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Untreue-Affäre bei Awo: FDP fordert Rücktritt des Landeschefs

Schwerin/Waren Untreue-Affäre bei Awo: FDP fordert Rücktritt des Landeschefs

Rudolf Borchert, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt und SPD-Landtagsabgeordneter, weist Kritik zurück – am Freitag soll ein Gutachten das Finanzgebaren offenlegen

Schwerin/Waren. Schwere Geschütze fährt die FDP gegen Rudolf Borchert, Landesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo), auf. Der 64-Jährige solle sofort sein Mandat im Schweriner Landtag niederlegen, fordert Cécile Bonnet-Weidhofer, FDP-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl. Anlass ist die Untreue-Affäre beim Awo-Regionalverband Müritz mit Sitz in Waren. Nachdem bekannt wurde, dass der frühere Vorstandschef Götz-Peter Lohmann in Doppelfunktion unterwegs war und in einer Awo-GmbH neun Jahre lang insgesamt 700000 Euro kassierte (die OZ berichtete), gerät auch Awo-Landeschef Borchert in die Kritik. Für die SPD sitzt er seit 1998 im Landtag. Er selbst weist Vorwürfe zurück.

Von „Korruptionsaffäre“ und „dunklen Machenschaften“ spricht die FDP. Borchert habe von den Geldflüssen in der Müritz-Awo gewusst und werde verbandsintern bereits zum Rücktritt aufgefordert. „Jemand, der von der Korruption innerhalb seines Vereins weiß und nichts dagegen tut, kann wohl kaum im Sinne der Wähler handeln“, sagt Bonnet-Weidhofer. Sie fordert den SPD-Mann auf, sein Landtagsmandat niederzulegen. Von der Landes-SPD erwarte sie eine distanzierende Erklärung.

Der Skandal war vor wenigen Wochen aufgeflogen. Nach öffentlichem Druck räumte die Müritz-Awo in einem offenen Brief ein, dass Vorstandschef Lohmann, zugleich Vize-Landeschef des Wohlfahrtsverbands und ehemaliges SPD-Bundestagsmitglied, ohne wesentlich abrechenbare Leistungen 700 000 Euro bei der Awo Service GmbH kassiert habe. In der Folge ging erst Peter Olijnyk, Geschäftsführer der Müritz-Awo aus dem Job, vor wenigen Tagen legte dann Lohmann den Vorstandsvorsitz nieder. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg ermittele gegen beide, bestätigte gestern Oberstaatsanwalt Ralf Röder.

Vorwurf: Untreue. Awo-Landesvorsitzender Borchert sei dagegen „nicht Beschuldigter im hiesigen Verfahren“.

Entsetzen herrscht innerhalb und im Umfeld der Awo, die nach eigenen Angaben landesweit 6000 Mitglieder und 6400 Beschäftigte, vor allem im sozialen Bereich, hat. Laut Medienberichten sollen die Untreue-Vorwürfe dem Kreisvorstand bereits seit Januar 2016 bekannt gewesen sein. Die Zahlungen an Lohmann seien nur die Spitze des Eisbergs, erklärt ein Insider. In der Verbandsspitze herrsche eine regelrechte „Bedienungsmentalität“. Beweise dafür bleibt er aber schuldig.

Awo-Landeschef Rudolf Borchert weist Vorwürfe gegen ihn zurück. Rücktrittsforderungen seien ihm „nicht bekannt“. Borchert: „Ich trete nicht zurück.“ Hatte er Kenntnis von den Geldflüssen an Lohmann?

Antwort: „Nein.“

Die Lage in der Müritz-Awo bewerte er jedoch als „absolut kritisch“. Der Landesverband hat bei einer Anwaltskanzlei ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben, das die Situation aufarbeiten soll.

Am Freitag sollen Inhalte vorgestellt werden. Er schließe nicht aus, dass auch sein Name darin auftauche, sagt Borchert. Konkreter wird er nicht. Nach OZ-Informationen lag ihm das Gutachten gestern bereits vor.

Die Forderung der FDP nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag kommentiert Rudolf Borchert nicht, verweist nur auf den laufenden Wahlkampf. Mit Ende der Legislatur scheidet der 64-Jährige ohnehin aus der Landespolitik aus.

Frank Pubantz

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