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MV aktuell Umweltministerium: Meeresschutzzonen in Ostsee nicht in gutem Zustand
Nachrichten MV aktuell Umweltministerium: Meeresschutzzonen in Ostsee nicht in gutem Zustand
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16:45 14.02.2019
Zwei Schweinswale schwimmen auf der Ostsee zwischen Puttgarden (Schleswig-Holstein) und dem dänischen Rödbyhavn. Seit 2007 gibt es in der deutschen Nord- und Ostsee Meeresschutzgebiete. Konsequenzen hat das bislang nicht. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Berlin

Die Meeresschutzgebiete in Nord- und Ostsee erfüllen bislang nicht ihren Zweck. Vor allem durch Fischerei mit Grundschleppnetzen „erreichen die Lebensräume des Meeresbodens und die Meeresfische insgesamt nicht den guten Umweltzustand“, bestätigte das Bundesumweltministerium auf Anfrage der Grünen-Abgeordneten Steffi Lemke. Zuvor hatte das ARD-Hauptstadtstudio berichtet.

Grundschleppnetze werden beim Fischen über den Meeresboden geschleift und richten dabei die größten Schäden auf dem Boden an, stellte das Ministerium fest. In der Ausschließlichen Wirtschaftszone von Nord- und Ostsee gibt es je drei Schutzzonen: „Doggerbank“, „Borkum Riffgrund“ und „Sylter Außenriff-Östliche Deutsche Bucht“ in der Nordsee und „Fehmarnbelt“, „Kadetrinne“ und „Pommersche Bucht-Rönnebank“ in der Ostsee. Mit ihnen sollen vor allem Riffe und Sandbänke geschützt werden, sagte Christian von Dorrien vom Thünen-Institut für Ostseeforschung in Rostock. Also genau jene Habitate, die von Grundschleppnetzen besonders betroffen sind.

Verbot von Grundschleppnetzen angestrebt

Experten des Thünen-Instituts zufolge sind Schutzmaßnahmen für diese Gebiete lediglich noch nicht umgesetzt. Angestrebt werde ein Verbot von Grundschleppnetzen in den Schutzzonen, sagte von Dorrien. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes darf Deutschland die Fischerei in den Schutzzonen nicht allein verbieten, sondern muss die EU-Kommission anrufen, weil auch Fischer aus anderen EU-Staaten betroffen wären.

Für die Nordsee-Schutzzonen hat sich Deutschland mit den Nachbarstaaten abgestimmt, bestätigen das Umweltministerium und Gerd Kraus vom Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven. Nun müsse der Antrag der EU-Kommission vorgelegt werden. „Die meisten EU-Mitgliedstaaten sind derzeit in vergleichbaren Verfahren und ähnlich weit in der Umsetzung [...] der Schutzgebietsmaßnahmen“, sagte Kraus. Bis diese gelten, sei es nicht verwunderlich, dass in den Gebieten noch intensiv gefischt werde.

Für Ostsee noch keine Abstimmung erfolgt

Für die Ostseeschutzgebiete ist man laut Ministerium dagegen noch nicht so weit. Derzeit finden Anhörungen mit Naturschutz- und Fischereiverbänden statt, später folgen die Abstimmung mit den anderen EU-Staaten und der Antrag an die Kommission. Im Gegensatz zu dänischen und polnischen Fischern fischten ihre deutschen Kollegen von Dorrien zufolge in den Ostsee-Gebieten aber kaum mit Grundschleppnetzen.

Naturschützern gehen die Planungen längst nicht weit genug, denn alle anderen Nutzungen sollen nicht verboten werden. Dazu gehören etwa Kies- und Sandabbau, Schifffahrt und Fischerei mit Stellnetzen. „Das kommt dabei heraus, wenn die Fischereiverwaltung die Fischerei beschränken soll, die Frösche legen ja auch nicht den Sumpf trocken“, sagte Thilo Maack von Greenpeace. „Wer Fischbestände schützen will, muss konsequent die Fischerei beschränken.“ Die Stellnetzfischerei, der jährlich zehntausende Seevögel und Schweinswale zum Opfer fielen, werde mit keinem Wort erwähnt. „Das ist armselig und traurig.“ Greenpeace hatte im Sommer tonnenschwere Felsen vor dem Sylter Außenriff versenkt, um es vor Grundschleppnetzfischerei zu schützen. Mittlerweile würden Fischer das Gebiet meiden, sagte Maack.

BUND sieht große Fischereilobby

Auch Matthias Goerres vom BUND Mecklenburg-Vorpommern sieht einen großen Einfluss der Fischereilobby auf die Ausgestaltung der Schutzvorhaben. Die Bundesregierung wolle nur auf dem Papier gut aussehen.

Einer Studie des Kieler Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung zufolge werde in Schutzzonen von Nordsee und Nordostatlantik um 40 Prozent intensiver mit Schleppnetzen gefischt als außerhalb der Schutzgebiete. Das Umweltministerium bestätigte diese Angaben in der Antwort an Lemke zwar, doch von Dorrien hat Zweifel. Beim Thünen-Institut sehe man methodische Mängel in der Studie und habe Bauchschmerzen mit ihr - grundlegend falsch sei sie aber nicht.

Hannes Stepputat