben sich oft junge Leute getroffen und bis in den Morgen laut geredet. Ich bin zu ihm und habe gesagt: Du musst Dich an die Regeln halten, wenn du hier leben willst. Er hat es versprochen. Aber es hat nicht funktioniert“, berichtet die Frau, die vor rund 20 Jahren mit ihrer Tochter aus der Ukraine nach Schwerin kam. Die Tochter habe studiert und lebe inzwischen in Süddeutschland.

Einen Weg, den auch viele Schweriner wegen besserer Verdienstmöglichkeiten gingen. In den preiswerten Plattenbau-Wohnungen der südlichen Schweriner Vorstädte leben vorwiegend Rentner, Umsiedler aus früheren Sowjetrepubliken und seit zwei Jahren zunehmend auch Asylbewerber. Eine Entwicklung, die auch der Betreiber der Stadtteil-Kneipe „Pankow“ beschreibt. „Es gibt Tage, da wird hier kaum Deutsch gesprochen“, sagt er. Doch während die Umsiedler, die Ende der 90er Jahre kamen, auch den Kontakt gesucht hätten, sei das bei den Flüchtlingen heute kaum der Fall.

Ein mutmaßlicher Terrorist in der Nachbarschaft, das beunruhige ihn, sagt ein Passant. „So was erwartet man in Köln oder in Berlin. Aber nicht bei uns in der Provinz“, sagt der Mittvierziger. In Schwerin habe es zwar Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen und deutschen Jugendlichen gegeben. Ein Sprengstoffanschlag aber, an so etwas habe er nicht denken wollen.

Frank Pfaff

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Schwerin/Karlsruhe
Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (Symbolbild). Die Sondereinsatzkräfte haben am Dienstag in Schwerin einen Islamisten festgenommen.

Die Bundesanwaltschaft ist sich sicher: Der 19-jährige Syrer Yamen A. wollte einen Terroranschlag mit möglichst vielen Toten verüben. Doch Spezialkräfte der Polizei nahmen den mutmaßlichen Islamisten in Schwerin fest. Laut Bundesinnenminister konnte so ein „schwerer Terroranschlag in Deutschland“ verhindert werden.

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