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MV aktuell UKW-Blackout? Gnadenfrist für Radiosender im Land
Nachrichten MV aktuell UKW-Blackout? Gnadenfrist für Radiosender im Land
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00:31 15.06.2018

Das Zittern bei Radiosendern wie NDR, Ostseewelle und Antenne MV geht weiter. Im Streit um höhere Kosten für die Nutzung von Sendeantennen droht immer noch die totale Funkstille im Land, die Frist wurde jetzt allerdings von Ende Juni auf Ende Juli verlängert. Die neuen Besitzer der Antennenanlagen wollen 30 Prozent mehr Geld – für manchen Sender wäre dies existenzbedrohend. Sie hoffen auf Politik und Bundesnetzagentur, die sich eingeschaltet haben.

Ostseewellen- Geschäftsführer Tino Sperke Quelle: Foto: Ove Arscholl

Private und öffentliche Sender betroffen

32 private Radiosender haben sich an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewandt, weil sie wegen des Streits Funkstille fürchten. Eine Million Hörer erreichen Radiosender in MV täglich. Spitze: NDR 1 rund 449000, Ostseewelle – 372000 und Antenne MV – 291000.

Auslöser des Streits war der bundesweite Verkauf aller Sendeanlagen Ende 2017. Der Bund hatte damit die Monopolstellung des früheren Netzbetreibers Media Broadcast, einst Tochter der Deutschen Telekom, beendet. Viele hundert Antennenanlagen gingen an neue Besitzer, teils Finanzinvestoren, die jetzt mehr Geld wollen. Dazwischen stehen die Sendenetzbetreiber, die an den Besitzer die Miete zahlen, Kosten an die Sender weiterreichen (die OZ berichtete). Bundesweit droht rund zehn Millionen Radiohörern der UKW-Blackout.

„30 Prozent mehr für die gleiche Leistung – das wäre wirtschaftlich richtig schlimm“, sagt Antenne-MV-Chef Robert Weber. Schon jetzt zahle sein Sender eine halbe Million Euro für die Nutzung von Antennen. Folge einer Kostenerhöhung wäre: Der Sender müsste sich aus Veranstaltungen wie Hanse Sail oder MV-Tag in Rostock zurückziehen. Weber kritisiert: Die neuen Antennenbesitzer hätten regional neue Monopole geschaffen. „Und wo Monopole sind, da versagt der Markt.“

Hinter den Kulissen geht es zur Sache. Besonders aggressiv am Markt sei die Milaco GmbH, die einen Großteil der Anlagen in MV übernommen hat. Mitte Mai habe Besitzer Axel Sartingen per E-Mail gedroht, die Antennen kurzerhand abzubauen, ist zu hören. Anlass war die Ankündigung der Bundesnetzagentur, im UKW-Streit regulierend einzugreifen. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, erklärt: „Die Akteure auf dem UKW-Markt haben es selbst in der Hand, durch einvernehmliche Regelungen ein Eingreifen des Regulierers zu vermeiden.“ Ulrich Nussbaum, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, erklärt: „Radio ist kein beliebiges Wirtschaftsgut.“

Milaco-Chef Sartingen weist die Vorwürfe in Medienberichten zurück: Unter regulierten Preisen könne er nicht wirtschaftlich tätig sein. Dies treibt die Radiomacher zur Weißglut. Vorwurf: Der Antennenbesitzer habe Erpressung zum Geschäftsmodell gemacht.

Seit Jahresbeginn läuft der Streit um die Antennenkosten. Ostseewelle-Geschäftsführer Tino Sperke hat jetzt etwas Hoffnung. Denn seit Mitte der Woche hat das Bundeswirtschaftsministerium einen Schlichter eingeschaltet: den früheren Chef des Bundeskanzleramtes, Friedrich Bohl. Die Antennenbesitzer hätten sich „mit ihren Drohgebärden ins eigene Knie geschossen“, so Sperke. Die Politik habe erkannt, dass sie sich einschalten müsse. Der Verband Privater Medien beurteilt das erste Ergebnis zufriedenstellend: Im Streit um die Kosten könnte es am Ende auf eine Aufteilung der Forderungen hinauslaufen, schon am 3. Juli „eine finale Einigung stehen“, teilt Verbandschef Jürgen Hofmann den Mitgliedern per E-Mail mit. Er kündigt allerdings „eine heiße Woche für den UKW- Markt“ an. Die Bundesnetzagentur habe für den 22. Juni eine Anhörung in Aussicht gestellt.

Der NDR setze auf einen „für alle Seiten annehmbaren Kompromiss“, so Sprecher Martin Gartzke. Gelinge dies nicht, gehe der Sender von einer „erneuten Regulierung“ des Bundes aus. Bert Lingnau, Direktor der Medienanstalt MV, gibt sich optimistisch: Er halte für möglich, „dass Einigungen erzielt werden“.

Frank Pubantz

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