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MV aktuell Unsaubere Geschäfte bei der Teppichreinigung
Nachrichten MV aktuell Unsaubere Geschäfte bei der Teppichreinigung
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06:50 20.06.2018
Rostock

/Güstrow. Wiebke Cornelius kennt die Beschwerden: „Sehr hohe Preise, nicht nachvollziehbare Rechnungen, unseriöses Geschäftsgebaren.“ Ganz aktuell meldeten sich innerhalb einer Woche bei der Verbraucherzentrale in Rostock gleich mehrere Kunden, die sich von einer orientalisch anmutenden Teppichwäscherei über den Tisch gezogen fühlten.

Die Kosten für die Reinigung schwankten zwischen 550 und 3000 Euro. „Alles muss bar bezahlt werden, die Rechnungen werden ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen“, berichtet die Verbraucherschützerin.

Zugesagte Termine fürs Zurückbringen der Ware seien nicht eingehalten worden. Was die Kunden aber besonders auf die Palme brachte: Teppiche waren nach dem Reinigen schmutziger als zuvor und wiesen sogar Schäden auf, die sie vorher gar nicht hatten.

1000 Euro zahlte zum Beispiel ein Kunde für einen Teppich und eine Brücke, zusammen etwa zehn Quadratmeter groß. „Viel zu teuer“, meint die Juristin. Der bundesweite Branchenverband bestätigt das.

Für „normale“ Orient- und Nepalteppiche liegen die Preise bei 20 bis 25 Euro pro Quadratmeter, informiert Daniel Dalkowski vom Deutschen Textilreinigungsverband (DVT) in Bonn (Nordrhein-Westfalen).

Mehr als doppelt so viel hätten die Rostocker Kunden bezahlt. Für besonders hochwertige Seidenteppiche könnten zwar auch mal bis zu 45 Euro je Quadratmeter anfallen, für einfachere Webteppiche dagegen nur 15 bis 20 Euro pro Quadratmeter.

„Das ist ein leidiges Thema“, weiß Dalkowski. „Wir haben das fast wöchentlich auf dem Tisch.“ Bei drastischen Fällen sollten Kunden Anzeige bei der Polizei erstatten. „Wucherei ist ein Straftatbestand.“ Der Verband unternimmt auch selbst etwas, um sich von unseriösen Geschäftemachern abzugrenzen. „Wir melden solche Fälle der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs.“ Denn häufig werben Firmen „mit Lockangeboten, die nicht zulässig sind“, weiß Dalkowski. So müssten für Rabattaktionen immer konkrete Termine angegeben werden. Die Bezeichnung „5-Tage-Aktion“ sei unzulässig. 180 Abmahnungen gab es seit 2013 bundesweit.

Auch Michael Trost erhält häufig Anrufe von Kunden, die schlechte Erfahrungen mit Vertretern seiner Zunft machten. „Die fragen mich dann, was es bei uns kostet und wie wir arbeiten“, erzählt der Inhaber der T&W Textilreinigung GmbH Güstrow (Landkreis Rostock). Seine Firma nimmt Teppiche zur Reinigung an, schickt sie aber in eine Profi-Wäscherei nach Hannover (Niedersachsen). „Für sechs bis zehn Teppiche pro Woche lohnt das bei uns nicht“, sagt der Unternehmer, der in Güstrow 24 Mitarbeiter beschäftigt und mit rund 40 Textil-Annahmestellen von Wismar bis zum Darß sowie in der Seenplatte-Region kooperiert.

In Wismar hat Konrad Stefan (33) im Sommer eine neue Teppichwäscherei mit Reparaturservice eröffnet. „Bei uns gibt es keine Beschwerden, die Kunden sind zufrieden mit uns“, sagt der Deutsch-Iraner, der sein Handwerk im Familienbetrieb lernte. Man dürfe nicht alle nach persischer Tradition arbeitenden Anbieter „in einen Topf werfen“. Das wünscht sich auch Karl Cyryl (43), der im August von Gelsenkirchen nach Rügen kam und dort die Teppichwerkstatt Bergen eröffnete.

Auch der Inhaber des Rostocker Orientteppichhauses, Moses Kwiek, gegen den sich Beschwerden bei der Verbraucherzentrale richten, nimmt für sich in Anspruch, dass er gute Arbeit leistet. „Ich bin sieben Jahre in Rostock, ich habe mein Geschäft ehrlich aufgebaut.“ Er verspricht: „Wenn Kunden nicht zufrieden waren, wasche ich ihre Teppiche noch einmal.“

Elke Ehlers

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