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Überflüssig und teuer: Schornsteinfeger in der Kritik

Überflüssig und teuer: Schornsteinfeger in der Kritik

Interessengemeinschaft verfasst Petition: Moderne Heizungen brauchen keine Kaminkehrer

Stralsund Eine Petition gegen das deutsche Schornsteinfegerwesen ist in den letzten Tagen bundesweit an Gremien und Institutionen gegangen, unter anderem an den Petitionsausschuss des Bundestages. In Mecklenburg-Vorpommern erhielten sie zum Beispiel die Präsidentin des Landtags und die Fraktionsvorsitzenden der demokratischen Parteien. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Dirk-Gunter Herfurth, Mitunterzeichner und Sprecher der bundesweiten Interessengemeinschaft (IG) für ein zeitgemäßes Schornsteinfegerwesen in Mecklenburg-Vorpommern. Er arbeitet in Stralsund als Sachverständiger für genehmigungsbedürftige Feuerungsanlagen.

 

OZ-Bild

Dirk-Gunter Herfurth, Sprecher der IG

Quelle: OZ

Auch freie Schornsteinfeger dürfen kehren

Der „bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger“ ist weiterhin für die sogenannte Feuerstättenschau zuständig, zweimal innerhalb von sieben Jahren. Für die von ihm im Feuerstättenbescheid aufgelisteten Arbeiten kann der Hausbesitzer seit 2013 auch einen freien Kaminkehrer beauftragen.

Herr Herfurth, der Schornsteinfeger bringt Glück und sorgt für den Brandschutz. Was haben Sie gegen Glück?

Dirk-Gunter Herfurth: Allen Menschen alles Glück dieser Welt! Dass Schornsteinfeger Glück bringen, ist jedoch eine Erfindung der Schornsteinfeger aus dem Mittelalter.

Aber Brandschutz ist doch enorm wichtig – immer mal wieder brennen Häuser!

Herfurth: Das ist richtig, doch diese Brände werden überwiegend durch Fehler an der E-Ausrüstung der Gebäude, durch defekte Elektrogeräte oder durch falsches Umgehen mit Feuer und offenem Licht verursacht.

Tja, ist es vielleicht sogar Verdienst der Schornsteinfeger, dass Kleinfeuerungsanlagen in der Brandursachenstatistik keine Rolle spielen?

Herfurth: Von baumustergeprüften, technisch eigensicheren Kleinfeuerungsanlagen, die mit Öl oder Gas beaufsichtigungsfrei betrieben werden, geht keine Brandgefahr aus! Damit ist der Schornsteinfeger mit dem Polizisten in der Wüste vergleichbar, an dem im Jahr fünf Kamele vorbeilaufen. Der berichtet dann am Jahresende seinen Vorgesetzten, dass dank seines Einsatzes kein Verkehrsunfall vorkam . . .

Und deshalb haben Sie jetzt eine Petition verfasst?

Herfurth: Ja, weil wir viele Jahre gehofft hatten, dass sich bei den etablierten Parteien vielleicht doch noch Vernunft breitmacht. Leider vergeblich.

Was sind Ihre wichtigsten Kritikpunkte?

Herfurth: Nur in Deutschland gibt es diese rigide, aus Nazi-Zeiten stammende Gesetzgebung! Soweit die in anderen Ländern existierte, ist sie längst den technischen Gegebenheiten der Jetztzeit angepasst worden. Von modernen Gas- beziehungsweise Ölheizungen gehen keine Gefahren aus, die durch die überflüssigen Schornsteinfegerbesuche minimiert werden könnten. Dazu fehlt den Fegern die Vorbildung, das technische Verständnis und in aller Regel auch das Spezialwerkzeug. Hinzu kommt, dass die Schornsteinfeger für ihre Zwangstätigkeiten nicht haften.

Was haben Sie gegen den Status des Schornsteinfegers?

Herfurth: Eine ganze Menge: Die derzeitige Sach- und Rechtslage ist dadurch gekennzeichnet, dass der Bezirksschornsteinfeger einerseits Behörde ist, denn er erlässt den Feuerstättenbescheid, in dem er die Prüffristen für sich selbst festlegt. Andererseits ist er freier Gewerbetreibender; das Nebenerwerbsverbot ist aufgehoben. Dadurch ist es ihm möglich, von ihm „schlecht“ geprüfte Anlagen selbst zu reparieren beziehungsweise neue Anlagen für diese von ihm „schlecht“ geprüften zu verkaufen. Außerdem ist er „hoheitlich beliehener Unternehmer“, weshalb die vorgesetzte Behörde seine Tätigkeiten durchsetzt und gleich noch die Gebühren für ihn eintreibt. Und dass er aufgrund seiner materiellen Prüfungskompetenz jegliche Konkurrenz verhindern kann.

Hört sich an wie ein gesetzlich legitimierter Selbstbedienungsladen!

Herfurth: Ja! Darüber hinaus hat der Bezirksinhaber nach dem Schornsteinfegerhandwerksgesetz Zutritt zu allen Räumen eines Hauses; das darf weder ein Polizist noch ein Staatsanwalt oder die Steuerfahndung so ohne weiteres.

Sie behaupten, der Schornsteinfeger verhindert Innovationen im Heizungskeller. Wieso sollte das so sein?

Herfurth: Zum Beispiel weil der Installateur erst den Feger fragen muss, wenn eine Neuinstallation durchgeführt werden soll. Das bedeutet, dass ein vom Hersteller akkreditierter Heizungsbauer einen quasi technischen Laien befragen muss, wenn eine technische Neuerung eingeführt werden soll!

Was fordern Sie von der Politik?

Herfurth: Die ersatzlose Streichung der derzeitigen Schornsteinfeger-Gesetzgebung einschließlich der dazu ergangenen Durchführungsverordnungen. Und die Entlassung der Schornsteinfeger in den freien Wettbewerb!

Interview von Thomas Luczak

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