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MV aktuell Über Smartphone mit dem Arzt in Kontakt
Nachrichten MV aktuell Über Smartphone mit dem Arzt in Kontakt
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00:01 13.07.2016

Rostock Seine lockeren Video-Clips haben ihn in ganz Deutschland bekannt gemacht: Dr. Johannes Wimmer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hält zur Eröffnung der Nationalen Branchenkonferenz in Warnemünde-Hohe Düne ein Impulsreferat.

Welche Impulse wollen Sie dort geben?

Dr. Johannes Wimmer: Über volle Notaufnahmen und überfüllte Wartezimmer meckern alle, Ärzte genauso wie Patienten. Aber es passiert bisher nichts, was die Sache bessern könnte. Also stelle ich die Frage, was wir online dagegen tun können. Dass zum Beispiel die Leute nicht mehr so lange auf Termine warten müssen. Oder dass sie besser vorbereitet zum Arzt kommen. Oder wie wir Patienten übers Internet behandeln können. Es gibt da sehr viele Ansätze.

Über das Internet Patienten behandeln, ist das nicht abenteuerlich?

Dr. Wimmer: Nein. Man kann Menschen online sogar wunderbar behandeln. Heute noch von Fernbehandlungsverbot zu sprechen, ist Unsinn. Online-Konsultationen zwischen Arzt und Patient sind erlaubt, wenn der Patient den Arzt vorher schon aufgesucht hat. Unproblematisch ist auch, dass Patienten sich per Telemedizin Zweitmeinungen oder Hilfe von Fachärzten einholen. Chronisch Kranke können ja bereits jetzt per Telemedizin überwacht werden. Das wird auch bereits praktiziert.

Gibt es an Ihrem Krankenhaus solche Beispiele?

Dr. Wimmer: Ja. Bei offenen Wunden zum Beispiel versorgen wir Patienten, die wir gut kennen, übers Internet. Wir geben ihnen Smartphones mit, um ihre Wunde zu dokumentieren. Einmal in der Woche schicken sie uns ein Foto. Wenn eine Omi das nicht allein hinbekommt, kommt einmal in der Woche vielleicht der Enkel, der es für sie tun kann. Anhand der Bilder entscheidet dann der behandelnde Arzt, ob sie in die Klinik kommen muss oder ob der Hausarzt weiterbehandeln kann.

Das spart doch Arztbesuche, oder?

Dr. Wimmer: Es ist auf jeden Fall eine intelligentere Terminvergabe. Leider praktizieren viele Ärzte heute immer noch wie in den 60er Jahren. Nach dem Prinzip: Kommen Sie mal in vier Wochen wieder. Das kann im schlimmsten Fall viel zu spät sein. Es kann aber auch unnötig sein, weil alles gut verheilt ist. Ziel muss sein, dass Patienten dann zum Arzt kommen, wenn es nötig ist. Und das kann tatsächlich dazu führen, dass weniger Patienten im Wartezimmer sitzen.

Umfragen haben ergeben, dass viele Patienten sich im Netz informieren, bevor sie zum Arzt gehen. Was halten Sie davon?

Dr. Wimmer: Sehr viel, wenn sie dort die richtigen Informationen finden. Aber allgemein ist das beim Thema Gesundheit nicht anders, als wenn Sie online nach Finanzanlagen suchen. Es gibt dubiose Apps mit schlechten Ratschlägen. Es gibt aber auch solche mit guten Empfehlungen.

Warum setzen Sie in der Aufklärung der Patienten vor allem auf Video-Clips?

Dr. Wimmer: Weil Videos mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen. Bei reinen Texten schweifen die Zuschauer schnell ab, Fotos allein sind recht statisch. Bei Videos kann ich Augenkontakt mit den Menschen aufnehmen, dadurch entsteht eine direkte Beziehung. Das ist wichtig, damit Leute sich angesprochen fühlen. Lieber wäre mir

natürlich, der behandelnde Arzt hätte eine Stunde Zeit für seinen Patienten und könnte es ihm selbst erklären. Das ist aber leider nicht so, also können digitale Kanäle helfen.

Sie kommen in vielen Videos ausgesprochen locker rüber. Passt das, wenn Sie über Krankheiten sprechen?

Dr. Wimmer: Ich bin kein Kind von Traurigkeit. Und warum soll ich das nicht zeigen? Medizinische Aufklärung kann ruhig unterhaltsam sein. Aber es gibt natürlich auch Videos, die mit Flapsigkeit gar nichts zu tun haben. Da erkläre ich Betroffenen sehr ernsthaft, was es mit ihrer Erkrankung auf sich hat.

Wie kommen Sie mit den Videos und Ihrem Blog bei Ärzten an?

Dr. Wimmer: Anfangs haben viele gesagt, der ist verrückt. Inzwischen kommen einige, die sagen, sie würden es gern genauso machen. Ich finde, Ärzte sollten sich mehr in die digitale Aufklärung einbringen. Wer heute einen medizinischen Rat im Internet sucht, stößt auf alle möglichen Ansprechpartner – aber kaum auf Ärzte.

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