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Untreue-Skandal: Früherer Awo-Chef muss Gehalt zurückzahlen

Neubrandenburg/Waren Untreue-Skandal: Früherer Awo-Chef muss Gehalt zurückzahlen

Landgericht verurteilt Ex-Geschäftsführer der Müritz-Awo im Zivil-Prozess – die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen weiter

Neubrandenburg/Waren. Entscheidende Weichenstellung im Untreue-Skandal unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt (Awo): Peter Olijnyk, langjähriger Geschäftsführer der Müritz-Awo, hat gestern für seine Zivil-Klage auf Rücknahme der fristlosen Kündigung eine Niederlage vor dem Landgericht Neubrandenburg kassiert. Mehr noch: Olijnyk, gegen den auch strafrechtliche Ermittlungen laufen, muss gut 390000 Euro plus fünf Prozent Zinsen an die Awo zurückzahlen. Er habe über Jahre Gehalt und Tantieme (jährlich in Summe 180000 Euro) bezogen, dazu eine Betriebsrente garantiert bekommen, für die es keine Legitimation gegeben habe, sagte die Richterin. Olijnyks Vertrag sei nur mit dem damaligen Awo-Vorstandschef Götz-Peter Lohmann zustande gekommen – der wiederum 5100 Euro monatlich für einen Ruhestandsposten über die Awo bezogen haben soll. Unterzeichnen müssen hätte aber der Vorstand, der den alleinigen Gesellschafter, die Müritz-Awo, vertritt. Olijnyks Anwalt, Hannes Barck von der Kanzlei Peter Michael Diestel, kündigte an, gegen das Urteil Rechtsmittel zu prüfen. Olijnyk erklärte gegenüber der OZ: Alle Vorstandsmitglieder „hätten es wissen müssen“.

Erleichterung bei der Awo. „Ich bin sehr zufrieden mit diesem Urteil“, sagt Bundesvorsitzender Wolfgang Stadler. Dennoch habe es Lücken im bestehenden Regelwerk gegeben. Diese seien nun durch „verbindliche Richtlinien“ für alle Awo-Strukturen geschlossen worden. Der Fall hatte im Vorjahr Schlagzeilen gemacht. Die AfD setzte einen Untersuchungsausschuss im Landtag durch, um weitere Sozialverbände zu durchleuchten. Leif-Erik Holm, früherer Fraktionschef, sprach gar von „Sozial-Mafia“, wenngleich als Zitat getarnt. Viel rausgekommen ist offenbar bisher nicht im Ausschuss. Es gebe „keine Hinweise“ auf Unregelmäßigkeiten in anderen Verbänden, sagt Karen Larisch, Obfrau der Linken im Ausschuss. Zur Müritz-Awo würden derzeit Akten der Staatsanwaltschaft durchforstet. Interessant sei vor allem die Frage, so Larisch, „warum die Kontrollmechanismen versagt haben“. Wie konnte es sein, dass Awo-Verantwortliche, Ministerien und Wirtschaftsprüfer nichts von den unangemessenen Gehältern wussten?

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen Olijnyk und Lohmann. „Die Ermittlungen dauern an“, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin.

Frank Pubantz

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