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MV aktuell US-Expertin: Nord Stream 2 ist schlecht für Deutschland und Europa
Nachrichten MV aktuell US-Expertin: Nord Stream 2 ist schlecht für Deutschland und Europa
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15:22 24.10.2018
Agnia Grigas sprach mit OZ-Redakteur Axel Büssem. Quelle: OVE ARSCHOLL
Rostock

Die geplante Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland könnte am Widerstand der USA scheitern. Agnia Grigas ist Energieexpertin bei der US-Denkfabrik und -Lobbyorganisation Atlantic Council. In mehreren Artikeln und Büchern äußert sich die gebürtige Litauerin kritisch gegenüber der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2. Im OZ-Interview legt sie dar, warum die Trasse aus ihrer Sicht schlecht für Deutschland und Europa ist.

Deutschland hofft durch Nord Stream 2 auf eine langfristige Sicherung seiner Gasversorgung. Ist das nicht sinnvoll?

Nord Stream 2 ist nicht nur schlecht für Europa, sondern auch schlecht für Deutschland. Die EU-Strategie für eine sichere Energieversorgung sieht eigentlich vor, sowohl bei Lieferanten als auch bei den Lieferwegen auf möglichst viele Anbieter zu setzen. Nord Stream 2 bedeutet genau das Gegenteil: Man erhöht den Importanteil von einem Lieferanten – Russland – und bezieht mehr Gas über die gleiche Route. Andere Länder wie China setzen auf eine deutlich stärkere Diversifizierung.

Aber Deutschland konnte sich doch bislang immer auf die russischen Lieferungen verlassen?

Russland ist bekannt dafür, dass es die Länder, die von ihm abhängen, mit ihrem Gas unter Druck setzt, etwa die Ukraine. Und Deutschland würde mit Nord Stream 2 auch abhängiger von Russland werden. Zudem exportiert Russland mit seinem Gas auch Korruption. Deutschland würde enger in das russische Netzwerk verwickelt werden. Und man darf nicht vergessen: Von den 55 Milliarden Kubikmetern Gas, die jährlich durch Nord Stream geleitet werden, bleibt weniger als ein Fünftel in Deutschland. Der Rest wird in andere europäische Länder geliefert.

Mehr zum Thema: OZ-Kommentar zu Nord Stream 2

Vor allem osteuropäische Länder kritisieren Nord Stream 2. Zu recht?

Die Einnahmen der Ukraine aus der Durchleitung des russischen Gases sind etwa so hoch wie ihr gesamter Militäretat. Würde das Gas nicht mehr durch die Ukraine fließen, könnte Russland noch aggressiver in dem Land vorgehen. Bis jetzt verhindert die Pipeline eine räumliche Ausweitung des Konflikts. Auch die militärischen Aktivitäten der russischen Marine auf der Ostsee könnten weiter zunehmen, unter dem Vorwand, die Pipeline zu schützen. Es ist paradox: Einerseits beteiligt sich Deutschland an den Sanktionen gegen Russland wegen der Annexion der Krim und des Konflikts in der Ostukraine, andererseits füllt es dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Taschen.

Man könnte unterstellen, dass die USA vor allem gegen Nord Stream 2 sind, weil sie ihr eigenes Gas an Europa verkaufen wollen...

Das muss man trennen. Die US-Regierung kritisiert schon seit den sechziger Jahren die Abhängigkeit Westeuropas von Russland – nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus politischen Gründen. Aber inzwischen können die USA auch eine Alternative anbieten: In den letzten fünf Jahren hat Amerika jedes Jahr neue Förderrekorde aufgestellt und ist zum führenden Anbieter aufgestiegen. Aber der Gasmarkt ist immer noch ein Käufermarkt: Man kann sich aussuchen, bei welchem Lieferanten man kauft. Und den Großteil ihres Gases verkaufen US-Firmen nach China und Indien.

Aber das amerikanische Flüssiggas LNG ist doch teurer als das russische...

Die Produktion von Erdgas in den USA ist die günstigste weltweit. Es wird erst durch die Verflüssigung und den Transport teurer. Aber der Markt geht in Richtung LNG. Damit ändert sich auch die Art des Handels: Er wird transparenter, denn die Anbieter sind private Firmen, keine Staatsunternehmen wie in Russland oder im Mittleren Osten. Länder wie Polen oder Litauen kaufen bereits LNG aus den USA. Pipelines sind eine alte Technologie.

Axel Büssem

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