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Umstrittener Vorschlag: Auto fahren schon ab 16

Rostock/Linstow Umstrittener Vorschlag: Auto fahren schon ab 16

Ausbilder und Unfallforscher fordern Ausbau des Projektes „Begleitetes Fahren“

Rostock/Linstow. Fahren ab 16: Junge Leute sollen künftig schon ein Jahr früher in Begleitung Erwachsener Auto fahren dürfen. Ausbilder und auch Unfallforscher fordern den Führerschein mit 16.

Doch dieser Vorstoß ist umstritten. Skeptisch betrachten unter anderem das Schweriner Verkehrsministerium und Fahrerlaubnis-Prüfer der Dekra das Vorhaben. Auch am seit drei Jahren währenden Modellversuch „Moped mit 15“ in drei Bundesländern scheiden sich die Geister. Beide Projekte gehören zu den Themen des morgen in Linstow (Landkreis Rostock) stattfindenden Fahrlehrertages Mecklenburg-Vorpommern.

Befürworter verweisen auf die Erfolge des „Begleiteten Fahrens mit 17“ (BF 17). Weit mehr als 36000 Bewerber legten allein in MV bisher die Prüfung ab. „Bundesweit ziehen knapp die Hälfte aller Führerschein-Bewerber diese Option“, sagt Dieter Quentin, Vize-Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Er betont die enorme Resonanz vor allem in den Flächenländern. Ein Plus an Mobilität spiele gerade für junge Leute auf dem Lande eine große Rolle.

„Vorausschauendes Fahren lernen Einsteiger am besten an der Seite beispielsweise ihrer Eltern“, betont Helmut Bode, Chef des Fahrlehrerverbandes MV. Im Vergleich zu gleichaltrigen Fahrern, die auf herkömmliche Weise den Führerschein machen, schneiden die Früheinsteiger besser ab. Nach einer Erhebung der Bundesanstalt für Straßenwesen begehen BF-17-Absolventen im ersten Jahr des selbstständigen Fahrens 18 Prozent weniger Verkehrsverstöße und verursachen 19 Prozent weniger Unfälle.

„Während der Ausbildung legen die Fahrschüler etwa 800 Kilometer zurück. In der Begleitphase sind es noch einmal 2000 bis 4000 Kilometer zusätzlich“, erklärt das Schweriner Verkehrsministerium.

Ergebnis: Das Programm senke das hohe Unfallrisiko der jungen Fahrer. Den Führerschein mit 16 jedoch sieht das Ministerium kritisch. Es seien langwierige Rechtsänderungen, etwa der EU-Führerscheinrichtlinie, nötig. Zudem würden mehr 16- bis 17-jährige Fahrer der Verkehrssicherheit schaden. Eine Ansicht, die Edgar Pinick von der Rostocker Dekra teilt: „Es ist zu befürchten, dass viele 16-Jährige aufgrund ihrer Entwicklung den Anforderungen des Autofahrens noch nicht gewachsen sind.“

Widerspruch kommt von Siegfried Brockmann, Leiter Unfallforschung des Verbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Durch die längere Begleitphase macht das Projekt absolut Sinn. Die Einsteiger profitieren vom Erfahrungsschatz der Beifahrer.“

„Je länger die Anfänger begleitet werden, umso sicherer werden sie“, meint Fahrlehrer Helmut Bode aus Dömitz an der Elbe. Er fordert zugleich den Mopedschein mit 15. Seit Mai 2013 läuft erfolgreich ein Test in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Allein bis September 2015 gab es in den drei Bundesländern insgesamt 16295 praktische Prüfungen für den Mopedschein. „Und die aktuellen Unfallzahlen geben keinen Anlass zur übertriebenen Besorgnis“, versichert Brockmann.

Von Volker Penne

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