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US-Meeresforscher warnt: Die Ozeane leiden

US-Meeresforscher warnt: Die Ozeane leiden

Rostock Der Schutz der Meere ist ab heute Thema einer Konferenz in Washington.

Rostock Der Schutz der Meere ist ab heute Thema einer Konferenz in Washington. Der führende US-Meeresforscher Rick Spinrad war zuvor zu Gast im Institut für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW), wo er mit der OZ sprach.

In welchem Zustand sind die Meere und speziell die Ostsee?

Rick Spinrad: Die Ozeane leiden. Ihr Zustand hängt stark vom Einfluss der Menschen ab. Je mehr Menschen an ihren Küsten wohnen, desto größer ist die Belastung. Daher ist die Ostsee besonders betroffen.

Ein Problem ist die Überfischung. Gerade deutsche Fischer müssen niedrige Fangquoten hinnehmen und halten sie für zu streng.

Spinrad: Die Fischbestände können nur geschätzt werden. Bei den Fangquoten geht man von der Untergrenze der Schätzungen aus. Fischer sagen oft, das sei zu wenig. Wir müssen Methoden entwickeln, die Schätzungen zu verbessern. Aber die Zahl der Fische ist nicht allein entscheidend, es kommt auf die Reproduktionsfähigkeit der Bestände an, also wie viele Tiere für Nachwuchs sorgen können.

Aber können Fangquoten weltweit wirksam durchgesetzt werden?

Spinrad: Auf der Konferenz „Our Ocean“ in Washington geht es unter anderem um das sogenannte „IUU-Fischen“: irregulär, unkontrolliert und unregistriert. In den letzten Jahren hat sich weltweit der Gedanke durchgesetzt, dass die Ressourcen der Meere endlich sind. Ich gehe davon aus, dass wir in Washington eine Einigung zur besseren Nachverfolgbarkeit von Fisch erreichen werden, etwa über DNA-Nachweis oder Überprüfung der Signale der Fischtrawler.

Kann so eine Einigung wirklich etwas bewirken?

Spinrad: Ich bin optimistisch. Bis 1972 das Abkommen Marpol gegen Müllverklappung in den Meeren verabschiedet wurde, war es üblich, jede Art von Abfall ins Meer zu kippen. Damals waren sich auch alle einig, dass es so nicht weitergehen kann und inzwischen hat sich viel verbessert.

Aber eines der größten Probleme ist doch der Plastikmüll?

Spinrad: Ja, man schätzt, dass jährlich fünf bis zwölf Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere gelangen. Deutschland war eines der ersten Länder, das dieses Problem erkannt hat und ist heute auch führend bei der Forschung auf diesem Gebiet. Wir brauchen mehr Informationen, denn es gibt dazu bisher nur eine große Studie.

Durch Forschung wird der Müll aber nicht reduziert...

Spinrad: In vielen Landkreisen in den USA sind etwa Plastiktüten bereits verboten. In den Industrieländern wird es einfacher sein, die Menschen zu überzeugen, Plastik zu reduzieren, zu recyceln oder wiederzuverwenden als in den Entwicklungsländern. Ein wichtiges Thema ist das sogenannte Mikroplastik, etwa in Zahnpasta oder in Farben, das in Kläranlagen nicht herausgefiltert werden kann.

Hier müssen wir mit den Herstellern reden.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Meere aus?

Spinrad: Das Kohlendioxid, das wir in die Atmosphäre blasen, gelangt in die Meere und wird dort zu Kohlensäure. Die Ozeane sind heute um etwa 30 Prozent saurer als vor hundert Jahren. Darunter leiden Korallen und Muscheln und am Ende auch die Fische, die von ihnen leben. Wenn man das CO

2 der letzten zehn Jahre verladen könnte, würde das einen Güterzug ergeben, der 13 Mal um die Erde reicht. Dazu kommt der Wärmeeintrag: In den letzten 50 Jahren haben sich die Weltmeere um ein Grad erwärmt. Das hört sich nicht nach viel an. Aber wenn man die gleiche Wärmemenge in die Atmosphäre pumpen würde, stiegen die Lufttemperaturen um 36 Grad.

Manche zweifeln an, dass der Mensch daran schuld ist.

Spinrad: Es ist sicher, dass der Mensch an diesen Prozessen erheblich beteiligt ist. Es ist keine Frage, dass wir heute mehr CO2 produzieren als früher. Und wenn sich CO2 mit Wasser verbindet, entsteht Kohlensäure – das ist einfachste Chemie. Interview: Axel Büssem

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