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MV aktuell Unterwäschefotos für die Uni
Nachrichten MV aktuell Unterwäschefotos für die Uni
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19:06 27.07.2018
Profi: Kunststudentin Friederike Holst (22) arbeitete früher als Model, lief schon bei Fashion Weeks in London und New York mit. Quelle: P.binder
Greifswald

Medienrummel an diesem Donnerstag in Greifswald: Jura-Student Marc Benedict (21) und Kunststudentin Friederike Holst (22) posieren vor einem bröckelnden Jura-Gebäude in der Greifswalder Innenstadt - in Unterwäsche. Zig Journalisten sind gekommen, genau wie erhofft. Denn die Aktion ist auf Öffentlichkeit aus.

Mit Fotos für einen Erotikkalender wollen Marc Benedict, Friedrike Holst und viele weitere Studenten auf die nackten Fakten an ihrer Uni aufmerksam machen: fehlende Millionen im Haushalt, 77 bedrohte Stellen. „Es könnten sogar Institute geschlossen werden“, sagt Marc Benedict. „Wir müssen was tun, und immer nur auf der Straße demonstrieren bringt nichts.“

Im Juli hatte das Studierendenparlament beschlossen, zwei Erotikkalender zu gestalten - einen mit nackten Studentinnen, einen mit nackten Studenten. Oder halbnackt zumindest. Über Facebook wurde um Models geworben. „Wir waren überrascht, wie viele mitmachen wollten“, erzählt Anna-Lou Beckmann, stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses. Mehr als zwölf Models pro Kalender seien es nun, darum würden auf einigen Kalenderblättern zwei oder mehr Studenten gezeigt.

In der Erstsemesterwoche Anfang Oktober soll der Kalender rauskommen, die ersten Fotos sind inzwischen im Kasten. Lehramtsstudent Mike Lange, der neben dem Studium auch als freiberuflicher Fotograf arbeitet, gehört zu den Fotografen. „Ich hab sofort gesagt, dass ich hier mitmache, weil ich was für meine Uni tun will“, sagt er. Bei Demos im Bildungsstreik sehr er oft mitgelaufen, „aber da hat immer was gefehlt.“ Die Fotografie ist nun sein Protestmittel.

Im Studierendenparlament war das Projekt anfangs umstritten. „Einige hatten Sorge, dass es sexistisch wird, wir praktisch die Nacktheit der Körper ausnutzen“, sagt Stupa-Präsident Philipp Schulz („Die Partei“). Ein bisschen sei es ja auch so. Aber eben für einen guten Zweck. Mike Lange verspricht: „Es werden ästhetische Bilder.“ Platte Pornos wolle hier keiner sehen, weder er - noch die Studenten.

 


Lesen Sie hier den ganzen Text: Nackte Fakten: Studenten machen ernst
Video: Erotikkalender von Greifswalder Studenten



Sybille Marx