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U-Boot-Fund: Stralsunder war Kommandant

Stralsund U-Boot-Fund: Stralsunder war Kommandant

1917 gesunken und jetzt wiederentdeckt: Die Spur eines Schiffswracks führt von der Nordsee an den Sund

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Stenzler wurde auf dem Alten Frankenfriedhof in Stralsund bestattet.

Stralsund. Für Schlagzeilen sorgte in der vergangenen Woche ein spektakulärer Wrackfund in der Nordsee: Der Däne Gert Normann Andersen (67), Direktor des Sea War Museums in Thyboron, hat ein paar Kilometer westlich von Esbjerg ein lange verschollenes deutsches U-Boot entdeckt, das im Ersten Weltkrieg 1917 gesunken war. Vergeblich hatten Taucher jahrzehntelang versucht, das Schiff zu orten. 99 Jahre nach dem Verschwinden wurde es nun zufällig bei Fernsehaufnahmen für eine dänische Wissenschaftssendung gefunden. Und es sollen sich sogar noch 18 scharfe Minen und sechs Torpedos an Bord befinden.

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1917 gesunken und jetzt wiederentdeckt: Die Spur eines Schiffswracks führt von der Nordsee an den Sund

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Der U-Boot-Krieg

375 U-Boote produzierte Deutschland während des Ersten Weltkrieges. 187 davon kehrten nicht mehr in die Häfen zurück. 5000 Männer starben auf See. Deutsche U-Boote versenkten neben vielen Kriegsschiffen 5554 alliierte und neutrale Handelsschiffe. Der U-Boot-Krieg führte indirekt zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten und damit letztendlich zur Niederlage der Mittelmächte.

Wie sich jetzt herausstellte, führt eine Spur von der dänischen Küste bis in die Hansestadt Stralsund. Denn der Kommandant des Schiffes SM UC-30 war Heinrich Stenzler, ein Stralsunder. Das bestätigte Dr. Andreas Neumerkel, Mitarbeiter des Stralsunder Stadtarchivs, gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG.

„Ja, Johann Heinrich Wilhelm Maximilian Stenzler ist in der Hansestadt aufgewachsen. Die Familie lebte im Johannisklosterhof, im Pastoratshaus Nr. 15“, sagte Neumerkel. Er hat das städtische Gymnasium im Katharinenkloster besucht und zu Ostern 1905 sein Abitur gemacht. Dann war er zur Marineschule nach Kiel gegangen und 1908 zum Leutnant zur See ernannt worden. Im Mai 1913 heuerte er als Offizier auf dem Schiff „Seydlitz“ an. Zur U-Boot-Waffe wurde er im Oktober 1915 kommandiert, und im August 1916 übernahm er das Kommando auf dem UC-30.

An seine Mutter schrieb Heinrich Stenzler am 28. März 1917 in Helgoland, kurz bevor er mit seiner Mannschaft auslief, um südlich von Irland Seeminen zu legen: „Meine Ostergrüße sende ich dir schon jetzt. Für die nächsten vier Wochen warte nicht auf Nachricht von mir. Du hast keinen Grund zur Unruhe.“

Wenig später der verhängnisvolle Schicksalsschlag. Am 19. April 1917 empfing die kaiserliche Marine das letzte Signal von Stenzler. Da befand sich das U-Boot 75 Meilen von der norwegischen Südküste entfernt und hatte Maschinenprobleme. Seit dem 21. April galt es als verschollen. Am 20. Juni wurde Stenzlers Leiche zusammen mit zwei weiteren Männern an der Westküste vor Dänemark angespült. Am 11. Mai erhielt die Familie die Nachricht, dass das Schiff gesunken war und alle 27 Mann Besatzung ums Leben kamen.

Zunächst konnte Stenzler nicht identifiziert werden. Aber man fand einen Briefkopf mit dem Namen Johanna Wellmann. Das war seine Tante in Berlin. Und im Hemd des Toten war der Name Stenzler eingedruckt. Zunächst wurde er in Dänemark beerdigt. Doch im November 1917 erfolgten die Überführung des Toten nach Stralsund und die Bestattung auf dem Alten Frankenfriedhof.

Stenzler wurde nachträglich das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Der Chef der U-Boot-Flotte, Hermann Bauer nannte den Stralsunder in einem Brief an die Mutter ein „Vorbild für spätere Generationen.“ Das geht aus einem Manuskript hervor, das sein Bruder Jürgen Detlof Stenzler 1937 über die „Familie Israel-Stenzler in Stralsund“ im Jahr 1937 zusammengestellt hatte. Denn Heinrich Stenzler war kein Geringerer als der Sohn des Stralsunder Bürgermeisters Max Israel, auch wenn er nicht seinen Namen trug.

Das hatte einen besondern Grund: Bevor Max Israel sein Bürgermeisteramt 1898 in der Hansestadt antrat, das er bis zu seinem Tod 1906 ausübte, hatte man ihm als Jurist in Kassel den Staatsdienst aufgrund seines jüdisch klingenden Namens verwehrt. Daraufhin ging Max Israel in seine Heimatstadt zurück. 1904 entschied er, dass alle seine fünf Kinder den Namen seiner Großmutter annehmen und Stenzler heißen sollten, damit ihnen in der beruflichen Karriere nicht Ähnliches widerfahren sollte.

Marlies Walther

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